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StartseiteCampus & KarriereHäufige Fehler in Arbeitszeugnissen20.10.2004

Häufige Fehler in Arbeitszeugnissen

Interview mit dem Arbeitszeugnisexperten Klaus Schiller

<strong> Kate Maleike:</strong> Pro Jahr wechseln laut Statistischem Bundesamt etwa fünf Millionen Erwerbstätige hier in Deutschland ihre Arbeitsstelle. Sie alle wollen natürlich beim nächsten Arbeitgeber mit einem möglichst guten Arbeitszeugnis zeigen, was sie vorher alles schon so gemacht haben. Es gibt zwar einen rechtlichen Anspruch auf dieses Arbeitszeugnis, aber es gibt auch viele Formulierungen, regelrechte Codes, auf die man achten muss, damit die erbrachte Leitung auch wirklich angemessen im Zeugnis beschrieben wird. Klaus Schiller ist Geschäftsführer der Firma Personalmanagementservice und damit auch zuständig für die Betreuung der Internetseite arbeitszeugnis.de. Zusammen mit seinem Team begutachtet er jährlich so cirka 10.000 Arbeitszeugnisse. Herr Schiller, Sie haben jetzt in einer Studie die zehn häufigsten Mängel ermittelt. Was wird denn am meisten falsch gemacht bei den Arbeitszeugnissen?

Moderation: Kate Maleike

Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist das Zeugnis ein wichtiges Hilfsmittel zu einem neuen Job. (AP)
Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ist das Zeugnis ein wichtiges Hilfsmittel zu einem neuen Job. (AP)
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Klaus Schiller: Der häufigste Mangel, den wir festgestellt haben, ist, dass wichtige Angaben im Zeugnis fehlen. Das ist deshalb etwas kritisch, weil man im Zeugnis ja alles, was für die Stelle relevant ist, auch bescheinigt bekommen sollte, und wenn bestimmte Formulierungen fehlen, wenn zum Beispiel komplett dynamische Attribute im Zeugnis fehlen wie motiviert, engagiert, dann kann das bedeuten, dass der Arbeitgeber die absichtlich nicht in das Zeugnis übernommen hat, weil diese Leistungen nicht erbracht wurden. Das wäre sehr unvorteilhaft. Also zum Beispiel: Angaben zur Bereitschaft fehlen, bestimmte Kenntnisse fehlen, die für die Stelle ganz wichtig sind. Diese Unvollständigkeiten sind der häufigste Mangel.

Maleike: Was noch?

Schiller: Weitere Mängel wären zum Beispiel, dass sehr häufig Rechtschreibfehler vorkommen, und es sind immer die gleichen Rechtschreibfehler. Zum Beispiel, dass Personalpronomen groß geschrieben werden. Ein Beispiel wäre: "Alle Aufgaben erledigte Sie" und dann ist das "Sie" groß geschrieben. Das darf nicht sein, das ist ja keine Anrede. Ein weiterer Mangel wäre, dass Zeugnisse sehr pauschal geschrieben sind, dass sich jemand also ein Buch zur Hilfe genommen hat und einfach pauschale Bausteine aneinandergereiht hat. Da fehlt dann jede persönliche Wertung, das ist wenig aussagekräftig. Weitere Mängel wären zum Beispiel, dass das Zeugnis widersprüchlich ist, dass man also schon merkt, da haben sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammengesetzt und über das Zeugnis verhandelt. Aber es wurden nur die auffälligsten Mängel beseitigt, zum Beispiel wurde die Leistungszusammenfassung, der berühmte Satz mit der Zufriedenheit heraufgesetzt. Da wird also jemandem die vollste Zufriedenheit bescheinigt, aber es gibt kein Dank, kein Bedauern im Zeugnis, die Zukunftswünsche sind sehr knapp. Das heißt, da wurde bei der Nachverhandlung nicht auf alles, was wichtig ist, Wert gelegt, und dann ist das Zeugnis unglaubwürdig.

Maleike: Woran liegt es denn, dass es diese Mängel gibt? Liegt es daran, dass der Arbeitnehmer immer häufiger selbst diese Formulierungen vornehmen muss, weil der Chef gar nicht dazukommt?

