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StartseiteLyrixDie lyrix-Gewinner im September14.10.2009

Die lyrix-Gewinner im September

Die Jahre von dir zu mir

In Anlehnung an Paul Celans Gedicht "Die Jahre von dir zu mir" sollten die lyrix-Wettbewerbsbeiträge im September eine vertraute Beziehung zwischen zwei Personen unterschiedlichen Alters beschreiben.

Die Jahre von dir zu mir. (Stock.XCHNG / Marinka van Holten)
Die Jahre von dir zu mir. (Stock.XCHNG / Marinka van Holten)

Das Altern gehört zum Leben dazu und nicht selten verlieren die Generationen den Zugang zueinander. Dabei ist es gerade in unserer schnelllebigen Zeit von Bedeutung, dass junge und alte Menschen sich nicht nur gegenseitig respektieren, sondern auch voneinander lernen. Eure Gedichte im September haben sich auf ganz unterschiedliche Weise mit diesem Thema befasst, fasst alle Texte beschreiben Momente des Vertrauens zwischen Jung und Alt.

Hier die Texte der Monatsgewinner, die unsere lyrix-Jury ausgewählt hat.

Im Oktober lautet unser Leitmotiv: Veränderungen


Jahre zwischen uns

Es ist so lang von dir zu mir
und doch sind wir uns nah.
Ich habe Angst dich zu verlieren,
Angst du seist irgendwann nicht da
mehr, um mit mir zu reden,
um mich zu trösten, wenn ich wein'
und meine Tränen werden Fäden
des Schicksalsteppichs sein,
des uns dann trennen wird für immer,
im ew'gen Rad der Zeit
zermalmt, oder vielleicht noch schlimmer auf ewig in der Einsamkeit gelassen ohne deinen Rat und ohne deine starke Hand, um welche ich dich so oft bat.
Die Zeit verrinnt wie Sand.


(Anna Slobdonik aus Berlin, Felix Mendelsson Bartholdy Oberschule, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: russisch)


revision

schön dich wiederzusehen im unberührten haus die dielen seufzen unter meinen zarten schritten und in deinen greisen armen darf ich mich tummeln – der staubpelz der letzten jahre schlägt mir entgegen

das durchgesessene ledersofa quietscht unter meiner last und die graue zimmerlampe presst schwaches licht zu mir hinüber während ich in deine starren augen sehe die verglimmen wie meine stimme im tränenbenetzten treppenflur

ich versuche wasser durch die rostigen badarmaturen zu locken – doch zu spät denn dein mund den ich einst mit kindlicher liebkosung versehen durfte ist erstickt und versiegelt seine geschichten verklungen bei ofenwarmen keksen

der fotorahmen an der wand reicht mir deine vergilbte liebe die ich in meinem kopf reanimiere reanimiere reanimiere

das einschlaflied das du mir komponiert hast erwacht in meinen ohren und meine atmung wird gleichmäßig ich schließe die augen sacke zusammen und du deckst mich zu mit schwarzweißerinnerungen

das urteil war vernichtend


(Jonas Kohnen aus Ludwigshafen, Heinrich-Böll-Gymnasium, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: deutsch)


Ohne Titel

Vogelgezwitscher
Blauer Himmel Sonnenschein
Die erste Lilie
Wir zwei zusammen
Du lächelst und meine Sonne geht auf
Es gibt so vieles was wunderbar ist
Doch das Beste bist du
Wir zwei
Deine Hand hält meine

Das Lachen eines Kindes
Vergissmeinnichthimmel
Eine blühende Lilie
Wir zwei
Liegen faul in der Sonne
Du immer ein bisschen
Müder als ich
Wir zwei
Deine Hand in meiner

Raschelnde Blätter
Goldenes Laub
Bedeckt die Lilie
Wir zwei
Laufen im Regen
Du stolperst
Ich kann dich nicht mehr halten
Du und ich
Deine Hand löst sich

Stille
Ein weiß überzogenes Feld
Die Lilie längst erfroren
Ich
Schaue in den Himmel
Schneeflocken auf meiner
Kalten Nasenspitze

Meine Hand in der Manteltasche


(Larissa Hieber aus Schwäbisch Gmünd, Hans-Baldung-Gymnasium, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: deutsch)


KINDERAUGEN

Du zauberst ein Lächeln
auf mein Gesicht
mit schuldlosen Augen
so verblüffend einfach

Aus meinen Wolken
machst du Sonnenschein
aus meinen Ängsten
lebhafte Geschichten

Phantasie
statt schöner Lügen
die versprechen
"das geht schon okay"

Keine sinnlosen Worte
kein Mitgefühl
nur aus Anstand
kein halbes Gehör

Ein warmes Lächeln
statt nutzlosem Mitleid
statt leeren Sätzen
"ich weiß wie's dir geht"

Nur ein Herz kindlicher Liebe
so viel jünger als ich
und ohne viel Wissen
um so vieles weiser

