• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht
StartseiteNachrichten-Blogs: Aus der NachrichtenredaktionIn brennender Sorge um Gesellschaft und Medien10.02.2017

Günter WallraffIn brennender Sorge um Gesellschaft und Medien

Medien und Politik in Deutschland kümmern sich nicht mehr um die echten Menschen. Wer in prekären Verhältnissen lebt, kommt medial höchstens als "Pack" vor. So sieht es Günter Wallraff. Und Deutschlands bekanntester Investigativjournalist fürchtet, dass dies gravierende Folgen haben wird.

Günter Wallraff im Gespräch mit Marco Bertolaso

(Ellen Wilke, Deutschlandradio)
Günter Wallraff hört einer Frage aus dem Publikum zu. (Ellen Wilke, Deutschlandradio)

Marco Bertolaso: Günter Wallraff zu Gast in der Nachrichtenredaktion des Deutschlandfunks. Hallo, Herr Wallraff. - Erste Frage: Was läuft schief im Nachrichten- und Informationsbetrieb in Deutschland?

Günter Wallraff: Oh, das ist ein so weites Feld. Ich würde erst mal sagen: Wir haben wirklich im Verhältnis zu anderen Ländern noch eine differenzierte Vielfalt von konkurrierenden Nachrichten und auch Medien. Das sehe ich jetzt mal positiv. Obwohl: es verengt sich. Ich sehe das Problem, dass immer mehr und schneller alle dem jeweiligen News-Ereignis nachhecheln, und es wird dann plötzlich nur ein Thema, was überall gleichzeitig als das beherrschende gilt. Und das ist oft gar nicht das, was die Menschen in ihren eigenen Problemen so bewegt. Es wird dazu gemacht. Das ist eine Nachrichtenmache. Woran liegt das? Das ist kein übergeordnetes politisches Interesse, diese Verschwörungstheorien, alles Quatsch. Es ist zum Teil Bequemlichkeit: Was die großen Medien machen, dem müssen wir  nachfolgen, was die meisten Einschaltquoten hat, da dürfen wir nicht hinterherhinken. Da kommt vieles zusammen und das bedeutet, dass Themen unter den Tisch fallen, die eigentlich den meisten Menschen hier viel, viel existenziell näher sind, oder auch für sie Bedrohungen darstellen in ihrer eigenen Arbeitssituation, die ständige Befristung, die prekären Arbeitsverhältnisse. Und das sind dann Themen, die zwar auch vorkommen, aber nicht vorherrschend.

"Christian Wulff ist gewaltiges Unrecht geschehen"

Bertolaso: Was sind denn aus Ihrer Sicht die Gründe, weshalb das in den Redaktionen passiert?

Wallraff: Ich glaube, da kommt einiges zusammen. Erst mal: Es gibt bestimmte Leitmedien. Und wenn die gemeinsam, auch das nicht mit Absprache - ich denke jetzt nur mal an den Fall Wulff, wo plötzlich die "Bild" den Anfang gemacht hat, "Spiegel" springt drauf, macht einen Titel, "In Amt und Würden", "Würden" durchgestrichen, man nimmt dem Menschen sogar die Menschenwürde, und dann wird das durchgezogen bis zum geht nicht mehr. Dann springt noch ein seriöses Blatt irgendwann wie die "FAZ" völlig unverständlich auch mit drauf und dann hat derjenige keine Chance mehr. Das ist wirklich nur ein Beispiel. Ich bin wirklich kein Wulff-Freund, aber das ist Journalismus als Menschenjagd. Das ist das Allerabscheulichste und dann hat keiner auch mehr eine Chance in so einer Situation. Das dauert dann Jahre unter Umständen, wir leben in einem Rechtsstaat, bis jemand auch juristisch rehabilitiert wird.

"Gutmensch ist zum Totschlagargument geworden"

Bertolaso: Christian Wulff ist Unrecht geschehen aus Ihrer Sicht?

Wallraff: Dem ist ein ganz gewaltiges Unrecht geschehen. Der ist in seiner Persönlichkeit zerstört worden. Und der Freispruch nachher - die Hinrichtung war vorher vollstreckt worden. Das ist nur ein Beispiel. Dass dann auch jemand keine Chancen mehr hat, egal was er dann sagt oder auch nicht sagt, und dann versucht noch jeder, nachzuhecheln und den Fangschuss abzugeben, und dann tritt man noch nach.

