Montag, 20.11.2017
StartseiteUmwelt und VerbraucherFracking auf Rumänisch27.05.2013

Fracking auf Rumänisch

Bürgermeister wehren sich gegen Pläne der Regierung

Fracking verspricht auch zwischen dem Schwarzen Meer und der Grenze zu Ungarn ein einträgliches Geschäft zu werden. Deshalb hat die rumänische Regierung bereits im vergangenen Jahr grünes Licht für mehrere Schiefergas-Vorerkundungen im Land gegeben. Jetzt regt sich dagegen Protest.

Von Thomas Wagner

Rumänische Kommunen wollen keine Schiefergas-Bohrungen wie hier in Lubycza Krolewska in Polen auf ihrem Gebiet. (picture alliance / dpa / Pawel Pawlowski)
Rumänische Kommunen wollen keine Schiefergas-Bohrungen wie hier in Lubycza Krolewska in Polen auf ihrem Gebiet. (picture alliance / dpa / Pawel Pawlowski)

Buzias, eine Kleinstadt in Westrumänien: In einem großen Park kommen die Leute immer wieder an einen Brunnen, füllen sich dort ihre alten Plastikflaschen. Buzias ist über die Grenzen Rumäniens heraus für seine großen Mineralwasservorräte bekannt. Nur fünf Gehminuten entfernt, direkt an der viel befahrenen Hauptstraße, schließlich ein Plakat, in der Mitte ein großer Bohrturm, darunter ein Totenkopf. Die Aufschrift ist auf Rumänisch:

"Kommt zum Protest! Unterschreibe die Petition! Rumänien ist in Gefahr, verseucht und vergiftet zu werden!"

Drastisch klingende Sätze. Doch derjenige, der sie geschrieben hat, sitzt gleich ein paar Meter weiter, im Chef-Büro der '"Primaria Buzias", also im Buziaser Rathaus: Bürgermeister Viorel Alger Ilas.

"In dem Moment, in dem ich erfahren habe, was da geplant ist, nämlich die Erkundung von Schiefergasvorkommen in Gesteinssichten auf unserem Gemeindegebiet, habe ich sofort unseren Gemeinderat zusammen getrommelt. Wir wussten ja von gar nichts. Wir haben uns ja erst mal informieren müssen, was denn das ist, Schiefergas. Und dann hat der Gemeinderat klar Stellung bezogen - mit einem Beschluss gegen die Erforschung von Schiefergas-Vorkommen bei uns."

Die rumänische Regierung in Bukarest hat bereits im vergangenen Jahr die Genehmigungen für sogenannte Erkundungsuntersuchungen ausgestellt, ohne die beteiligten Gemeindevertreter, geschweige denn die Bürger, anzuhören und zu informieren. Und davon ist nicht nur die westrumänische Gemeinde Buzias betroffen.

Weiter nördlich, im rumänischen Verwaltungskreis Bihor, soll auch in den Gemeinden Tria, Tulca, Popesti und Sanmartin nach Schiefergas gesucht werden. Den Bürgermeistern aller betroffenen Gemeinden ist eines gemeinsam: Ausgestellte Genehmigungen hin oder her - sie wollen auf keinen Fall Bohrtürme auf ihrem Gemeindegebiet. Bürgermeister Viorel Alger Ilas:

"Wir haben keine Ahnung, wie diese Erkundungsbohrungen ablaufen sollen. Und wir haben da gleich in zweifacher Hinsicht große Sorgen: enmal um unser normales Trinkwasser an sich, vor allem aber um unsere Mineralwasservorkommen. Und ist die Basis unserer wirtschaftlichen Entwicklung."

Eine Befürchtung, die auch etliche Bürger in Buzias teilen:

"Man hört so und so. Alte Leute, die sagen, dass es gefährlich ist und so weiter."

"Da kann doch alles verseucht werden, Wasser, Grund, alles - aber wenn die Regierung das haben will, dann macht sie es. Aber gut ist das nicht."

"So etwas ist doch gefährlich für die ganze Stadt. Wenn da irgendetwas schiefgeht und entweicht, kann das die Häuser angreifen, ja die ganze Stadt."

Bürgermeister Viorel Alger Ilias hat Unterschriftenlisten im Rathaus auslegen lassen. Wer unterschreibt, spricht sich gegen die bereits genehmigten Erkundungsbohrungen aus.

Ob die Petition seiner Bürger allerdings Erfolg hat - nun, dafür möchte der rumänische Kommunalpolitiker seine Hand nicht ins Feuer legen:

"In dieser Zeit, also in den nächsten fünf Jahren, soll eine Erkundung des Schiefergases nur dann möglich sein, wenn alle Umweltgenehmigungen erteilt und die Umweltbelange damit berücksichtigt sind. So haben es der Umweltminister und sogar der Ministerpräsident im Fernsehen versprochen. Aber eines ist auch klar: Wenn die Regierung erst einmal grünes Licht für das Anrücken der Bohrtürme gibt, können wir nichts mehr machen."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk