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StartseiteFirmenporträtDienst an der Karriere06.03.2009

Dienst an der Karriere

Unternehmen bietet Rundum-Service für das Arbeitszeugnis

Auch wenn ein Arbeitszeugnis die Leistung eines Arbeitsnehmers wahrheitsgemäß beschreiben muss: Viele der gewählten Formulierungen haben ihre Tücken. Überdies sind viele Unternehmen schlicht überfordert, wenn es gilt, die Leistung eines Mitarbeiters wahrheitsgemäß und formgerecht zu beurteilen. In diese Lücke stößt ein Unternehmen aus Berlin. Die Firma hat sich auf das Begutachten und Verfassen von Arbeitszeugnissen spezialisiert.

Von Daniela Siebert

Mit einem schlechten Arbeitszeugnis ist nichts anzufangen. (Stock.XCHNG / Johnny Magnusson)
Mit einem schlechten Arbeitszeugnis ist nichts anzufangen. (Stock.XCHNG / Johnny Magnusson)

Herr Meier war stets hoch motiviert und realisierte sehr beharrlich die gesetzten und selbst gesteckten Ziele.

Klaus Schiller kennt die Bedeutung eines Arbeitszeugnisses für die Karriere:

"Es hat, denke ich, vor allem bei der Entscheidung, wen lade ich zum Vorstellungsgespräch ein, schon eine Schlüsselfunktion."

"Man muss ein ganz bestimmtes Sprachgefühl entwickeln für diese Zeugnissprache und sehr sorgfältig arbeiten und sich auch nicht ermüden lassen. Weil vom Prinzip ist die Thematik ja letztendlich immer dieselbe","

sagt Thomas Redekop, wie Klaus Schiller Geschäftsführer und Mitbegründer der Personalmanagement Service GmbH PMS in Berlin-Friedrichshain. Das Büro der Arbeitszeugnis-Spezialisten wirkt eher nüchtern: ein Altbau, hohe, weiße Wände, Laminatboden. Vier große Schreibtische bilden ein Hufeisen, zu jedem Arbeitsplatz gehören Telefon und je zwei Flachbildschirme. Jeder Mitarbeiter konzentriert sich auf den Text auf seinem Bildschirm oder auf das Gespräch mit dem Kunden am Telefon.

""Personal Managementservice, Schiller, guten Tag! Ja bitte ... Darf ich Sie kurz unterbrechen, es ist jetzt etwas schwierig, einen Satz pauschal zu übersetzen, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Sagen Sie mir ganz kurz, um welchen Beruf es geht?"

Klaus Schiller beantwortet an der Zeugnishotline eine typische Kundenanfrage. Die Hotline mit der 0180er-Rufnummer ist ein Standbein von PMS. Hier geht es um schnelle, sachkundige Auskünfte. Doch die meisten Kunden wollen mehr, denn viele Zeugnisformulierungen sind für Laien erklärungsbedürftig. Am häufigsten wird von den Kunden deshalb bei PMS eine Zeugnisanalyse angefragt. Die gibt es ab 19,90 Euro, und die Trefferquote ist hoch:

"Zu kritisieren gibt es immer was, muss man sagen. Dazu ist es oft zu schematisch und zu rationalisiert. Oft fehlen Erfolge."

Oder berufsspezifische Aussagen. Rechtschreibfehler sind auch nicht selten.

Frau Meier besitzt ein umfassendes und detailliertes Fachwissen.

Um die 4000 Zeugnisse hat PMS im letzten Jahr geprüft. Thomas Redekop demonstriert an seinem Arbeitsplatz, wie das abläuft:

"Wir arbeiten hier an zwei Monitoren - auf der einen Seite habe ich dann die Formulierungen von der Kundin, auf der anderen Seite den Analysebogen, und dann schau ich genau, wo steht hier was, wie kann ich das zuordnen. Dann schau ich in der Datenbank nach, wie man das bewerten kann."

