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StartseiteCampus & Karriere"Eine gute Idee, beschissen umgesetzt"05.02.2010

"Eine gute Idee, beschissen umgesetzt"

Diskussion über Bologna-Prozesses

Die Studentenproteste scheinen teilweise Erfolg zu haben: Studierende, Professoren und Politiker haben auf einer Münchner Tagung zumindest Verbesserungen bei Bachelor- und Masterstudiengängen diskutiert.

Von Irene Haider

Bildungsstreik in Bonn - die Demos zeigen jetzt Wirkung. (AP)
Bildungsstreik in Bonn - die Demos zeigen jetzt Wirkung. (AP)

"Bologna ist die älteste Universität in Europa und dementsprechend ist bauch dieser Bologna-Prozess benannt, der aus meiner Sicht unumkehrbar ist."

"Bologna ist für mich als Rektor im Moment eine einzige Herausforderung, weil der eigentliche Ansatz nicht vollständig verstanden und in Deutschland ernst genommen worden ist."

"Bologna heißt für mich: eine gute Idee, total beschissen umgesetzt."

Drei Sichtweisen auf den Bologna-Prozess, geäußert in einem einzigen Hörsaal von Gunter Schweiger, dem Präsident der Hochschule für angewandte Wissenschaften Ingolstadt, Wilfried Müller, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz und Stefan Liebl, Studierendenvertreter der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Der Bayerische Wissenschaftsminister, Vertreter des Wissenschaftsrats, sowie von Universitäten, Hochschulen und natürlich die Studierenden selbst waren gekommen, um Lösungen für einen für viele verkorksten Bologna-Start zu suchen.

Vor allem die Studierenden hadern mit Bologna. Denn all das, was mit der europäischen Vereinheitlichung von Studiensystemen vereinfacht werden sollte, klappt nicht. Ein Beispiel des Münchner Studenten Stefan Liebl:

"Physik gibt es an der TU München und an der LMU München. Die liegen ungefähr 600 Meter auseinander. Wenn man dann aber wechseln will, nach zwei oder drei Semestern, ist das nicht möglich, weil es nicht anerkannt wird. Man muss mehr oder weniger viele Scheine neu machen. Da sieht man den Irrwitz von dem Ziel Mobilität, was daraus geworden ist, dass man nicht mal innerhalb einer Stadt, innerhalb eines Stadtviertels, die Universität wechseln kann."

Aus Sicht des stellvertretenden Vorsitzenden der Hochschulrektorenkonferenz, Wilfried Müller, ist daran vor allem die Eitelkeit einzelner Hochschulrektoren der Grund. Leistungen würden vor allem aus Gründen der Profilierungssucht oft nicht anerkannt.

"Es ist in der Tat schwer zu korrigieren, aber das Problembewusstsein ist da. Es muss dafür gesorgt werden, dass die Module eine Größe haben, bei denen die Kreditpunkte leicht transferierbar sind. Und alle Einrichtungen und alle Hochschulen müssen einfach liberaler sein. Sie müssen nicht prüfen, ob das Wissen in einem Modul 100-prozentig, oder der Stoff identisch ist. Das ist nicht verlangt, sondern: Es müssen in etwa ähnliche Fähigkeiten erworben werden. Also ich würde sagen, eine liberalere Anerkennungspraxis und eine besser durchdachte Modulgröße. Sowohl ganz kleine, als auch ganz große Module sind für den Transfer nicht geeignet."

Vor allem an den Universitäten wurden Diplom- und Magisterstudiengänge noch nicht sinnvoll zu Bachelor und Masterstudiengängen umgewandelt. Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften, die Fachhochschulen, tun sich leichter, meint deren Vertreter Gunter Schweiger. Dennoch will auch er auf die Studentenproteste der vergangenen Monate reagieren.

"Konkret arbeiten wir an unserer Rahmenprüfungsordnung, die einige Kritikpunkte beinhaltet, die die Studenten zu Recht bemängeln. Ein Kritikpunkt ist zum Beispiel die hohe Prüfungslast, die vorhanden ist. Wir versuchen jetzt, und die Arbeitsgruppe ist schon relativ erfolgreich und sehr weit, die Möglichkeiten zu schaffen, dass Prüfungswiederholungen oder Prüfungsfristen deutlich entspannt werden. Das ist ein klarer Punkt und das wird uns auch gelingen."

Seitens des bayerischen Wissenschaftsministers Wolfgang Heubisch waren dagegen keine konkreten Aussagen zu hören. Außer einer, die die Studenten nicht mehr hören können - das Festhalten an den Studiengebühren.

"Wir sehen die absoluten Erfolge zur Verbesserung der Lehre."

Das Fazit des Münchner Physikstudenten Stefan Liebl:

"Ich hab einerseits den Eindruck, dass es an sich positiv ist, wenn sich hier drin unterhalten wird. Alle geben ja auch zu, das ist ein Erfolg der Studentenproteste. Leider hatte ich da drin jetzt auch das Gefühl, dass viel gesprochen wird: Wir werden das anschauen, das ist ein langer Prozess, wir werden prüfen, evaluieren. Das kann es nicht sein. Es muss jetzt schnell was passieren."

Denn sonst wird es wohl weitere Studentenproteste geben.

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