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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im November17.12.2009

Die lyrix-Gewinner im November

Die "Schöne Mondfrau" von Hugo Ball inspirierte die lyrix-Teilnehmer zu sehr unterschiedlichen Mond-Gedichten.

Der Mond (NASA)
Der Mond (NASA)

Die Nacht, die Ball in seinem Gedicht beschreibt, ist lebendig, fantastisch und übersinnlich. Auch bei euch hat der Mond fantasievolle Assoziationen geweckt. In den eingeschickten Wettbewerbsbeiträgen wird der Mond als Symbol für Frieden, aber auch als geheimnisvoll und undurchschaubar beschrieben.

Im Dezember lautet unser Leitmotiv: Nacht

Hier die Texte der Monatsgewinner, die unsere lyrix-Jury ausgewählt hat:

Mondfrau

Schönheit, dort, im Nebelreich,
strahlend Augen sternengleich.
Fließend Haareswasserfall
schwingt in ihrem Zaubertanz,
sanfter Schimmer, heller Glanz,
im unendlich weitem All.

Weich, im Mondeszauberlicht
scheu, das liebliche Gesicht
tanzt im Nebelschwadenklang
in unendlich weiter Nacht
mit ihr unbewusster Macht.
Hörst du ihren Mondgesang?

Eingesperrt in Raum und Zeit,
scheint sie dir so endlos weit.
Schließ die Augen, lausche ihr
wie sie von der Liebe singt,
dir den Zauberfaden bringt
und dich mitnimmt, hin zu ihr


(Anna Neocleous aus Rietberg, Deutschland, Gymnasium Nepomucenum Rietberg, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: griechisch und deutsch)



Stiller Zeuge

Im Anfang, als Prometheus Feuer brachte
Und jenen Lohen Menschenwitz entsprang,
War einer, der als stiller Zeuge wachte
Auf seinem hohen, sternbesetzten Rang.

Und wenn zwei zarte Stimmen sich vereinen,
Zwei Funken neuen Flammenwurf gebär’n,
Schwebt er als Silberkreis inmitten feinen
Gewölks und blickt, beobachtet von fern.

Dereinst wird dieses Brennen uns verzehren
Und Götterspruch bricht über uns herein –
Dann steht der Mond vor rußerstickten Ähren
Und wieder wird er stiller Zeuge sein.


(Kai Gutacker aus Niddatal, Deutschland, Sankt-Lioba-Schule, Bad Nauheim, Jahrgangsstufe 13, Muttersprache: deutsch)


Der schwarze Reiter

Vollmondnacht, blasser Schein
lebendige Schatten, doch du bist allein
Mythengeflüster im Zischen des Windes
trägt durch die Nacht den Schrei eines Kindes den Ruf einer Eule, nur leis du rennst und rennst und rennst im Kreis die Kälte kriecht hungrig durch feuchtes Moos fasst mit dünnen Fingern und lässt nie mehr los heiligen Mondschein zum Elixier gemacht spürt der Wolf die Verwandlung und jault in die Nacht Nebelgestalten huschen über das Moor erzählen von jedem, der hier was verlor das Eis umschließt wie ein Totentuch die bleichen Leichen und ihren Fluch dürre Äste peitschen in dein Gesicht du sträubst dich, stolperst, fällst, es bricht eisiges Wasser zieht dich in finstere Schwärzen um dich wird es still, nur der Schlag eines Herzen Doch des Vollmonds Unschuld leuchtet weiter scheint den Weg dem schwarzen Reiter


(Luca Franziska Detemple aus Rottweil, Deutschland, Albertus-Magnus-Gymnasium, Jahrgangsstufe 11, Muttersprache: deutsch)


Hijo de la Luna

Liege hier und schicke Schaf um Schaf
Über Zäune, lass' sie rastlos springen
Mir zu fangen den entfloh'nen Schlaf
Die ersehnte Ruhe nun zu bringen

Keuchend und geschunden kehr'n sie wieder Kommen doch mit leeren Händen heim Niemand schließt mir meine müden Lieder Herzlos lässt der Schlaf mich hier allein

Sohn des Mondes, was hast du getan?
Bringst mich Nacht für Nacht um meinen Frieden Weil ich dich doch nicht vergessen kann Fühle mich in meiner Sehnsucht sieden

Eine Nacht lang hast du mich begleitet
Eine Nacht hast du mit mir verbracht
Hast zu kühner Hoffnung mich verleitet
Doch am Morgen bin ich aufgewacht

Sohn des Mondes, fort bist du gegangen
Hast dich schließlich von mir abgewandt
Schlaflos lässt mich das, was nun vergangen Aber dir bin ich längst unbekannt


(Nora Heilke aus Neunkirchen, Deutschland, Nikolaus-Kistner-Gymnasium Mosbach, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)


Big Brother

Traurig-kalt und silbern-einsam
erwacht der Mond aus seiner Nacht,
scheint all denen, die allein sind,
ohne Glück sind jeden Tag.

