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StartseiteUmwelt und VerbraucherDie Reaktoren ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima05.03.2012

Die Reaktoren ein Jahr nach der Katastrophe von Fukushima

Ein Jahr nach Fukushima (1/5)

Ein Jahr Fukushima - eine Katastrophe mit Fernwirkung. Im ersten Teil unserer Serie schauen wir auf die aktuelle Situation der Reaktoren von Fukushima. Das radioaktive Erbe wird noch viele Jahrzehnte erhalten bleiben.

Von Dagmar Röhrlich

Reaktorblock 1 in Fukushima (picture alliance /  dpa)
Reaktorblock 1 in Fukushima (picture alliance / dpa)

Tag für Tag tanzen für die Aufräumarbeiten große Baukräne über den Reaktorblöcken von Fukushima Daiichi. Explosionen haben drei der sechs Gebäude stark zerstört, ein viertes wirkt von außen nicht ganz so mitgenommen, aber das täuscht. Wie es in den Blöcken wirklich aussieht, ist unbekannt:

"Es gibt ja Bereiche, wo noch kein Mensch war, wo man nur anhand von Parametern, die man aus irgendwelchen Messgeräten inzwischen ablesen kann, versucht, das zu verstehen."

erklärt Wolfgang Weiss, der im September als Vorsitzender des UN-Komitees zu den Effekten atomarer Strahlung UNSCEAR die Unglücksstelle besucht hat. Auch die Experten der deutschen Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit GRS arbeiten daran, sich Klarheit über den Zustand der zerstörten Atomkraftwerke zu verschaffen. Reaktorsicherheitsexperte Michael Maqua:

"Wir vermuten, dass der Block 1 weitgehend geschmolzen ist. /Bei den Blöcken 2 und 3 ist es Spekulation, ob es zwei Drittel oder 80 Prozent oder nur 50 Prozent geschmolzen sind, das kann heute definitiv noch keiner sagen."

In den Blöcken 1 und 3 soll sich die Schmelze in den Boden des Sicherheitsbehälters gefressen haben. In Block 2 könnte es nicht ganz so schlimm gekommen sein. Sicher ist das nicht, denn am 19. Januar brachte eine erste Kamera-Befahrung keine Erkenntnisse.
Immerhin verkündete der japanische Premierminister Yoshihiko Noda am 16. Dezember 2011, dass Fukushima Daiichi nun im "cold-shut-down" sei, also kaltabgeschaltet. Allerdings:

"Cold shut down - nach den Prinzipien des Ingenieurwesens unter Normalbedingungen - bedeutet, dass man eine Anlage wirklich völlig im Griff hat und versteht."

Diese Definition wenden die Japaner für Fukushima Daiichi nicht an, erläutert UNSCEAR-Vertreter Wolfgang Weiss. Im Dezember habe die japanische Regierung auf Nachfrage erklärt:

"Jaja, wir haben jetzt die Anlage so weit im Griff, dass wir die Temperaturen, die man braucht, um Freisetzungen zu machen, dass wir die im Griff haben ... "

Das heißt, die Temperaturen bleiben unterhalb des Siedepunkts von Wasser, sodass kein Dampf entsteht, der radioaktive Partikel mit sich in die Umwelt reißen könnte.

"Das heißt aber nicht, dass die Lage an sich stabil ist, sondern da wird mit vielen Improvisationskünsten /alles getan, dass diese Temperaturen auch so niedrig bleiben."

So hat sich Block 2 vor wenigen Wochen erneut aufgeheizt, und obwohl mehr Kühlwasser in diese Anlage gepumpt wird, sinkt die Temperatur kaum.

"Es wird noch Jahrzehnte gehen bis diese Anlage wirklich stabil und im Griff ist."

Derzeit sind die Mannschaften damit beschäftigt, den Fahrplan zur Bewältigung des Unfalls abzuarbeiten. Unter anderem soll der stark kontaminierte Meeresboden direkt vor Fukushima Daiichi unter 60 Zentimeter Beton begraben werden. Spundwände sollen den Grundwasserfluss von der Anlage ins Meer verhindern. Reaktorsicherheitsexperte Michael Maqua:

"Das Wichtigste, was passieren soll, ist, dass die Brennelemente aus dem Becken 4 entfernt werden. Das ist für 2013 vorgesehen, weil dort erst /Kräne gebaut werden müssen. Und das andere, was auch geschehen muss, ist eine Einhausung der Blöcke 2 und 3, wo man zur Zeit aber noch diskutiert, was die günstigste Möglichkeit ist."

Auf jeden Fall sollen auch sie möglichst schnell verpackt werden, damit ihre Abluft nur noch von Radioaktivität gereinigt in die Umwelt kommt. Neben diesen Sofortmaßnahmen, sind andere Arbeiten noch nicht abzusehen: etwa, was mit den Reaktordruckbehältern der Blöcke 1 bis 3 passiert.

"Das ist eine Sache, die in diesem Jahrzehnt sicherlich nicht gemacht wird."

Am Ende dieses auf 30 oder 40 Jahre ausgelegten Prozesses wird trotz allem wohl keine Grüne Wiese stehen: Das radioaktive Erbe wird noch sehr viele Jahrzehnte erhalten bleiben.

Serie:
Eine Katastrophe mit Fernwirkung - Sendereihe: "Ein Jahr nach Fukushima"

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