Übrigens in anderen Ländern, Skandinavien, auch Frankreich, fragen mich Kollegen, was ist bei euch eigentlich los. Übrigens auch die Sprachregelung. Gutmensch - das ist hier ein Totschlagargument, ein Schmähbegriff geworden. Übrigens der erste - können Sie in Wikipedia nachschauen -, der diesen Begriff verwandt hat, war Goebbels, und zwar dem Kardinal von Galen gegenüber, der sich gegen Euthanasie von der Kanzel aus wendete, und dieser Begriff ist inflationär auch in seriösen Zeitungen. - Oder Opfer. Opfer in der Jugendsprache gilt als herabsetzend, ein Schmähbegriff, der hat es nicht anders verdient. Das war mal in unserer Kultur, dem Opfer, dem jeweiligen, hat man Zuwendung entgegengebracht, hat man Nächstenliebe entgegengebracht. Da hat irgendwie eine Verrohung stattgefunden.

"Die soziale Spaltung wird als Gewohnheitsunrecht hingenommen"

Bertolaso: Sie haben jetzt schon eine weitere Frage beantwortet, nämlich die nach der Bedeutung der Sprache für die Information. Ich würde noch mal gerne zu den inhaltlichen Themen zurückkommen. Sie haben jetzt einige Beispiele gebracht und auch angedeutet, dass es da immer wieder um Arbeitsrechte ging, um Arbeitsschutz, um soziale Themen, für die Sie ja auch in den letzten Jahrzehnten immer wieder durch Recherchen Anstoß gegeben haben. Ist das jetzt irgendwie zum Ende gekommen? Ist jetzt alles gut in Deutschland? Oder warum hören wir da so wenig von in letzter Zeit?

Wallraff: Mein Eindruck ist, es wird hingenommen wie ein Gewohnheitsunrecht. Es gibt einen Teil der Bevölkerung, die Soziologen sagen etwa ein Drittel, andere sagen, es geht schon mehr in die Hälfte der Gesellschaft. Allein die Besitzverhältnisse. Dieser Teil der Gesellschaft verfügt über keine finanziellen Mittel mehr, sie sind besitzlos oder haben sogar Schulden und leben in Arbeitsverhältnissen ungesicherter Art, prekäre Dauerbefristung, Werksvertragsarbeiter. Die Hartz-IV-Empfänger, Alte gehören dazu, die ab einem bestimmten Alter, sagen wir 45, auch keine Berufsperspektive, keine Chancen mehr haben. Alleinerziehende Mütter vor allem, Arbeitsemigranten, die hier aufgrund ihrer Herkunft auch weniger Chancen haben. Und deren Probleme werden marginal behandelt oder kommen so gut wie nicht mehr vor. Vielleicht außer den Gewerkschaften und einigen kirchlichen Organisationen haben sie auch keine Lobby mehr. Das ist das Problem, dass genau diese Menschen, die sich nicht mehr repräsentiert und nicht mehr vertreten fühlen von unserer Politik, dass Nichtwähler erst gar nicht mehr zur Wahl gehen oder jetzt einer Partei aufsitzen, siehe USA. Da ist ja auch nicht jeder Trump-Wähler oder die ganzen Bevölkerungsschichten, die ihn gewählt haben, sind ja auch solche, die sich verloren und nicht mehr repräsentiert fühlen. Da sehe ich ein Riesenproblem.

"Die echten Menschen müssen wieder in den Medien vorkommen"

Bertolaso: Sie haben jetzt das Bild gezeichnet von einer Gesellschaft, wo eine große Gruppe, Sie sagten ein Drittel oder sogar mehr als die Hälfte der Bevölkerung, kaum noch Gehör findet und wo die einschlägigen Verbände auch eigentlich kaum noch in der Lage oder willens sind, deren Interessen zu vertreten, weil beispielsweise eine Gewerkschaft sich eher um diejenigen mit einem Vertrag kümmert und sich dann dafür entscheidet, das Prekariat Prekariat sein zu lassen. Was bedeutet das für die Medien? Müsste man in einer Redaktion möglicherweise nicht nur darauf achten, viele Frauen und viele Männer gemeinsam zu haben, Jung und Alt, auch Menschen mit Migrationshintergrund? Müsste man die noch bunter und diverser gestalten, damit diese Themen durch Erlebnisse wieder zu Wort kommen? Was schlagen Sie vor?