Streicht sanft über alle Straßen
mit seiner silbrig-müden Hand,
lässt die Tränen friedlich schlafen,
wacht so über aller Schlaf.

Und zerreißen schlimme Träume
doch einmal eines Müdens Ruh',
nimmt er ihn in seine Arme,
deckt mit seinem Licht ihn zu.

So wacht er in allen Nächten,
bis dann die große Sonn' erwacht,
scheint all denen, die allein sind,
ohne Glück sind jeden Tag.


(Oliver Riedmüller aus Fürth, Deutschland, Heinrich-Schliemann-Gymnasium Fürth, Jahrgangsstufe 12, Muttersprache: deutsch)



Mond

Dort, wo ich bin,
wo man alles sehen kann,
bin ich glücklich.
Durch das Fenster fliegen meine Träume,
sie sind frei.
Und ich sehe sie:
weiß und glänzend,
die Lampe des Himmels.
Wie ein Freund, der dort immer gewesen ist.
Und die Träume laufen,
und dann fliege ich dorthin...
Hier, wo ich bin,
wo man alles sehen kann,
die Sterne kommen zu mir, wie Freunde
und erzählen mir Geschichten.
Dort, woher ich komme,
jetzt weiß ich,
man sieht nicht alles...
Ich sehe den Weg der Fantasie,
der dir folgt,
dir, dem Licht des Himmels.


(Beatriz Albuquerque aus Amadora, Portugal, Deutsche Schule Lissabon, Jahrgangsstufe 10 , Muttersprache: portugiesisch)


Ich, Du und der Mond

Ich, Du und der Mond

Eine dunkle Nacht;
Ich und Du,
Wir sind allein
Aber der Mond sieht uns...

Er ist weit,
wir nicht,
sind zusammen

Sehen den Himmel...

Sterne glänzen...
sind viele,
Nur einer ist der Mond
Der schönste allem.

Er scheint uns zu sehen,
Aber wir bleiben hier.
Der helle Mond
und wir... zusammen.

Die ganze Nacht.


(Felícia Marques aus Odivelas, Portugal, Deutsche Schule Lissabon, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: portugiesisch)



Der Mond

Der Mond
Im Himmel stehst du allein,
und wachst über die Nacht,
pünktlich und genau beim Erscheinen.
Du kennst mich,
ich kenne dich,
du bist meine Schulter zum Weinen.

Wenn es kalt ist deckst du mich zu,
wenn ich schlafe, lässt du mich in Ruh.
In der Dunkelheit fühle ich dein Licht,
und wenn mich auch alle verlassen,
weiß ich du tust es nicht.


(Haris Poturkoviæ aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Schule: Prva gimnazija u Zenici, Jahrgang 1993, Muttersprache: bosnisch)


Der nächtliche Spaziergang

Bin spazieren gegangen
durch die graue und dunkle Welt
durch die Leere und Stille
Mit dem besten Freund
jedes Künstlers,
Mit dem Mond.

Durch die Himmelsgewölbe hat er mich geführt,
Alle Sterne konnte ich sehen.
Als ich Durst hatte,
Gab er mir Eingebung zu trinken,
Erleuchtete mich heller noch als die Sonne.

Und dann ... weiß nicht mehr
Was war los, weiß nicht mehr.
Er ist einfach ... fortgegangen
Etwas zu leise, so zu bescheiden,
Etwas zu plötzlich, das ist sicher.
Ich merkte nur das Licht,
Die aufwachende Sonne.


(Mciej Kwiatkowski aus Radom, Polen, PG 10 Radom, Jahrgang 1995, Muttersprache: polnisch)


Der Mond

Wenn die Strahlen der Sonne hinter dem Berg erloeschen, kommt die Nacht zu uns, Besitzerin der Schatten und erscheint zwischen den Wolken der Mond- der Zar der Stille, der Schein ueber uns, Augenzeuge des Altertums, aller Ereignisse der Zeit.

Mond, Mond?
du scheinst im Dunkel,
Mond, Mond -
du strahlst schöner als die Sterne,
Mond, Mond -
du allein leuchtest uns in der Nacht.

Deine Strahlen fliessen in Strömen,
erhellen das Tal mit silbernem Licht.
Du bist in vielem und überall,
der Kunst, der Wissenschaft, in Legenden und Gedichten.
Du bist Symbol auf Wappen und Flaggen,
du bist unser guter Begleiter.
Mit leisem Lachen siehst du uns an
und rufst uns in dein wolkenloses Land.

Mond, wo versteckst du dich am Tag?
Wie viele Geheimnisse bewahrst du?
Was wissen wir noch nicht über dich -
über dein Leben als Mond,
über dich, Aufbewahrer,
du Engel? unser?


(Tolkun Ismailova aus Naryn, Kirgisistan, Mittelschule Nr. 2 (V.P. Chkalova), PASCH-Schule des Goethe-Instituts Almaty, Kasachstan, Jahrgang 1993, Muttersprache: kirgisisch)

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