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StartseiteCampus & KarriereEin Olympia-Ticket der anderen Art31.07.2008

Ein Olympia-Ticket der anderen Art

Internationale Deutsch-Olympiade in Dresden

Ist die Sprache der Dichter und Denker out? Das haben sich in den vergangenen Jahren Sprachwissenschaftler häufig gefragt. Die jüngsten Zahlen des Goethe-Instituts stimmen jedoch optimistisch: Seit vergangenem Jahr nimmt die Nachfrage nach Deutschkursen weltweit zu. Um Jugendliche für Deutsch und ein Studium hierzulande zu begeistern, richtete das Institut die erste Internationale Deutsch-Olympiade in Dresden aus.

Von Franziska Zecher

Typisch Deutsch? Reiterdenkmal des "Alten Fritz" mit Deutschlandflagge im Hintergrund (AP-Archiv)
Typisch Deutsch? Reiterdenkmal des "Alten Fritz" mit Deutschlandflagge im Hintergrund (AP-Archiv)

Alena, Robert, Ali, Madlen und Kalbei stehen im Hof des Goethe Instituts in Dresden und studieren eine selbst ausgedachte Szene zum vorgegebenen Thema arm und reich ein. Die fünf müssen das Stück vor der Jury der Internationalen Deutsch-Olympiadevorführen - auf Deutsch versteht sich. Auch deshalb sind sie etwas nervös und das, obwohl sie schon das mittlere von drei Sprachniveaus erreicht haben und sich in ihren Heimatländern gegen die anderen Mitbewerber durchsetzen konnten. Nur die 17-Jährige Alena aus Neuseeland wirkt völlig gelassen. Sie hat als kleines Kind in Namibia gelebt. In der früheren deutschen Kolonie wird bis heute vielerorts noch Deutsch gesprochen.

" Dort haben sie deutsche Schulen, deutsche Kindergarten, Geschäfte, und meine Mutter hat mich nach einem deutschen Kindergarten geschickt."

Die Gründe, warum die Teilnehmer der Olympiade Deutsch lernen sind vielfältig. Madlen aus Südafrika hat mit Deutsch an der Schule angefangen, weil sie Französisch nicht mochte. Andere wiederum haben sich für die Sprache begeistert, weil sie zuhause deutsche Fernsehprogramme empfangen konnten, oder weil sie sich für Goethe, Schiller und andere deutsche Klassiker interessieren. Das Reden in der gemeinsamen Verkehrssprache scheint den Jugendlichen wenig Mühe zu bereiten. Auch dann, wenn sie nicht an ihren Gruppenprojekten arbeiten, ist fast nur Deutsch zu hören. Für Frauke van der Werf vom Goethe Institut hat das einfache Gründe.

" Die jungen Leute haben eine Vorstellung von dem, was sie erreichen wollen. Sie möchten einmal eine schöne Zeit haben. Der andere Punkt ist, dass die Gruppe echt ehrgeizig ist. Sie möchten gerne bei den Siegern sein."

Die 24 Besten der knapp 120 Teilnehmer können einen mehrwöchigen Sprachkurs in Deutschland gewinnen. Für viele ist das ein Ansporn, weil sie hier gerne studieren möchten. So auch der 16-Jährige Ali aus Ägypten.

" Ich will hier Medizin studieren in Dresden und ich möchte hier auch wohnen, ich liebe Deutschland. Hier gibt es auch viel Natur und viele Bäume und Blumen. In Ägypten gibt es so wenig Bäume und Natur."

Der 16-Jährige Gorski Daberich aus Mazedonien will auch in Deutschland Medizin studieren. Er setzt aber andere Prioritäten.

" Ich denke, dass in Deutschland das Praxis auf dem ersten Platz ist und nicht das auswendig lernen. Bei uns, wir legen viel mehr Wert auf auswendig lernen und nicht das so im Praktikum zu verwenden und zu nutzen."

Aber Gorski Daberich schätzt auch die deutschen Tugenden Pünktlichkeit und Ordnung von denen er schon vor seinem ersten Besuch so viel gehört hat und die seiner Meinung nach zutreffen. Ein bisschen überrascht war er bei seinem ersten Streifzug durch Dresden dennoch.

" Für mein Plakat brauchte ich ein Liebespaar und ich habe einen ganzen Tag nach einem Liebespaar gesucht, aber ich habe keines gefunden. Zu vergleichen Mazedonien: Alle sind auf den Straßen, alle küssen sich. Die Leute hier, sie äußern nicht die Gefühle so."

Vielleicht können die Deutschen in diesem Punkt ja noch von ihren jungen ausländischen Gästen lernen - dann wenn diese irgendwann für einen Sprach- oder Studienaufenthalt wieder nach Deutschland kommen.

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