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StartseiteComputer und KommunikationEin Standard für das vernetzte Heim12.10.2013

Ein Standard für das vernetzte Heim

DECT ULE soll das neue Funksystem für die Hausautomation werden

Für die schnurlose Vernetzung von Geräten innerhalb eines Gebäudes gibt es bislang keinen technischen Standard. Doch Unternehmen wie die Deutsche Telekom setzen verstärkt auf DECT ULE. Dabei handelt es sich um den Nachfolger von DECT - eine Funktechnik, über die auch schnurlose Telefone mit ihrer Basis verbunden werden.

Von Jan Rähm

Die Deutsche Telekom verkündete, dass sie DECT ULE in ihren Routern verwenden will. (Deutsche Telekom / Presse)
Die Deutsche Telekom verkündete, dass sie DECT ULE in ihren Routern verwenden will. (Deutsche Telekom / Presse)
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Um Maschinen und Geräte drahtlos miteinander zu vernetzen, können Entwickler aktuell aus einer Handvoll meist proprietären, kostenpflichtigen Lösungen wählen, erklärt Eric Schneider. Er ist der Vorsitzende der M2M Alliance, einem Verband, der sich den Belangen vernetzter Maschinen widmet.

"Anwendungen, wie wir sie im freien Feld sehen, werden meistens über GSM realisiert. In-House-Techniken beziehungsweise Techniken im Freizeitbereich werden beispielsweise über Bluetooth umgesetzt, ZigBee, 485 MHz, also da gibt es derzeit keinen Standard. Die Lösungen sind proprietär und entsprechend der Anwendung angepasst."

Eric Schneider hofft, dass DECT ULE den Markt der Maschinenkommunikation belebt und die Heimautomation massentauglich macht. Aktuelle Techniken seien zu unflexibel, deren Lizenzen zu teuer. DECT ULE soll das ändern. DECT ist eine Funktechnik, über die Telefone aber auch EC-Karten-Terminals und andere Datengeräte mit einer Basis verbunden werden. ULE steht für Ultra Low Energy und erweitert den schon recht alten DECT-Standard um neue Funktionen. Wichtiger noch: ULE spart Energie.

"Durch die ULE-Erweiterung erfährt der Standard einen entsprechend geringen Energieverbrauch, geringe Energieaufnahme durch diese Ultra-Low-Energy-Erweiterung. Dadurch ist DECT dann auch prädestiniert für Produkte, die zum Beispiel Batteriebetrieben sind",

beschreibt AVM-Produktmanager Jan Larink. Sein Arbeitgeber war einer der Vorreiter in Sachen DECT ULE. Bereits vor einem Jahr veröffentlichte das Unternehmen zwei Produkte für einfache Aufgaben der Heimautomation auf ULE-Basis – und das, obwohl die DECT-Erweiterung da noch nicht standardisiert war.

"Die Vorteile sind gegenüber anderen Technologien im Hausautomationsbereich Verschlüsselung durchaus ab Werk, Bidirektionalität, gesicherte Datenübertragung, das ist nicht selbstverständlich, und relativ große Reichweite gepaart mit dem eigenen Frequenzband, was dann zu einer hohen Störsicherheit führt."

Andere Techniken wie ZigBee, Z-Wave oder EnOcean haben keine eigene Frequenz. Ihnen bleiben nur zwei stark umkämpfte Frequenzbereiche, sagt Jochen Kilian über die Merkmale von DECT ULE und seinen Mitbewerbern. Kilian ist Vizepräsident Core Technology bei der DSP Group, einem Hersteller von DECT-Chips.

"Ein sehr wichtiges ist die Verwendung eines eigenen Frequenzbandes im Vergleich zu ZigBee oder Z-Wave oder anderen Technologien. Die meisten sind ja basierend auf ISM-Bändern bei 868 MHz oder 2,4 GHz, aber dort sind eben auch andere Technologien, die da funken wie WLAN oder Funkfernsteuerungen oder Babyphone, während man in DECT beziehungsweise DECT ULE ein eigenes, geschütztes Frequenzband hat, das nur für DECT verwendet werden darf."

DECT ULE wurde als offener Standard konzipiert. Die komplette Spezifikation ist frei zugänglich. Das und die weiteren Merkmale von DECT ULE überzeugen langsam aber sicher mehr Unternehmen. So verkündete beispielsweise die Deutsche Telekom in dieser Woche, dass sie DECT ULE in ihren Routern verwenden will. Telekom- und AVM-Router zusammen decken den größten Teil des deutschen Marktes ab. So wird DECT ULE dann auch für weitere Hersteller von Heimtechnik interessant. Beispielsweise Telegärtner, Geschäftsführer Thomas Hopf:

"Für unser Unternehmen bietet DECT ULE zum jetzigen Zeitpunkt eine Möglichkeit, in den drahtlosen Markt einzusteigen beziehungsweise vorhandene Produkte wie Türsprechstellen an eine definierte Schnittstelle anzubinden, die nicht herstellerabhängig ist."

Wer DECT allerdings kennt, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie sicher ist die Technik. Denn 2009 zeigten Hacker, wie einfach die Verschlüsselung im Standard überwunden werden kann. Daraus habe man gelernt, sagt DECT-Spezialist Jochen Kilian. Die DECT-Entwickler hätten direkt mit den DECT-Hackern zusammengearbeitet. Jetzt, so Kilian, gelte DECT als sicher, DECT ULE bekam gleich ganz neue Verschlüsselungsalgorithmen spendiert. Bleibt noch die Frage, ob DECT möglicherweise auch das drahtlose Netzwerk WLAN ersetzen soll. Jochen Kilian verneint das ganz deutlich. Das eine sei stromsparend und decke große Bereiche ab. Das andere erziele höhere Datenraten. Somit ergänzten sich beide.

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