• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 08:47 Uhr Sport
StartseiteBüchermarktFluppen, Saiten, Schreibmaschinen24.05.2011

Fluppen, Saiten, Schreibmaschinen

"Bob Dylan: Bilder eines Lebens. Die frühen Jahre", Schwarzkopf & Schwarzkopf

Ein Fotoband zum 70.Geburtstag von Bob Dylan zeigt den Lyriker und Songwriter als immer coolen Melancholiker, aufgenommen von den bedeutendsten Fotografen der Szene in jener Zeit. Die Schwarzweiß-Fotos aus den 60er-Jahren sind auch eine Reise in die Mode von damals: vom existentialistisch anliegenden Rollkragenpullover bis zur Röhrenhose.

Von Hajo Steinert

Bob Dylan 1965 in London. (AP-Archiv)
Bob Dylan 1965 in London. (AP-Archiv)

Mal mit, mal ohne Huckleberry-Finn-Mütze auf dem Kopf, schwarz und üppig die Locken, den Ständer mit der angeschraubten Mundharmonika am Hals, zwei Brusttaschen am ungebügelten Hemd, der Blick betont melancholisch, die Stirn nachdenklich in Falten gezogen, an den Lippen, wenn nicht die Mundharmonika, dann die Fluppe. Er ist sich seiner lyrischen Ausstrahlung ganz bewusst. In den Armen hält er die auf ihrem Corpus durchaus schon zerkratzte akustische Gitarre. Er sitzt auf dem Stuhl oder in einem von Fotografen umlagerten Auto, er steht vor einem Mikrofon oder einfach nur in der Landschaft herum, er betastet seine Reiseschreibmaschine, ungefähr Typ "Gabriele" - er ist ein Dichter. Bob Dylan in Schwarzweiß, auf Fotos der 60er-Jahre. Zu finden in einem Bildband, bei Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienen, der Titel: "Bob Dylan, Bilder eines Lebens - Die frühen Jahre". Heute wird er 70 Jahre alt.

Bob Dylan - meine erste Begegnung mit seiner Musik verdanke ich einem Plattenspieler der Marke "Mister Hit" - das war so ein tragbares Gerät, betrieben mit Batterien, in den Schlitz passten nur Singles, und die Single, die ich, es muss so 1965/66 herum gewesen sein, hinein schob, hieß "Like a Rolling Stone". Fand ich spitze, weil ich dachte, der Song hätte etwas mit meiner Lieblingsband zu tun - den Rolling Stones. Was sich als falsch herausstellen sollte. Den Text hatte ich 13-Jähriger nicht verstanden, nur den Refrain sang, ja brüllte ich inbrünstig mit, die Geburt eines Lebensgefühls: "How does it feel?/To be on your Own/To be without a home/Like a complete unknown/Like a Rolling Stone?" Jahre später erst kapierte ich, um was es hier ging. Ein verwöhntes Mädchen aus begüterten Familienverhältnissen, das sich über Gammler und sonstige Landstreicher, "Rolling Stones" eben, mokiert und am Ende selbst auf der Straße herum hängt - allein, einsam, heimatlos, unbekannt, "like a complete unknown, like a Rolling Stone".

1965 schrieb Bob Dylan, der bei seiner Geburt heute vor 70 Jahren, noch Robert Zimmerman heißt und sich später, nach dem Dichter Dylan Thomas, Bob Dylan nennt, 1965 schrieb er diesen Song und spielte ihn, nicht wie es sich für einen waschechten Folksänger jener Jahre gehörte, auf einer akustischen, sondern auf einer elektrischen Gitarre. Die Geburt des "Folk-Rock" . Über diese Zeit, über die Anfänge Bob Dylans in den 60er-Jahren, ist jetzt dieser wunderbare, sentimentale Bildband erschienen.

Bob Dylan war sich seiner optischen Wirkung bewusst. Kamerafreundlich, gelegentlich kokett, zeigt er sich mal in der Pose des Melancholikers, des Romantikers, immer "cool" würde man heute sagen. Daneben auch Schnappschüsse, die Bewegung ins Buch bringen. Grobkörniges steht neben gestochen Scharfem. Schön, wie man die Moden der Zeit wiederentdeckt: die engen schwarzen Röhrenhosen, die große schwarze Sonnebrille, den existentialistisch anliegenden Rollkragenpullover, längs gestreifte Hosen, quer gestreifte T-Shirts.

Auf manchen Fotos sieht man ihn auch mit anderen Künstlern zusammen, dem Dichter Allen Ginsberg zum Beispiel, einem der Beat-Poeten, mit denen sich Dylan gerne umgab, und die ihn in seiner Songlyrik auch beeinflussten. Man sieht ihn mit englischen Arbeiterkindern in einer düster anmutenden Stadtlandschaft, man sieht ihn zusammen mit Joan Baez, seiner Partnerin mit der glockenreinen Stimme - sie sogar auf den wenigen Farbfotos im Buch.

Mein Lieblingsfoto: Bob Dylan vorne auf dem Motorrad in einer lebhaften Straßen in Woodstock, auf dem Rücksitz der Sänger John Sebastian, beide in Cowboyboots, sie wollen gerade rechts abbiegen. So blättert man versonnen weiter in diesem Band mit Aufnahmen der bedeutendsten Fotografen der Szene in jener Zeit, darunter Barry Feinstein, Michael Ochs, Dezo Hoffmann und David Mangus. Dazu knappe und flotte Texte von Rainer Bratfisch.

"Bob Dylan: Bilder eines Lebens. Die frühen Jahre". Schwarzkopf & Schwarzkopf, 29,95 Euro, erschienen aus Anlass des heutigen 70. Geburtstages Bob Dylans.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk