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StartseiteCorso"Eine einzige Note erzeugt mitunter die reine Magie"21.09.2013

"Eine einzige Note erzeugt mitunter die reine Magie"

Porträt des Bassisten Lee Sklar

Ein Bart bis zum Bauchnabel und eine zehnmal so lange Einsatzbilanz als Sessionbassist: Wer auf seinen Lieblingsplatten ab und zu das Kleingedruckte liest, weiß, wer gemeint ist. Lee Sklar, 66, hat unter anderem an Schallplatteneinspielungen von James Taylor und Phil Collins mitgewirkt.

Von Bernd Gürtler

Lee Sklar (links) mit James Taylor und Carly Simon bei einem Anti-Atom-Konzert 1979 im Madison Square Garden, New York (picture alliance / dpa / Carlos Rene Perez)
Lee Sklar (links) mit James Taylor und Carly Simon bei einem Anti-Atom-Konzert 1979 im Madison Square Garden, New York (picture alliance / dpa / Carlos Rene Perez)

James Taylor: Is That The Way You Look (Musik-Ausschnitt)

Vergessen wir für einen Augenblick den Sänger, vergessen wir den Song und hören einfach auf den Bass. Der Bass ist im Moment das Entscheidende. Dieser Bass, das ist Lee Sklar.

Als Fünfjähriger beginnt Lee Sklar am Klavier. Mit zwölf Jahren wechselt er zum Bass. Die Band seiner High School braucht einen Bassisten, Pianisten stehen Schlange. Sein Musiklehrer, ein gewisser Ted Lynn, kann ihn überzeugen.

"Ich griff in die Saiten," erzählt Lee Sklar, "spürte die Resonanz des Instruments am Körper und war begeistert. Mr. Lynn brachte mir Grundlagen bei, ich bekam Unterricht. (…) Aber am meisten gebracht hat es mir, wenn ich am Schallplattenspieler meiner Eltern zu Schallplatten Bass gespielt habe. Dadurch bekam ich ein Gespür für Melodien und wie ich mich in ein Ganzes einfügen kann. Und ich spielte in Bands mit, manchmal in vier, fünf Bands auf einmal."

1970 bekommt Lee Sklar ein Angebot, bei dem er nicht zweimal überlegen muss. James Taylor sucht dringend Begleiter für eine Tournee. Nach den Gesetzen des Musikgeschäfts muss er mit einem Hit auf Tournee, und James Taylor hat einen Hit: "Fire & Rain".

Derselbe Dunstkreis bringt noch eine Berühmtheit hervor: Carole King spielt für James Taylor Klavier, bevor sie mit ihrem Debütalbum "Tapestry" 1971 eine eigene Solokarriere startet. Eins kam zum andern damals, berichtet Lee Sklar.

Später wird Lee Sklar auch Carole King am Bass begleiten, ebenso Jackson Browne. Zirka dreitausend Schallplatteneinspielungen sind es, an denen er bis heute beteiligt gewesen ist.

Ein so gefragter Sessionbassist ist er geworden, weil ihm Eitelkeiten fremd sind. Als einzige Extravaganz leistet er sich seinen Bart. Im Studio drängt sich Lee Sklar nie in den Vordergrund, gestaltet aber trotzdem aktiv mit.

"Egal, welcher Künstler es ist, als erstes höre ich mir den Song an, um den es geht. Als nächstes versuche ich mir vorzustellen, was für den Song am besten ist. Der Song sagt mir, was ich tun muss. … Ich reduziere mich soweit auf das Wesentliche, dass meine Anwesenheit gerade noch gerechtfertigt ist. Mir liegt das Einfache. Eine einzige Note erzeugt im Kontext mit Gitarre und Klavier mitunter die reine Magie. Die meisten meiner Kollegen übertreiben."

Von 1985 an wird er mehrfach von Phil Collins engagiert.
Über die Jahre verändert sich das Musikmachen, und zwar dramatisch, wenn man auf den Austausch mit anderen Musikern wert legt.

"Wenn man seinen Kram nur noch bei jemandem im Schlafzimmer in ein ProTools-Computersystem einspielt, bleibt der Austausch auf der Strecke. Man dreht sich nur noch um sich selbst,"

beklagt Lee Sklar. Das Joanna-Newsom-Album "Ys" von 2006 dürfte so ein Fall sein.

Apropos sein Bart. Mit seinem Exemplar wäre der hagere Mann auch bei ZZ Top gut aufgehoben. Wer kam mit dieser Gesichtsbehaarung überhaupt als Erster, Lee Sklar oder die Boogierocker aus Texas?

"Moses war der Erste. Richtig, hätte man selbst drauf kommen können."


Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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