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StartseiteLyrixDie »lyrix«-Gewinner im Oktober 201430.10.2014

Die »lyrix«-Gewinner im Oktober 2014

Gemeinsam mit Raphael Urweider und dem Historischen Museum Frankfurt ging »lyrix« im Oktober auf Entdeckungsreise. 'Die Vermessung von Zeit und Raum' bot thematisch endlose Weiten, zu denen wir spannende Einsendungen erhalten haben.

Die Erde von der ISS aus gesehen. (picture-alliance / dpa / Nasa / Reid Wiseman)
(picture-alliance / dpa / Nasa / Reid Wiseman)

Im Oktober besuchte »lyrix« mit dem Thema 'Die Vermessung von Zeit und Raum' das Historische Museum Frankfurt. Neben dem Erdglobus des Johannes Schöner bot euch ein Gedicht von Raphael Urweider Inspiration.
In euren Einsendungen geht es häufig um die Probleme, welche durch Neuentdeckungen und dem damit verbundenen Verlangen nach 'mehr' entstehen. Um die Gier, die den Menschen antreibt, seine Umwelt nach und nach immer mehr auszubeuten und zu zerstören. Ebenso spielt ihr auf die Enge an, welche durch das Vermessen und damit durch das Schaffen von Grenzen kreiert wird, eine Freiheitsberaubung, die der Mensch sich selbst angetan hat.
Am Ende bleibt das, was uns zum Glück führt, unermesslich.

 

Vielen Dank für eure Einsendungen.

 

Die Monatsgewinner, Oktober 2014:

 

Die Sanduhr

 

tick.tack.

das Leben verrinnt so schnell

wie sand zwischen den fingern

sieben mal sieben

feiner sand

am unendlichen strand

kopfsprung

ins eiskalte wasser

eintauchen

abtauchen

einmal tief luft holen

und auf tauchstation gehen

das glas halb voll laufen lassen

auftauchen

und sich einfach mal treiben lassen

anhalten

innehalten

umdrehen

und gegen den strom schwimmen

feiner sand

am unendlichen strand

sieben mal sieben

zwischen den fingern

verrinnt dir die Zeit

tick.tack.

 

Christian Bernert, Jahrgang 1997

 

 

 

(T)Zeit(raum)

 

Alljene Grenzen in verstaubten Atlanten,

Ziehen seicht ihre Kreise und auch Kanten,

Linien der großen globalen Geolokalisation.

Wozu diese menschengemachten Grenzen?

Leid. Ob Lampedusa oder Verdun.

Unser Zeitgefühl bestimmt das Bewusstsein,

Unser Uhrwerk zermahlt unsere Freiheit fein,

Die Momente messbarer Minuten.

Wozu Uhren, Zeiger mögen wir ergänzen?

Verwaltung. Subjekte statt Menschen.

Addiert man Raum und Zeit entsteht Geschichte,

Gar ein Verstandsnihilismus im geschönten Lichte,

Zeilen der zeitgeschichtlichen Repetition.

Wozu der Pragmatismus, die Doktrin der Messbarkeit?

Vanitas. Verrinnen als gegenwärtige Konstante.

Doch ist das letzte Stück erst einmal vermessen,

Folgt auch schon darauf die Konklusion,

Glück hatte nie eine erfassbare Einheit besessen.

(Daran war selbst John Stuart Mill gescheitert)

 

Wilko Meyer, Jahrgang 1996

 

 

 

o.T.

 

Zeit ist was uns lebendig macht

Zeit ist das was uns menschlich macht

Zeit ist die die uns Fehler erlaubt

Zeit ist das was gleichermaßen gibt und raubt.

Zeit ist hell und dunkel zugleich

Zeit ist in Feen und in Teufeln vereint

Zeit ist das was alles bewegt

Zeit ist die die uns zum Leben anregt.

Zeit ist nur der Raum von A nach B

Der zu gestalten sich das Leben nennt.

Zeit ist die die uns am besten kennt

Und was tut sie?- Allen weh.

Nur Leid ist nicht das Einzige der Zeit

Ihr Inneres geht sehr sehr weit

Auch Gutes kann sie uns bringen

wennn wir mit ihr darum ringen.

Zeit ist überall und nirgendwo

sie lebt in jedem und in keinem

ist mit niemandem im Reinen

Zeit ist das was immer floh

Doch wir dagegen können nicht fliehen

denn seiner selbst zu entkommen geht nicht einfach so

Wenn wir den Versuch wagen und dannn sicherlich versagen
und dann die Zeit uns Menschen Hoffnung leiht.

Doch eigentlich ist die Zeit wir

und wir sind die Zeit.

Denn Zeit eilt und heilt doch niemals weilt

und die Zeit die Menschen teilt.

Wir messen die Zeit

in Stunden, Minuten, Sekunden

Die Zeit ist Monate, Jahre, Tage

Die Zeit, wie eine große Plage.

Doch Zeit schenkt Raum

sie gibt uns Platz

Zeit verschwindet mitunter

schnell wie eine Katz'.

Die Zeit hat die Macht

uns zu geben was wir brauchen

uns zu nehmen was wir wollten

Sie verfolgt uns wo wir gehen und stehen.

Doch ohne die Zeit wären wir verloren

den die Zeit ist unser Plan.

Sie ist wie ein alter, steter Kahn

Und hat sich somit selbst zur Herrscherin erkoren.

 

Emma Krehl, Jahrgang 1999

 

 

 

Die Vermessung von Zeit und Raum

 

Heute Nacht in meinem Traum,

sah ich eine große Welt.