Wallraff: Die Menschen müssen vorkommen. Die Menschen müssen sich selbst auch darstellen und nicht immer dann, wenn sie gerade irgendwo auf unangenehmen Demonstrationen auffallen und da ein Bild abgeben. Sie müssen in ihrem eigenen Umfeld, an ihrem Arbeitsplatz, in ihren Familiensituationen - ich kenne so viele, wo ein Familienleben gar nicht möglich ist, wo eine Ehe zerbricht oder gar nicht mehr zustande kommt, wo ein Kinderwunsch gar nicht mehr in Erfüllung geht, weil solche Arbeitsverhältnisse das nicht zulassen - deren Lebenssituation, deren Arbeitssituation eins zu eins wiederspiegeln und auch teilhaben, auch bei solchen Menschen zu Gast sein oder sie begleiten. Sie kommen eigentlich meistens nur als Randfiguren vor oder gar nicht, oder auch dann negativ, wenn sie aufgehetzt sind. Dann sind sie das Pack. Mehrheiten von denen bedürfen der Zuwendung und auch der öffentlichen Darstellung, ohne ihnen nach dem Mund zu reden, man kann ihnen auch durchaus kritisch gegenüberstehen, aber sie müssen vorkommen. Ich meine, der Riss, der durch die Gesellschaft geht zwischen Arm und Reich, der ist in Deutschland so extrem. Wir waren bisher den skandinavischen Ländern nahe und in den letzten 20 Jahren oder noch etwas länger driften wir voll zu amerikanischen Verhältnissen.

Zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über 80 Prozent des Gesamtvermögens, und die untere Hälfte hat nicht mal drei Prozent des Vermögens. Das heißt, eine Gesellschaft zwischen Arm und Reich. Die Schere geht immer weiter auseinander und die großen Vermögen, an die geht man nicht ran. Alleine die Steuerquote: Unter Kohl waren es noch, ich glaube, 54 Prozent Spitzensteuersatz. Wir sind inzwischen, ich glaube, bei 42. Und die großen Vermögen brauchen ihre Aktiengewinne, ich glaube, nur mit 25 Prozent zu versteuern.

Bertolaso: Unser Thema war ja weniger alleine die gesellschaftlichen Verhältnisse, die haben Sie eindrücklich geschildert, sondern was die Medien machen. Sie haben gesagt, die Menschen, die abzurutschen drohen oder schon abgerutscht sind, die müssen dringend das Gefühl bekommen, dass sie hier noch wahrgenommen werden. Sonst kann politisch viel schiefgehen. Wir haben uns im DLF getroffen zum Thema vergessene Nachrichten. Einiges davon konnten Sie ja noch mal ausführen. Zum Schluss vielleicht die Frage: Wir haben jetzt sehr viel nach Deutschland in unser eigenes Land geblickt. Was sind denn vergessene Themen aus der internationalen Berichterstattung?

Werden heikle Militäroperationen in den Medien verschwiegen?

Wallraff: Eines unserer Themen der Nachrichten, die nicht vorkommen: Bundeswehreinsätze in Regionen, in Ländern, manchmal auch verdeckt tätige, wo wir nichts von erfahren, wo Menschen ihren Kopf hinhalten.

Bertolaso: Sie sagen uns, es gibt Bundeswehreinsätze vielleicht in kleinerem Stil, von denen die Öffentlichkeit nichts erfährt?

Wallraff: Ja, wo auch bestimmte Dienste, Geheimdienste, BND und so weiter, das mit betreiben, mit beaufsichtigen. Da sind wir noch ein Waisenkind im Verhältnis zu amerikanischen Einflussnahmen. Es sind Themen jedenfalls, die im Verborgenen liegen, wo wir so gut wie nichts wissen und wo es Recherchen bedarf. Und auch Ehemalige, die dort vielleicht zu Schaden gekommen sind, da kümmert sich ja dann auch keiner mehr drum.

