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StartseiteSport AktuellBundesligaschelte und Kommerzdebatte17.01.2018

FußballBundesligaschelte und Kommerzdebatte

Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga kritisiert beim DFL-Neujahrsempfang die Vereine der Bundesliga und fordert eine Kommerzdebatte. Vereinsfunktionäre sehen hingegen keine Krise des deutschen Fußballs.

Tobias Armbrüster im Gespräch mit Klaas Reese

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Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), spricht am 16.01.2018 auf dem DFL-Neujahrsempfang in Frankfurt am Main (Hessen). Foto: Arne Dedert/dpa | Verwendung weltweit (dpa / picture alliance / Arne Dedert)
Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), spricht am 16.01.2018 auf dem DFL-Neujahrsempfang in Frankfurt am Main (Hessen). (dpa / picture alliance / Arne Dedert)

Tobias Armbrüster: Was läuft falsch im deutschen Fußball im Jahr 2018. Offenbar Einiges. Das sagt zumindest der Chef der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert. Er hat jetzt in einer Rede beim Neujahrsempfang der DFL die deutschen Fußballclubs regelrecht gerügt und eine ehrliche Debatte zum Thema Kommerzialisierung gefordert. Klaas Reese aus unserer Sportredaktion, was hat Seifert denn kritisiert?

Klaas Reese: Christian Seifert hat auf das Fußballjahr 2017 zurückgeblickt und er war hörbar enttäuscht vom Abschneiden deutscher Clubs: "Das Jahr 2017 war aus Sicht des professionellen Fußballs ein Jahr der verpassten Chancen. Es wurde beispielweise bisher die Chance in internationalen Wettbewerben verpasst zu belegen, dass die Bundesliga zu den stärksten Ligen der Welt gehört. Wer internationale Zweitklassigkeit nicht so schlimm findet, der wird sich schneller als er denkt in der internationalen Bedeutungslosigkeit wiederfinden."

Seifert hat also vor einer gewissen Selbstgefälligkeit der deutschen Proficlubs und vor dauerhaftem Mittelmaß im deutschen Fußball gewarnt. Und dieses dauerhafte Mittelmaß hätte aus Sicht Seiferts große Folgen für den deutschen Fußball, denn er befürchtet, dass die Qualität der Nationalmannschaft leidet und dass die Sponsoreneinnahmen und die Zuschauerzahlen der Liga sinken.

Armbrüster: Das zielt ja jetzt alles deutlich gegen die Führung der Bundesligaclubs. Was sagen denn die Verantwortlichen der Clubs zu der Kritik an ihrer Arbeit?

Bei dem Neujahrsempfang der DFL in Frankfurt waren auch mehrere Funktionäre zugegen, die diese Kritik natürlich verstanden haben, sie aber für überzogen halten. So zum Beispiel der Manager von Schalke 04, Christian Heidel: "Ich tue mir ein bisschen schwer damit die Krise des deutschen Fußballs auszurufen. Das geht mir alles ein bisschen zu schnell. Wir haben jetzt ein schlechtes Jahr, jetzt warten wir mal ab was im nächsten Jahr ist. Und das alle Clubs alles dafür tun, das wir erfolgreicher sind, ich glaube das ist doch völlig klar." 

Heidels Mainzer Kollege Rouven Schröder pflichtet dem Schalke-Manager bei. Schröder hält jede Kritik am Niveau der Liga für überzogen. Schröder sagte: "Die Bundesliga war noch nie langweilig. Und die Bundesliga wird nicht langweilig." Da kann man natürlich geteilter Meinung sein, wenn man sieht, dass Bayern München zum Beispiel  in dieser Saison vor der sechsten Meisterschaft in Folge steht.

Armbrüster: Klaas Reese, es gibt also unterschiedliche Meinungen zum Zustand und zur Zukunftsfähigkeit des deutschen Fußballs. Wenn DFL-Chef Seifert die Clubs jetzt so dermaßen kritisiert, was hat er dann für Forderungen oder was sieht er für Lösungsansätze, um noch was zu verändern?

Reese: Christian Seifert fordert als ersten Schr itt ein klares Bekenntnis zum Kommerz. Er mahnt deshalb eine ehrliche Debatte über eine weitere Kommerzialisierung des Fußballs an: "Wenn wir wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir uns zu einem gewissen Maß an Kommerz bekennen. Ja, im Profifußball geht es um Geld, es geht um viel Geld. Der Profifußball in Deutschland hatte zum Glück großen wirtschaftlichen Erfolg und er muss aufhören sich für diesen Erfolg zu rechtfertigen. Die viel zitierte Schere im deutschen Fußball zwischen Profifußball und Amateuren, sie wird weiter auseinander gehen. Wer etwas anderes behauptet, streut den Menschen Sand in die Augen."              

Was Seifert hier sagt, zweifelt niemand an. Natürlich werden die Proficlubs sich noch weiter von der Basis des Fußballs, von den Amateurclubs finanziell absetzen. Es ist halt nur die Frage, welche Schlüsse man aus dieser Entwicklung zieht. Seifert wünscht sich – und das ist aus Sicht der Proficlubs verständlich - dass die Bundesliga noch mehr auf höhere Einnahmen abzielen sollte, etwa durch die Ausweitung der Spieltage. Mögliche Folgen für den Amateursport, die sind ihm egal.

Armbrüster: Welche Folgen könnten das denn sein?

Reese: Die Folgen gibt es im Prinzip jetzt schon. Die Amateurvereine klagen darüber, dass immer weniger Zuschauer zu ihren Spielen kommen, weil mittlerweile an jedem Tag in der Woche Fußball läuft. So sitzen immer mehr Menschen vor dem Fernseher statt zum Verein um die Ecke zu gehen und es wird auch immer schwieriger ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden.

Und hier wird der DFB gefordert sein, denn der DFB ist ja für die Amateure zuständig und muss sich für die Interessen der Amateure einsetzen. Hier wird die von Christian Seifert angestoßene Kommerzdebatte sicher geführt werden müssen und vielleicht lohnt sich ja hier ein Blick nach Großbritannien. Dort hat man schon vor Jahren eine Regel eingeführt, die es verbietet samstags von 14:45 Uhr bis 17:15 Uhr Live-Fußballspiele im Fernsehen zu zeigen, um den Amateursport zu unterstützen. Und trotz dieser Regel ist die Premier League die kommerziell erfolgreichste Liga der Welt.

Armbrüster: Der Chef der Deutschen Fußball Liga Christian Seifert hat im deutschen Fußball ein Debatte über die Kommerzialisierung angestoßen. Ich sprach darüber mit Klaas Reese aus unserer Sportredaktion. Vielen Dank für die Details.

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