Ohne Zeit und ohne Raum,

Wo das Leben ewig hält.

Dunkel wechselte mit Hell,

Namen kannte beides nicht,

Nie zu langsam nie zu schnell,

Beides teilte sich gerecht,

eine ganze Lebenszeit,

die da schlicht unendlich schien.

War sie doch einmal vorbei,

hatte man genug gesehen,

Denn das Land war riesengroß

Niemand schaffte jemals ganz,

sich komplett dort umzusehen.

Dann kam man auf die Idee,

sinnlos sei dieses System,

sinnlos dieser ewige Rhythmus

der willenlos im Raume hing,

Dunkel, hell, und wiederholt,

bis man dann ins grabe ging.

Drum erfand man schnell die Zeiten,

nannten beides Nacht und Tag,

nun eine getrennte weite

war der der Rhythmus halb so lang.

Erst war man damit zufrieden,

dann wollt man genauer sein,

Nacht und Tag sind nicht genug,

auch die Fläche sollte man teiln.

Unbemerkt von den Bewohnern

schlug etwas die Augen auf

wachte auf aus seinem Traume,

wachte auf zu einem Raub.

Richtet bald den Blick auf etwas,

das sich zu verschlingen lohnt,

von den Menschen selbst erschaffen

was sie zu vernichten droht.

Niemand merkte unterdessen

als man über Karten saß,

Das das Etwas die Länder schluckte

und dabei die Zeit auffraß

einst schien alles hier unendlich

nun wurds langsam viel zu klein

alles drängt sich aneinander

Zeit schien knapp bemessen zu sein.

Die Welt war nur noch ein paar Meter

kein Platz mehr für Leben da,

jeder Tag ein paar Sekunden,

jede Nacht genau so lang,

Nachdem mich dann am frühem Morgen

Klingeln aus dem Schlafe riss,

blickte ich zu meinem Globus

und wusste gleich

der Traum hat recht.

 

Mia Bons, Jahrgang 2001

 

 

 

zeit der zeiten

 

augenblicke

jetzt - hier

rauschhaft - zäh

wünschte ich doch manchmal

ich könnte die zeit einfrieren

gleichermaßen wie ich mir oft

wünschte sie vor mir her zu jagen

kausalitäten - in -

vergangenheit

gegenwart

zukunft

illusionen

ich messe die zeit mit einer uhr

ich messe den raum in metern

wie viele meter in welcher zeit

augenblicke

schlafend - wach

gestern ist heute

heute ist morgen vergangenheit

erinnern - hoffen - leiden - lieben

alles hat seine zeit

zeitgeschwängert trage ich träume in mir

gedanken meiner ahnen schlummern in

meinem gehirn - aus einer zeit

weit vor meiner zeit - durchschritten sie

den raum - in einer anderen zeit -

schon zerfallen zu staub

werfen sie noch schatten auf meine seele

vergangenheit - gegenwart - zukunft

ich stelle mich meiner zeit

 

Lara­-Sophie Cronhardt-Lück-Giessen, Jahrgang 2000

 

 

 

Und hier ein Beitrag "außer Konkurrenz":

(Jeder Teilnehmer kann maximal zweimal Leitmotivrundengewinner werden. Weitere eingesandte Gedichte werden trotzdem von der Jury bewertet. Sollte ein Gedicht nach Punkten unter den besten sein, wird es "außer Konkurrenz" veröffentlicht.)

 

Die Vermessung der Welt

 

 

Das einst mal unbekannte Land,

mit seinen Tieren, Pflanzen,

verkümmert unter Menschenhand,

verkümmert nun im Ganzen.

Denn der Mensch fraß, durch diese Welt,

sich wie ein Ungeheuer,

und was er nicht für wichtig hält,

zerstört er schnell mit Feuer.

Vermessen ist die ganze Welt,

er glaubt sie ganz zu kennen,

Wälder holzt er zu Gold und Geld

und Staub, wenn sie verbrennen.

Und was man einst von oben sah

vom schneebedeckten Gipfel,

ist heute, wachsend Jahr für Jahr,

Müllriesensmützenzipfel.

Und Meere, die einst hell und blau,

zur Überfahrt geladen,

sind dreckig, giftig, schmutzig, grau,

Schadstoffe in Milliarden.

Wo man einst Inseln neu entdeckt,

Müllstrudel sich erheben,

und jedes Tier zählt, das verreckt,

weil sie so kurz nur leben.

O schöne Welt! Wie siehst du nur

aus, weil, die die dich vermaßen,

bei Geld und Gier und Inventur,

dein eignes Wohl vergaßen.

Jetzt wissen wir, die Welt ist rund,

sie ist wohl keine Scheibe,

doch ist sie nicht mehr sehr gesund

sie- unsre einzge Bleibe.

Denn was helfen uns Daten noch,

was hilft es, zu vermessen,

wenn wir bei allem eben doch,

die Erde selbst vergessen.

Wenn stirbt, was wir lokalisiert,

verendet, was wir maßen,

wir wenn sie tabellarisiert,

Todesanzeigen lasen.

Messt, wenn ihr wollt, doch habt gut acht,

dass ihr sie nicht zerstört,

die Welt zu schützen, ihre Pracht,

weil sie nicht euch gehört!

P.s: Was habt ihr von den Zahlen,

wenn es viel wichtigeres gibt!

Von der Welt, mit all ihren Freuden und Qualen,

hat man nur etwas, wenn man sie liebt.

 

 

Magdalena Wejwer, Jahrgang 1997

 

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