"Wir brauchen eine Koalition der Demokraten"

Bertolaso: Ein anderes internationales Thema vielleicht noch?

Wallraff: Ja, die rechtspopulistischen Parteien, die sich im Moment zusammenfinden und grenzüberschreitend hier eine neue Bedrohung darstellen. Wenn eine Le Pen bereits Schulterschluss sucht mit Trump, wenn unsere AfD Morgenluft wittert aus Trumps Sieg, einem, der die Bedrohung für den Weltfrieden darstellt, der Europa zerstören möchte, wenn diese neuen Koalitionen und dann noch ein Autokrat, der sich selbst als Diktator aufspielt, Erdogan, der auch noch mit im Boot ist, und wo Putin inzwischen mit Trump eine Liaison und einen Geheimbund darstellt - alleine die Wahlhilfe, die bei ihm zustande kam, das würde man auf Unterebene Landesverrat nennen, indem seine Mitarbeiter, auch wirtschaftlich verbunden, russische Interessen bedienten, und dann noch die Wahlhilfe über Indiskretionen, die nachher sich als haltlos herausstellten, wo Clinton mit in Verruf gebracht wurde, und man ist am Ende erpressbar.

Das alles sind Themen, die sollte man früh genug recherchieren und keine diplomatischen falschen Rücksichtnahmen jetzt machen. Wir müssen mit denen ja auskommen, das sind ja unsere Bündnispartner. Da, finde ich, gibt es Persönlichkeiten, die jetzt früh genug denen auch die Stirn bieten. Ich habe heute noch im WDR einen, der mir sehr positiv auffiel, CDU-Abgeordneten gehört, Hardt hieß der, glaube ich, der hier für die transatlantischen Dinge zuständig ist, der offen differenziert das beim Namen nannte. Solche Menschen brauchen wir, egal welcher Partei sie angehören. Da müssen sich, das ist meine Position, unabhängig der eigenen Nähe zu bestimmten Parteien, die Menschen jetzt zusammenfinden, parteiübergreifend, jenseits der standeseigenen Berufs- und Standesposition. Da braucht es eine neue Koalition, die das auch öffentlich präsentiert, und nicht marginal der eine mal dort, der andere mal dort. Eine Koalition der Demokraten, weil es kommt was ins Rutschen. Es ist etwas, dass jetzt uns hier, wie nenne ich das, nicht Hören und Sehen vergehen wird, aber wir müssen uns auf Situationen einstellen, wo alles in Frage gestellt wird und wo wir eine …

Bertolaso: In Deutschland und in der Welt?

Wallraff: Weltweit. Zumindest in den Regionen, wo wir bisher noch glaubten, da ist Verlass, da gibt es noch eine Koalition der demokratischen Positionen. Das was die Aufklärung erkämpft hat, das soll uns alles weggenommen werden, das soll wegrutschen. Wir sind an einem Punkt, wo wir eigentlich die Dämme errichten müssen und an die Ursachen herangehen müssen und eine Aufklärung brauchen. Die Mehrheit hier der Bevölkerung hat ein humanes Selbstverständnis - noch!

Bertolaso: Danke, Herr Wallraff, für den Appell. Der ging ja auch an die Medien. Sie haben einige Zusammenhänge dargestellt, Trump, Clinton, Putin. Die Recherchen werden dann zeigen, ob das im Einzelnen alles so ist. Aber Sie wollten ja auch sagen, die Recherchen müssen gemacht werden. Zum Schluss kurze Frage, kurze Antwort: Was würden Sie einer Nachrichtenredaktion wie der des Deutschlandfunks empfehlen für die nächsten drei, vier Jahre? Worauf müssen wir achten?

"Wir müssen mehr für Medienkompetenz tun"

Wallraff: Ich bin kein Medienwissenschaftler. Ich würde sagen: Nachrichten, die auch Menschen angehen, die nicht dazu gehören, Menschen, die ausgegrenzt sind, alte, ganz junge, die keine Arbeitsstelle bekommen. In Berlin ist jeder zweite Jugendliche bereits Hartz-IV-Empfänger. Denen sozusagen Gehör verschaffen, denen als Lobby zur Verfügung zu stehen, nicht nach dem Munde reden, sondern deren Situation immer wieder veranschaulichen. Ich meine, die Sender gibt es. Ich höre sie, ich sehe sie, ob das nun Deutschlandfunk, Phönix ist, Arte ist, dritte Programme und so weiter. Wir haben eine weitgehend differenzierte Medienlandschaft.

