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StartseiteCampus & KarriereWegen Pegida - Sorge vor Wegbleiben ausländischer Akademiker18.11.2015

DresdenWegen Pegida - Sorge vor Wegbleiben ausländischer Akademiker

Dresden wird derzeit oft mit Pegdia in Verbindung gebracht. Ein Imageschaden für die Stadt und ein Reputationsverlust für den Wissenschaftsbereich? Dem versucht die TU Dresden etwas entgegenzusetzen, damit ausländische Forscher nicht wegbleiben.

Von Bastian Brandau

Tausende bei Pegida-Kundgebung in Dresden (dpa/picture allaince/Arno Burgi)
Wirken sich die Pegida-Demonstrationen auf die Arbeitsatmosphäre an den Hochschulen aus? (dpa/picture allaince/Arno Burgi)
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Hell erleuchtet ist der Plenarsaal im sächsischen Landtag an diesem Abend. Draußen strahlt die Silhouette Dresdens, die Elbe zieht glitzernd im Licht der Laternen vorbei. Drinnen im Plenum sitzen an diesem Abend junge Menschen aus der ganzen Welt. Nach Sachsen gekommen, um hier zu forschen oder zu lehren. Der Ausländerbeauftragte des Landes, der CDU Politiker Geert Mackenroth:

"Wir wollen Ihnen zeigen, dass Sie uns wichtig sind, dass wir Ihre Arbeit schätzen. Dass wir froh sind, Sie in Sachsen bei uns zu haben und dass uns daran liegt, dass das möglichst lange so bleibt. Sie sollen sich in Sachsen, speziell auch in Dresden, wohl und sicher fühlen, übrigens auch montags. Und sie sollen wissen, dass die übergroße Mehrheit der Sachsen Sie mit offenen Armen und mit offenem Herzen empfängt."

Befürchtung vor negativen Auswirkungen im Wissenschaftsbereich

Das muss derzeit betont werden in Dresden, wo an besagten Montagen Pegida auf die Straße geht, mit ausländerfeindlichen Parolen. Viele beobachten als Folge eine angespanntere Situation für ausländisch wirkende Menschen in Dresden. Die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange befürchtet negative Auswirkungen im Wissenschaftsbereich, ebenso wie der Rektor der TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen.

"Der Reputationsverlust und Imageschaden, der ist schon enorm. Ich kann hingehen, wo ich will, früher, wenn ich gesagt habe, ich komme aus Dresden, haben die Leute gesagt, oh toll. Jetzt sagen sie oh, Pegida. Das ist schon ein Unterschied und es wird lange dauern und auch erhebliche Ressourcen benötigen, um das wieder letztendlich ins richtige Licht zu setzen. Aber es ist nicht so schlimm bisher, dass wir das tatsächlich merken, dass wir als Wissenschaftsstandort und als Universität zumindest bisher darunter leiden."

Der Rektor rechnet im Gegenteil vor, dass zum Wintersemester so viele ausländische Studierende wie noch nie an der TU Dresden eingeschrieben seien.

"Dresden ist bekannt für Wissenschaft, für Studium"

Diejenigen, die bereits da sind, stehen inzwischen bei Wein und Häppchen beisammen. Egal, wen man fragt, durchweg Lob gibt es für den Wissenschaftsstandort Sachen. Etwa von Bezu Teshome, der aus Äthiopien nach Dresden gekommen ist. Er arbeitet hier am Helmholtz-Zentrum. Ein Drittel der Wissenschaftler dort stammt nicht aus Deutschland.

"Dresden ist bekannt für Wissenschaft, für Studium, und es gibt interessante Geräte hier, an denen man forschen kann. Von der Wissenschaft her ist es eine hervorragende Stadt, im Moment haben wir ein kleines Problem mit den Pegida-Demonstrationen. Aber ich glaube, das ist vorübergehend."

Er würde Dresden in seinem Herkunftsland weiterempfehlen, sagt er. Das würde auch seine Kollegin Kritee Pant, sie ist in Indien aufgewachsen. Montags geht sie nicht mehr ins Stadtzentrum, aber:

"Ich glaube nicht, dass es einen negativen Einfluss auf die wissenschaftliche Gemeinschaft hat. Die Institute unternehmen auch viel, damit wir keinen Unterschied bemerken. Ich hoffe, die Wissenschaft bleibt davon unberührt."

Die Institute helfen ihren Mitarbeitern, unterstützen sie, aber was tut der Freistaat Sachsen? Der Ausländerbeauftrage Geert Mackenroth:

"Die Landesregierung kann nicht mehr und nicht weniger tun, als die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Sie kann dafür sorgen, dass wir friedlich miteinander leben. Sie muss Sicherheit garantieren, sie muss letztlich auch Straftaten verhindern, von welcher Seite auch immer, auch politische Straftaten. Sie muss Menschen schützen und dann muss sie eben Rahmenbedingungen für exzellente Bedingungen schaffen."

Sonst wird wohl auch in Zukunft Dresden weiter eher mit Pegida in Verbindung gebracht werden als mit internationaler Spitzenforschung.

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