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StartseiteUmwelt und VerbraucherGen-Lamm in der Nahrungskette23.06.2015

FrankreichGen-Lamm in der Nahrungskette

Das durfte nicht passieren: In Frankreich ist ein Lamm geschlachtet worden, dessen Muttertier genmanipuliert war. Das Fleisch ist in der Nahrungskette gelandet. Das verantwortliche Forschungsinstitut sieht sich nun dem Vorwurf aussetzt, interne Abläufe nicht richtig kontrolliert zu haben.

Von Ursula Welter

Lämmer liegen auf einer Weide (imago)
Das Lamm, dass in die Nahrungskette gelangte, stammte von einem genmanipulierten Mutterschaf ab. (imago)
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Die Zeitung "Le Parisien" hat die Geschichte heute früh aufgedeckt. Das "Nationale Institut für Agrarforschung" INRA zog wenig später auf seiner Internet-Seite nach und bestätigte, dass im Oktober vergangenen Jahres ein Lamm in die Nahrungskette geraten ist, dessen Mutter genmanipuliert war. Das Tier wurde im Rahmen eines Forschungsprogramms zu medizinischen, kardiologischen Zwecken geboren. In einem Labor der INRA im Departement Yvelines, westlich von Paris. Das Mutterschaf war im Rahmen der Analyse von Infarktsituationen durch das fluoreszierende Protein GFP, das von Quallen stammt, genetisch verändert worden. Das Lamm habe das Protein aber nicht getragen, versichert das Forschungslabor.

Das Tier, das also von einem genmanipulierten Mutterschaf abstammte, wurde am 5. August 2014 einem Schlachthof übergeben, am 28. Oktober dann verkaufte der Schlachter den Kadaver an einen Einzelhändler.

"Auf wessen Teller das Lammfleisch landete, ist nicht bekannt" schreibt die Zeitung "Le Parisien" in einem Kommentar und fordert, dass sich derlei nicht wiederholen dürfe.

Das Nationale Institut für Agrarforschung stufte das Lamm heute in die Gruppe 1 der genetisch modifizierten Organismen ein. Das Gesundheitsrisiko und das Risiko für die Umwelt liege "bei null" oder sei "zu vernachlässigen".

Abläufe des Instituts in der Kritik

Das Institut musste aber einräumen, dass die internen Abläufe lückenhaft sind: Ein Mitarbeiter hatte den Verkauf des Lammfleisches aus dem Forschungsprojekt an einen Einzelhändler zunächst vertuschen können. Im November vergangenen Jahres war die Sache aber aufgeflogen, die zuständigen Ministerien seien informiert, eine interne Untersuchung eingeleitet worden, alle Verkäufe von Tieren, alle Experimente in dem betroffenen Labor seien gestoppt, das genmanipulierte Material vernichtet worden. Versichert die INRA.

Die Staatsanwaltschaft schaltete das Institut allerdings erst im Juni dieses Jahres ein, also gut ein halbes Jahr nachdem das Fleisch des Lammes einer genmanipulierten Mutter in den Handel geraten war. Dennoch schreibt das französische Institut für Agrarforschung heute auf seiner Internetseite: "Angesichts dieses beispiellosen Vorfalls handelt das Institut transparent und im Einklang mit den Werten seiner 70-jährigen Geschichte." 

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