Aber in den Schulen, da muss es anfangen. Wir brauchen ein Fach Medienkompetenz. Da müssen junge Lehrer rein, die computeraffin sind, und die müssen Jugendlichen erst mal zeigen, wie man das Internet wirklich nutzt und Wahnwelten, Fake News unterscheidet von seriösen Nachrichten, auch wieder Zeitung lesen lernen, und zwar vielleicht durch Geschenk-Abos. Vielleicht brauchen wir auch öffentlich-rechtliche Printmedien. Weil wenn das alles weg ist, dann haben wir demnächst auch Politiker a la Trump, die über solche Medien überhaupt gesellschaftsfähig gemacht werden. Ich sehe da höchsten Handlungsbedarf. Es muss sehr bald geschehen. Jetzt in den USA fangen die an. Ich meine, gut: Wir haben so was wie Fox News zum Glück hier nicht. Hier sind selbst die privaten Sender noch auf einem Level, trotz aller Verblödungsformate, wo man sagen kann, es ist noch eine demokratische Grundlage vorhanden.

Aber da sind nun Sender, die die Menschen in einer Weise auf das Primitivste, auf das Verrohendste eigentlich schon eingeschworen haben, und dann gehen die jetzt noch hin und kürzen alle Etats, wo es noch unabhängige Lokalsender gibt, wo es noch öffentlich-rechtliche kleine Rundfunksender gibt. Soweit sind wir hier nicht. Aber wir dürfen hier nicht so tun, als wäre das hier alles gesichert und wir hätten bis ans Ende unserer Tage diese aufklärerischen immer noch öffentlich-rechtlichen Sender. Aber die Zeitungen, das Zeitungssterben ist für mich ein Verlust in einer Demokratie. Es wird kaum noch gelesen von Jüngeren, die alle nur in ihrem eigenen Interessenbereich sind - wir nennen es Echokammer -, und dann auch oft die interessengeleiteten Sachen werden dann so weiterverbreitet, lawinenartig, dass man nachher nicht mehr erkennt Fake News und andere.

Und Facebook - Wenn sie falsche Nachrichten verbreiten, wo Menschen in Verruf gebracht werden, wo Menschen wie der junge Einwanderer, der Syrer, der plötzlich hier mit Sachen in Zusammenhang gebracht wird, …

Bertolaso: Das Bild mit Frau Merkel.

Wallraff: Ja, und die kriegen das nicht raus, selbst wenn sie den einzelnen Punkt abmahnen. Die müssten jeden Tag mehrfach abmahnen. Da ist so ein Internetforum, das muss verpflichtet werden, dass sie das selber lösen und nicht hier Kollegen, die hier auch überfordert sind, denen da noch kostenlose Zuarbeit zu geben, um das Schlimmste zu verhindern. Nein, so etwas muss unser Rechtsstaat schaffen, die in die Pflicht zu nehmen, so etwas selber verantwortlich zu löschen und von Anfang an nicht weiter zu verbreiten. Das muss heutzutage technisch möglich sein. Ein deutsches Gericht kann dem nicht nachkommen. Da sind die zu 90 Prozent mit ihrer Kapazität eingebunden. Da muss so ein Internet-Forum zu verpflichtet werden. Das muss der Rechtsstaat leisten.

Bertolaso: Danke für das Gespräch.

Wallraff: Danke.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Die Deutschlandfunk-Nachrichtenredaktion veröffentlicht einmal im Jahr gemeinsam mit der Initiative Nachrichtenaufklärung eine Liste der "Vergessenen Nachrichten". Am 9.2.2017 war es wieder soweit. Aus diesem Anlaß kam Günter Wallraff, INA-Mitglied der ersten Stunde ins DLF-Funkhaus. Am Rande der Veranstaltung entstand dieses Gespräch.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk