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Seit 16:35 Uhr Forschung aktuell
StartseiteForschung aktuellEvolution mit Wiederholung24.07.2013

Evolution mit Wiederholung

Anolis-Echsen zeigen ähnliche Anpassungen in unterschiedlichen Lebensräumen

Es ist eine der großen evolutionsbiologischen Fragen: Welche Rolle spielt der Zufall, wenn sich neue Tierarten entwickeln? Die Anolis-Echsen auf den Großen Antillen haben US-Forscher der Antwort ein Stück näher gebracht: Die Tiere entwickelten auf verschiedenen Inseln immer wieder dieselben Anpassungen.

Von Katrin Zöfel

Der Rotkehlanolis (Anolis carolinensis) hat sich in den Südstaaten der USA und auch auf Kuba gut auf die unmittelbare menschliche Nachbarschaft eingestellt. (picture alliance / dpa / Henk Wijnja)
Der Rotkehlanolis (Anolis carolinensis) hat sich in den Südstaaten der USA und auch auf Kuba gut auf die unmittelbare menschliche Nachbarschaft eingestellt. (picture alliance / dpa / Henk Wijnja)

Anolis-Echsen sind so etwas wie die Eidechsen der neuen Welt. Sie leben überall dort in Nord- und Südamerika, wo die Temperaturen warm genug sind. Und sie sind Meister der Anpassung. Es gibt kräftige Anolis-Echsen, die an den Stämmen großer Bäume rauf und runterklettern, und es gibt winzige Anolis-Echsen, die ganz außen auf den dünnsten Ästen in den Baumkronen herum balancieren. Der Biologe Luke Mahler hat sich diese vielen Varianten genauer angesehen, und zwar auf den Großen Antillen: Puerto Rico, Hispanola, Jamaica und Kuba

"Das Besondere ist, dass auf jeder dieser Inseln unabhängig voneinander haargenau die gleichen Spezialisierungen entstanden sind. Es sind verschiedenen Arten, aber sie sind sich unglaublich ähnlich."

Ein Laie, der einen Anolis-Baumstammspezialisten aus Puerto Rico von einem aus Kuba unterscheiden sollte, hätte kaum Chancen, meint Luke Mahler. Manchmal müssten selbst Experten einen DNA-Test mit den Tieren machen. Mahler untersucht an der Universität von Kalifornien in Davis, wie die Evolution immer wieder neue Lösungen hervorgebracht hat, um bestimmte Nischen in Ökosystemen zu besetzen.

"Jede Art übernimmt eine eigene ökologische Rolle. Selbst am Baumstamm entlang wird noch einmal aufgeteilt. Die eine Art lebt unten und springt zur Futtersuche auf den Waldboden. Die andere lebt ganz oben in der Krone und verlässt den Baum so gut wie nie. So kommen sie sich nicht in die Quere. Auf den vier Inseln, die wir untersucht haben, hat die Evolution diese Rollen immer wieder mit den genau gleichen Charakteren besetzt. Es gibt fast keine Abweichungen."

Mit ihrer riesigen Artenvielfalt sind die Anolis-Echsen das perfekte Studienobjekt für Evolutionsbiologen. Eine Frage, an der schon lange herumgerätselt wird, ist, wie stark der Zufall die Evolution beeinflusst. Anders gesagt: Wenn die Evolution mehrere Male vor das gleiche Problem gestellt wird, - etwa: Was muss eine Echse können, um in einer Baumkrone zu leben? - entwickelt sich dann immer wieder dieselbe Lösung oder jedes Mal aufs Neue ein völlig anderes Konzept? Die Anolis-Echsen liefern die Antwort: Zumindest in ihrem Fall kommt immer wieder dasselbe heraus.

"Natürlich gibt es da Ausnahmen. Manche seltsamen Entwicklungen gibt es dann doch nur einmal, auf einer Insel und sonst auf keiner. Wir können also nicht alles erklären, aber das Muster ist eindeutig. Auf allen vier Inseln sind unabhängig voneinander sehr ähnliche Lösungen entstanden."

Unter Evolutionsbiologen gibt es, grob gesagt, zwei Lager: Die einen argumentieren, dass Chaos und Zufall bei der Entwicklung des Lebens auf der Erde den Ton angeben. Dem zweiten Lager, den Deterministen, hat Luke Mahler nun Argumentationshilfe geliefert, sagt Erik Svensson von der Universität Lund. Er war nicht an der US-Studie beteiligt:

"Wenn wir die Evolutionsgeschichte immer wieder zurückspulen könnten, und noch einmal von vorne anfangen: Was würde dabei herauskommen, das ist die Frage. Die Anolis-Studie spricht dafür, dass das Resultat immer wieder sehr ähnlich ausfallen würde."

Bisher haben die Autoren der aktuellen Studie nur den Körperbau der Tiere untersucht, also Zehenlänge, Beinlänge, Schwanzlänge und den Bau der Haftpolster an ihren Füßen. Als Nächstes wollen sie sich anschauen, ob die Problemlösungen der Tiere auch ähneln, wenn es um ihren Temperaturhaushalt und ihre Physiologie geht.

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