Ist der Kunde mit dem Arbeitszeugnis unzufrieden, bietet PMS die Überarbeitung an. Auch völlig eigenständige Zeugnisentwürfe sind möglich. Zwar ist der Arbeitgeber nicht verpflichtet, die PMS-Formulierungen zu übernehmen, doch oft zahlt sich Hartnäckigkeit aus. So wie bei Andreas Schmidt, der als Projektingenieur bei einem Hochtechnologie-Unternehmen gearbeitet hat. Schmidt hat 800 Euro investiert, um durch PMS ein deutsches und ein englisches Zeugnis erstellen zu lassen, die ihm und seiner geleisteten Arbeit auch wirklich gerecht werden. Die zuständige Personalabteilung war damit nach seinem Eindruck völlig überfordert, zumal zum gleichen Zeitpunkt zahlreichen Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt wurde.

Nach längerem Hin und Her unterschrieb der Ex-Arbeitgeber dann auch die Zeugnisversion, die Andreas Schmidt mit Hilfe von PMS formuliert hatte. Entsprechend begeistert ist der 40-Jährige von dem Ergebnis:

"Es waren sehr kompetente Mitarbeiter, sie haben sehr schnell, sehr zügig gearbeitet und sehr zu meiner Zufriedenheit. Es wurde Rücksprache gehalten, wir haben uns zusammen hinsetzen können an einen Tisch und gemeinsam alles durchsprechen können. Das war wirklich eine sehr gute Zusammenarbeit und führte zu einem sehr guten Ergebnis."

Die Kunden von PMS sind vor allem Arbeitnehmer mit kaufmännischen oder technischen Berufen zwischen 25 und 49. Aber auch Architekten, Pflegekräfte, Erzieherinnen oder Berufssoldaten gehören zur Klientel.

Der Kontakt läuft meist über Telefon, E-Mail, Post oder Fax. Die wenigsten suchen das Büro persönlich auf. Doch PMS ist nicht nur im Einzelgeschäft mit den Arbeitnehmern stark. Auch die Personalabteilungen großer Konzerne greifen inzwischen auf PMS zurück, wenn sie Hunderte Arbeitszeugnisse auf einen Schlag bewältigen müssen:

"Wir haben jetzt aus dem technischen Bereich Handyproduzenten, Energieunternehmen und Automobilproduzenten."

Die Idee zur Gründung von PMS kam Redekop und Schiller, als sie noch Studenten waren. Der eine Kulturwissenschaftler, der andere Germanist. Damals - 1999 - arbeiteten sie in der Personalabteilung des Berliner Stromversorgers Bewag. Als die Firma von einem anderen Konzern übernommen wurde, schieden auf einen Schlag 4000 Mitarbeiter aus - und alle brauchten ein Arbeitszeugnis.

"Da haben wir eigentlich angefangen, uns mit dem Zeugnisthema zu befassen. Wir wurden geschult darin. Wir haben dann diese Zeugnisse geschrieben und aus diesem Zeugnisprojekt ist unsere Firma auch entstanden."

Alle Aufgaben führte Frau Meier stets zu unserer vollsten Zufriedenheit aus.

Heute hat PMS neun Mitarbeiter, inklusive zweier Frauen aus den USA und Großbritannien, die englischsprachige Zeugnisfassungen erstellen.

" Damals haben wir angefangen, da haben wir noch selber was dazugezahlt, damit wir die Raummiete bezahlen können. Und heute haben wir einen Monatsumsatz von um die 25.000 Euro und alle können gut davon leben."

Obwohl in der jetzigen Wirtschaftskrise mehr Menschen ein Arbeitszeugnis brauchen: PMS werde kein Profiteur der Krise, glaubt Firmenchef Klaus Schiller. Denn die Kunden seien ja überwiegend Arbeitnehmer unter 50:

"Die kommen vor allem in Zeiten des Aufschwungs. Denn dann bewerben sich viele neu, während sich in Krisenzeiten wenige Mitarbeiter neu bewerben."

Um die Zukunft macht man sich bei der Firma trotzdem keine Sorgen. Die Nachfrage nach Arbeitszeugnissen steigt.

Für ihren weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir Frau Meier alles Gute und weiterhin viel Erfolg.

Infos:

pmsonline.de

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