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Seit 08:30 Uhr Nachrichten
StartseiteUmwelt und VerbraucherWald im Klimawandel27.09.2016

Forstwissenschaftliche TagungWald im Klimawandel

Förster sind damit beschäftigt, den Wald für den Klimawandel aufzubauen und zu stabilisieren, damit er vielfältig und auch produktiv bleibt. Zum Beispiel ist die Fichte aufgrund des Klimawandels an vielen Standorten gefährdet. Auf der forstwirtschaftlichen Tagung in Freiburg wurde über die Douglasie als Ersatz für die heimische Nadelbaumart diskutiert.

Von Sebastian Bargon

Ein Wanderweg führt durch einen lichtdurchfluteten Buchenwald bei Sophienhof im Oberharz. (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)
Erholungsraum und Wirtschaftsbetrieb - Interessenkollisionen sind in Bezug auf den Wald nicht ausgeschlossen. (picture alliance / dpa / Reinhard Kaufhold)
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Für den Direktor der forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, Konstantin von Teuffel, ist der Klimawandel eine der wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft.

"Wir stellen einen signifikanten Wandel unseres Klimas fest. Der wirkt sich auf das Wachstum von Bäumen und damit auf die Konkurrenzfähigkeit von Bäumen aus. Wir werden Baumarten erleben, die sehr viel mehr Schwierigkeiten haben in ihrem angestammten Gebiet noch vorzukommen im Vergleich zu früher. Und da stellt sich die Frage, was können wir tun, um weiterhin einen vielfältigen, biodiversen aber auch produktiven Wald zu haben?"

Beispiel Fichte: Die wichtigste heimische Nadelbaumart ist aufgrund des Klimawandels an vielen Standorten stark gefährdet. Jetzt wird auf der Tagung heiß darüber diskutiert, welche Nadelbaumart sie ersetzen kann. Dazu Baden-Württembergs Landesforstpräsident Max Reger.

"Hier spielt die Douglasie eine wichtige Rolle bei uns, die Baumart kommt aus Amerika und ist seit über 100 Jahren bei uns zu Hause. Ich würde sie mittlerweile als eingebürgert bezeichnen. Jetzt stellt sich die konkrete Frage: Wo kann man Fichte durch Douglasie ersetzen?"

Axel Mayer vom Bund für Umwelt- und Naturschutz südlicher Oberrhein sieht die Ansiedlung von Douglasien in Mischwäldern jedoch äußerst kritisch.

"Der BUND setzt auf einheimische Arten wenn es darum geht, den Wald an den Klimawandel anzupassen. Wir wollen mehr Vielfalt und wir wollen weniger exotische Arten."

Douglasie als Ersatz für Fichte?

Baden-Württembergs Landesforstpräsident Max Reger nimmt die Bedenken des BUND durchaus ernst, aber er wehrt sich dagegen, dass bestimmte Baumarten unter Generalverdacht gestellt werden. 

"Wieder Beispiel Douglasie: Die Douglasie wird ja von den Naturschützern als sehr invasiv bezeichnet. Wir haben nach fünf Douglasien-Wellen, also wo wir aktiv versucht haben, die Douglasie im Land voranzubringen, sage und schreibe vier Prozent. Soviel zur Invasivität der Douglasie."

Der Freiburger Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus hat mit seinem Team untersucht, ob die nordamerikanische Douglasie tatsächlich als Ersatz für die Fichte infrage kommt.

"Wir haben uns hier insbesondere mit der Trockenstress-Toleranz der Douglasie beschäftigt und verglichen einmal mit der Fichte als heimischer Baumart, die sie ersetzen soll, weil die Fichte sehr leidet. Und eben auch mit der Tanne, der anderen heimischen Baumart, die möglicherweise auch ein Ersatz für die Fichte bieten könnte. Und diese Ergebnisse zeigen, dass die Douglasie deutlich wüchsiger als die beiden anderen Baumarten und deutlich besser mit Trockenstress fertig wird und sich besser erholt als die Fichte."

Insofern steht für Baden-Württembergs Forstpräsident Max Reger fest, dass die Douglasie auf bestimmten Standorten ein guter Ersatz für die Fichte sein kann.

"Um unser Portfolio im Nadelholzbereich aufrecht zu erhalten - für mich eine denkbare und Diskussionswürdige Alternative. Es gibt auch Ausschlussstandorte für die Douglasie. Wir wollen sie nicht auf Sonderstandorte setzen, sondern dort, wo die Fichte Probleme hat und jetzt droht auszusterben."

Auch Jürgen Bauhus glaubt, dass die Ansiedlung von Douglasien in Mischwäldern durchaus Sinn macht.

"Weil wir einfach diverse artenreiche Wälder erhalten müssen. Das zeigen ja auch die Erfahrungen aus der Vergangenheit. Wenn wir großflächige Monokulturen haben und die Baumart erwischt es aus welchem Grund auch immer - dann ist der Wald platt und damit auch die Ökofunktion des Waldes. Gemischte Wälder sind tatsächlich eine Rückversicherung. Wie man so schön im Englischen sagt: Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen – und das gilt auch für den Waldbau."

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