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StartseiteMarkt und MedienGemeinsam kostenpflichtig21.07.2012

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Polens große Zeitungsverlage wollen im Web Kasse machen

Genau wie deutsche Pressehäuser überlegen auch die polnischen Zeitungsverlage, ob und wie sie im Internet Geld verdienen können. Jetzt sollen die Netzleser für ausgewählte Inhalte zahlen - per Abonnement. Dazu haben sich mehrere Medienhäuser zusammengeschlossen.

Von Jan Pallokat

Polens Tageszeitungen wollen in Zukunft auch im Netz Geld verdienen. (AP Archiv)
Polens Tageszeitungen wollen in Zukunft auch im Netz Geld verdienen. (AP Archiv)

Endzeitstimmung bei Polens führender Tageszeitung "Gazeta Wyborzca". Dieser Tage schrieb die Redaktion den Lesern einen Brief in eigener Sache:

Wenn wir nicht bald einen erfolgreichen Weg finden, guten Journalismus auch künftig zu finanzieren, dann werden wir schon bald in einer Welt aufwachen, bei der wir nicht mehr sicher sein können, ob ein Text von einem dafür ausgebildeten Journalisten geschrieben wurde, ob er von einem Geschäftsmann oder Politiker bestellt wurde, oder ob es sich nur um die Erfindung eines anonymen Internetnutzers handelt.

Auflagenschwund und vor allem der Wegfall von Werbegeldern macht auch in Polen den klassischen Printmedien schwer zu schaffen, da unterscheiden sich die Nöte von Verlegern in Ost und West kaum, weiß Medienwissenschaftler Maciej Mrozowski:

"Unsere Chefredakteure und Herausgeber sind sehr pessimistisch. Sie waren viel in Europa unterwegs auf der Suche nach Inspirationen und Lösungsansätzen, aber es war eher niederschmetternd: Von ihren westlichen Kollegen haben sie gehört, dass es dort alles noch schlimmer ist als bei uns."

Nun verbünden sich viele von ihnen - darunter die "Gazeta Wyborcza" - um Internetleser zum zahlen zu erziehen: Ausgewählte Inhalte wollen sie ab Herbst nur noch gegen eine Abo-Gebühr anbieten. Für umgerechnet 50 Euro im Jahr oder 2,50 Euro in der Woche können die Leser im Web parallel zur Drucklegung Analysen, Reportagen und Hintergründe abrufen – aktuelle Nachrichten soll es auch weiter umsonst geben. Medienforscher Maciej Mrozowski ist gespannt:

"Die Einführung eines Abonnements war letztlich nötig und unvermeidlich. Die Frage ist nur, wie die Internetnutzer reagieren werden. 50 Euro im Jahr ist zumindest für die Angehörigen der Mittelschicht nicht viel, sie werden die Kröte am ehesten schlucken und zahlen."

Geburtsfehler des Projekts, das im Herbst starten soll: Zwar haben sich neben der "Gazeta" auch andere Medien angeschlossen, die auf diese Weise künftig Inhalte im Internet verkaufen wollen, etwa ein Boulevardblatt, das polnische öffentlich-rechtliche Radio und andere. Aber der schärfste Konkurrent des "Gazeta-Wyborcza"-Herausgebers Agora, Ringier Axel Springer, ist nur mit einem Bein dabei und wartet erst mal ab – lediglich das Wirtschaftsblatt Forbes ist im Abo enthalten; die "Bild"-Kopie Fakt und die seriösere Dzennik bleibt vorerst außen vor.

Springer geht mit seinem Schweizer Partner Ringier online eigene Wege; der Kauf der größten polnischen Webplattform Onet, der bis Jahresende abgeschlossen sein soll, scheint eher auf Breitenwirkung und Onlinewerbung als auf gezielte Bezahlinhalte zu zielen. Im Herbst startet das Bezahl-Abo: Das Ringen des größten polnischen Medienhauses Agora mit den westlichen Konzernen Springer und Ringier geht dann in eine neue, vielleicht entscheidende Runde.

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