Meine riesige Welt
in so kleinen Händen
am besten verwahrt
im Augenblick

Bist du da
hörst du zu
verstehst mich
vielleicht auch nicht


(Luca Franziska Detemple aus Rottweil, Albertus-Magnus-Gymnasium, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: deutsch)


Ganz zerbrochen

Die Scherben spiegelten
- obwohl zerbrochen-
immer noch das Licht in deinen Augen
wie Sonnenstrahlen
während das der meinen erloschen schien
ohne Glanz
ganz leer
nicht sehr schön

Die zurückgekehrten Gedanken
malten ein Bild auf weißer Wand
das die Vollkommenheit unserer BEZIEHUNG darstellte
den Raum erhellte
unanfechtbar war
die Neuigkeit nicht sah
ausblendete

heute sehe ich abermals die Scherben
die du in mir verursacht hast
doch sie stechen meine Augen nicht mehr
denn sie sind nicht mehr in mir
Ich bin ganz
Sie sind zerbrochen
SIE ist ganz
ja ganz zerbrochen


(Nina Nick aus Dettingen, Max-Planck-Gymnasium Heidenheim, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: deutsch)


Die Gedichte aus dem Ausland:

Du und ich

Dein Leben,
deine Erfahrungen und Erlebnisse,
hast du mir alle erzählt.
Wenn meine Augen nicht schlieen wollten,
sangst du alte Liede,
und schnell war ich in einem Schlaf versunken.
Seit jeher warst du dabei.
Jahr für Jahr hast du Unterschiede
in mir verstanden,
denn klein darf niemand bleiben.
Und die Geschichten waren immer anders.
Zusammen tauchten wir
in die Vergangenheit,
und ich lernte immer mehr über alles,
über dich.
Meine Kindheit wird immer mit mir sein.
Die Geschichten, die Erlebnisse, die Lieder
werden in meinem Herzen bleiben.
du auch.


(Beatriz Albuquerque aus Amadora, Portugal, Oficinas de S.Jose, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: portugiesisch)


Die Jahre wandern

Die Jahre wandern
von mir zu dir
und von dir zu mir

Ich erzähle dir etwas
du sammelst meine Erfahrung
und meine Jahre werden deine

Deine werden auch irgendwann meine
und die Jahre wandern
damit du weder jünger noch älter bist

Die Jahre wandern gern
durch gesammelte Erfahrung,
die du mir beibringst.


(Felicia Marques aus Odivelas, Portugal, Deutsche Schule Lissabon, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: portugiesisch)


Die Jahre von dir zu mir

Ich danke dir für jede Sekunde,
und gebe dir jede Stunde,
mein Leben, mein Herz.
Denn du bist mein ganzer Schmerz,
mein ganzer Stolz,
mein größter Besitz.

Ich gebe dir die Jahre von dir zu mir,
von mir zu dir,
von damals bis heute,
vom Januar
bis zum Dezember.
Und eines will ich nur zurück,
dein Lächeln
und dein Glück.


(Haris Poturkovic aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Prva gimnazija u Zenici, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: bosnisch)


Die Jahre von mir zu dir
(meiner Mutter gewindet)


Die Sonne scheint in deinen Augen,
schöne Worte sind auf deinen Lippen.
Mein ganzes Herz ist für dich
Das weiß ich jetzt.

Ein Kuss von dir ist genug
und ich fliege auf den Wolken,
frei wie ein Vogel.

Wie ein kleines Tier seine Mutter braucht,
wie eine Blume Wasser braucht,
brauche ich dich auch.

Und du...
Ich brauche dich für mein ganzes Leben,
Meine Jahre sind für dich,
deine Jahre sind für mich.

Du bist mein Vorbild,
du bist mein Spaß.
Du wirst für mich immer da sein.


(Jasmina Buljubasic aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Erstes Gymnasium Zenica, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: bosnisch)


Die Jahre von mir zu dir

Wenn der Uhrzeiger die Momente der Trauer bewegt,
wenn ich einsam vor der Welt stehe,
wenn ich entmutigt durch's Leben schreite,
wenn ich einen Kampf ohne Waffe führe,

Streckt mir eine Person durch die Kraft ihrer Liebe
freundlich ihre Hand aus.
Durch ihren zärtlichen Blick gibt sie mir ihre Liebe,
durch ihr zärtliches Lächeln schenkt sie mir Glück.

Wenn ich allein bin und auf die Knie vor dem Leben falle,
beleuchtet sie durch ihr Lächeln, fröhliches Gesicht
und durch die Wärme ihrer Worte die Wege des Glückes.

Eine Person ist schwer zu beschreiben,
eine und einzigartige ist die Mutter.
Meine Jahre sind für sie,
ihre Jahre sind für mich.


(Edin Ibraljic aus Zenica, Bosnien und Herzegowina, Erstes Gymnasium, Jahrgangsstufe 10, Muttersprache: bosnisch)

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