Schiller: Das ist ein häufiger Grund, warum es zu mangelhaften Zeugnissen kommt. Entweder kennt sich der Arbeitgeber selbst nicht gut aus. Das ist recht häufig, weil man gerade in kleinen Betrieben nicht die Zeit hat, sich so intensiv damit zu beschäftigen, wie das sinnvoll wäre. Oder jemand schreibt sich das Zeugnis selbst, und der Arbeitgeber unterschreibt es einfach, ohne sich noch mal genau mit dem auseinanderzusetzen, was der Arbeitnehmer da geschrieben hat. Der Arbeitnehmer kennt sich vielleicht selbst auch nicht aus. Oder die dritte Möglichkeit ist: Der Arbeitgeber hat diese Auffälligkeiten absichtlich in das Zeugnis übernommen, weil er sagen möchte, dieser Arbeitnehmer hat wirklich nicht sehr engagiert gearbeitet, und deswegen bescheinige ich ihm auch kein Engagement. Dann ist dieses beredte Schweigen da, wichtige Angaben fehlen und schon hat man eine negative Wertung im Zeugnis.

Maleike: Aber wenn man jetzt auf diese Formulierungen so viel Wert legt und quasi die Codes wie Vokabeln beherrschen muss, welche Wertigkeit hat denn eigentlich das Arbeitszeugnis noch? Wie wichtig ist es heutzutage?

Schiller: Jeder Personalentscheider wird einen Blick in das Zeugnis werfen und wird schauen, finde ich hier irgendwas, was mir aussagt, dass der Arbeitnehmer ganz bestimmte Fehler gemacht hat, dass er vielleicht charakterlich schwierig ist. Wenn man sich einen Arbeitnehmer ins Haus holt und im Zeugnis man schon hätte sehen können, dass es vielleicht Probleme geben wird, und es gibt sie dann tatsächlich, dann ist man natürlich als Personalentscheider dafür verantwortlich. Deshalb wird man in einem Zeugnis immer darauf schauen: Finde ich hier irgendetwas, was mir sagt: Vorsicht vor diesem Mitarbeiter?

Maleike: Wir haben schon darüber gesprochen, dass es sehr viele Mängel gibt, die Sie auch aufgezeigt haben. Haben Sie sonst vielleicht noch Trends gefunden? Kann man sagen, dass Arbeitszeugnisse zum Beispiel immer kürzer werden oder gibt es Formulierungen, die besonders im Trend liegen?

Schiller: In den letzten Jahren haben sich vor allem zwei Dinge geändert. Zum einen, dass Software immer beliebter wird, auch in den Unternehmen. Das heißt, die Zeugnisse gleichen sich immer mehr. Es sind eigentlich nur zwei große Softwarepakete auf dem Markt, die von den großen Unternehmen verwendet werden. Die Zeugnisse ähneln sich immer mehr, das heißt aber auch, dass man besser weiß, was einem der Aussteller eigentlich sagen möchte, weil man die Formulierungen kennt. Das Weitere ist, dass die Zeugnisse selber immer besser werden. Das hat auch den Grund: Wenn Arbeitnehmer sich selber damit beschäftigen, können sie jetzt natürlich ins Internet schauen. Das gab es vorher nicht. Man kann sich informieren, kann genau sehen, was gut ist, was nicht gut ist. Man kann sich Tipps holen. Je schwieriger die wirtschaftliche Situation ist, umso besser werden die Zeugnisse, weil der Arbeitgeber nun wirklich sagen muss: Okay, ich muss Sie leider entlassen, dann gebe ich Ihnen wenigstens ein gutes Zeugnis mit. Also kann man sagen: Die Zeugnisse werden immer besser. Das heißt auch, dass man als Arbeitnehmer schauen muss, dass man da nicht ins Hintertreffen gerät, dass man selber auch ein sehr gutes Zeugnis hat.

Maleike: Trotzdem wird ja auch oft gestritten über ein Zeugnis. Ihrer Erfahrung nach: Wie häufig landet so eine Sache vor Gericht?

Schiller: Die Streitmöglichkeiten sind auch unbegrenzt. Es ist aber sehr häufig so, dass man sich dann in einem Vergleich einigt. Das passiert dann sehr schnell. Dass es bis zu einem Urteil kommt, ist sehr selten. Worüber gestritten wird, ist alles, was das Zeugnis betreffen kann. Das geht bei einem einzelnen Komma los, natürlich über einzelne Buchstaben, die ganz entscheidend sein können. Ob ich jemanden die volle oder vollste Zufriedenheit bescheinige, sind nur zwei Buchstaben, aber auch darüber wird gestritten. Da sind die Gründe, warum man vors Arbeitsgericht geht, unbegrenzt.

Maleike: Aber so weit muss es ja nicht immer kommen. Infos rund ums Arbeitszeugnis und seine tückischen Formulierungen, die gibt es im Netz unter arbeitszeugnis.de. Da gibt es auch die zehn häufigsten Mängel, über die wir gerade gesprochen haben, noch einmal nachzulesen.

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