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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Das warme Wetter hat die Natur weit nach vorne gebracht"28.04.2017

Frostschäden"Das warme Wetter hat die Natur weit nach vorne gebracht"

Dass Pflanzen Frost bekommen haben, erkenne man daran, dass die Triebe braun und schlaff herunterhingen, sagte Klaus Krohme vom Kreislehrgarten in Steinfurt. Bevor man sie zurückschneide, sollte es zwei, drei Tage 20-25 Grad geworden sein. Die vielen Frostschäden in diesem Frühjahr rührten daher, dass es zuvor ungewöhnlich warm gewesen sei.

Klaus Krohme im Gespräch mit Jule Reimer

Frostschaden an Magnolienblüten. (imago / blickwinkel)
Frostschaden an Magnolienblüten. (imago / blickwinkel)
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Jule Reimer: Mit Regen, Schnee und nächtlichem Frost geht der April in seine letzten Tage. Besonders gemütlich dürfte es in Deutschland heute trotz gelegentlichem Blicks auf die Sonne nicht mehr werden. Die Höchsttemperaturen liegen voraussichtlich zwischen 8 und 13 Grad. Das ist jetzt nicht so furchtbar warm. Bundesweit klagten vor allen Dingen im April Landwirte, aber auch viele Hobbygärtner über Frosteinbrüche.

Am Telefon begrüße ich jetzt Klaus Krohme. Er ist der Leiter, sozusagen der Chefgärtner des Kreislehrgartens Steinfurt im Nordwesten Westfalens.

Herr Krohme, wie viel Schäden an Sträuchern, Pflanzen und Bäumchen hat es gegeben, oder wie kann man die überhaupt erkennen?

Klaus Krohme: Guten Morgen, Frau Reimer. Es hat leider doch sehr viele Schäden gegeben und wir merken das an den Anrufen, die im Lehrgarten sich hier melden und ganz ungläubig fragen, ob es der Frost sein kann, obwohl jeder früh morgens bisher am Auto die Scheiben kratzen musste, weil es ja nun sehr, sehr kalt ist. Es äußert sich meistens in welken, verfrorenen Trieben, die dann braun und schlaff herunterhängen.

"Es kann immer noch weiter Frostschäden geben"

Reimer: Bleiben wir mal bei den Sträuchern, bei Pflanzen, bei Bäumchen. Was kann ich dann tun, abschneiden?

Krohme: Früher oder später sollte das zurückgeschnitten werden, aber im Moment lieber später, weil A sind die Frostereignisse noch gar nicht vorbei. Es kann immer noch weiter Frostschäden geben. Und entstandene Frostschäden sind auch noch nicht klar zu sehen und abzugrenzen. Man weiß beispielsweise gar nicht, wo ich bei der Kiwi oder bei der Hortensie, die jetzt erfroren ist, die Schere ansetze, dass ich auch bis ins gesunde, grüne, frische Holz zurückschneide.

"Mal richtig zwei, drei Tage auch 20, 25 Grad geworden sein"

Reimer: Wie lang warten?

Krohme: Es muss mal richtig zwei, drei Tage auch 20, 25 Grad geworden sein. Dann sieht man ganz klar, was eintrocknet, und dann kann ich zurückschneiden. Im Falle der Hortensie sollte ich es positiv sehen. Das heißt, wenn ich eine klassische Bauerngarten-Hortensie habe – das sind diese lila, violett oder rosafarbenen Sorten -, dann habe ich dieses Jahr leider keine weiteren Blüten zu erwarten. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Vielleicht schneide ich den Strauch, der mir sowieso zu hoch oder breit geworden ist, bei dieser Gelegenheit einfach mal kräftig zurück und verjünge ihn und freue mich dann 2018 über einen schönen kompakten Strauch, der dann wieder blüht.

Reimer: Wie gehe ich um mit Obstbäumen? Alles verloren?

Krohme: Kann man auch jetzt schlecht abschätzen. Es ist ja in den einzelnen Gegenden Deutschlands sehr unterschiedlich von den Minustemperaturen. Man muss davon ausgehen, dass bei minus fünf Grad nicht nur die offenen Blüten geschädigt sind – die sind schon bei minus ein Grad kaputt -, sondern bei minus fünf Grad sind auch junge Fruchtanlagen erfroren, denn teilweise waren ja die Birnen und die Pflaumen schon abgeblüht. Da waren kleine Früchte dran, die sind erfroren. Und bei minus fünf Grad muss man auch davon ausgehen, dass die Äpfel, deren Blüten noch nicht geöffnet waren, auch einen Schaden bekommen haben. Aber Genaues sieht man sicherlich erst in drei, vier Wochen. Dann werden schlecht bestäubte Früchte vom Baum noch abgeworfen, obwohl man sich vielleicht schon über diese kirschgroßen Früchtchen beim Apfel- oder Birnbaum gefreut hat.

Frostfreie Räume für empfindliche Pflanzen

Reimer: Jetzt steht das lange Wochenende bevor. Es gibt viele, die einfach nur darauf brennen, endlich loszulegen. Was empfehlen Sie, wo sollte man sich lieber noch zurückhalten?

Krohme: Alles das, was extremst frostempfindlich ist – das ist auf Balkon oder Terrasse fleißige Lieschen, Studentenblumen, Kapuzinerkresse; im Kräutergarten sind es die Basilikum, im Gemüsegarten sind es die Kürbisse oder die Tomaten -, alle diese Dinge können überhaupt keinen Frost vertragen und sollten tunlichst da aufbewahrt werden, wo ein frostfreier Raum zur Verfügung steht. Riskieren kann man es natürlich, Dinge auszupflanzen, die ein bisschen Frost vertragen, der klassische Kopfsalat, die krause Petersilie, die Kohlrabi. Die können nach draußen ins Freie, ins Beet, freuen sich natürlich auch über eine Auflage mit einem Frostschutz-Fließ. Aber die sind nach ein paar Minusgraden noch nicht kaputt. Oder auch die Kübelpflanzen Oleander, Palmen und so weiter, können auf Balkon und Terrasse jetzt rausgesetzt werden. Die schaffen es auch bei minus ein, zwei Grad. Das ist nicht das große Problem.

Reimer: Die Eisheiligen stehen noch bevor. Wie lang würden Sie mit diesen ganzen empfindlicheren Pflanzen, die ja aus dem Mittelmeerraum stammen, warten?

Krohme: Wir sind da ganz traditionell. Wir sind ja hier im westlichen Teil Deutschlands. Der zählt auch sicherlich nicht zu den kältesten Ecken hier im Münsterland. Wir warten bis um den 15. Mai und dann gucken wir mal auf die Wetterkarte und dann setzen wir auch frostempfindliche Dinge nach draußen. Es kann natürlich die Mittelgebirge Deutschlands geben oder in Bayern. Da wartet man vielleicht noch bis zum 20., 25. Mai, bis man wirklich da auf der sicheren Seite ist.

"Die Frostereignisse sind für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich"

Reimer: Sagen Sie uns noch in kurzen Sätzen, warum dieses Jahr ausgerechnet so viele Schäden?

Krohme: Die Frostereignisse sind für die Jahreszeit nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich warm war es nur jetzt 2017 und besonders diese warme Wetter vor drei Wochen Anfang April hat die Natur weit nach vorne gebracht. Wir waren sicherlich locker 10, 14 Tage früher als in den letzten Jahren und im Vergleich von vor 50 Jahren waren wir sogar mit der Entwicklung der Obstgehölze vier Wochen früher. Das war sehr stark und dadurch steigt natürlich die Frostgefahr und dann passiert das, was jetzt passiert ist. Wenn wir dann die starken Fröste haben, kommt es zu diesen gravierenden Schäden.

Reimer: Möglicherweise hat es doch was mit dem Klimawandel zu tun.

Krohme: Bestimmt.

Krohme: Vielen Dank für diese Informationen an Klaus Krohme vom Kreislehrgarten in Steinfurt in Westfalen.

Krohme: Gerne!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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