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StartseiteForschung aktuellHilfe aus der Luft22.05.2013

Hilfe aus der Luft

Bienen sollen Erdbeeren vor Krankheiten schützen

Viele Insekten übertragen Krankheiten auf Mensch, Tier oder Pflanze. Doch Insekten können auch Organismen übertragen, die Krankheiten verhindern. Wissenschaftler aus Finnland haben ein System entwickelt, bei dem Bienen Erdbeeren vor Grauschimmel schützen.

Von Joachim Budde

Bienen könnten als eine Art fliegender Doktor Erdbeeren vor Schimmelbefall schützen. (AP)
Bienen könnten als eine Art fliegender Doktor Erdbeeren vor Schimmelbefall schützen. (AP)

Wenn die ersten Erdbeeren endlich auf den Markt gelangen, geht für die Obstbauern eine bange Zeit zu Ende: Denn Erdbeeren sind anfällig für Grauschimmel. Befallene Früchte verrotten. Im konventionellen Anbau spritzen die Bauern deshalb Pflanzenschutzmittel, im Bioanbau ist das jedoch ausgeschlossen. Eine der wenigen Möglichkeiten, die Biobauern haben: Sie pflanzen die Erdbeerpflanzen weit auseinander, um ein Mikroklima zu schaffen, das ungünstig ist für den Pilz. In Finnland bewährt sich seit ein paar Jahren ein ganz anderes System: Dort bringen Honigbienen und Hummeln einen nützlichen Pilz auf die Blüten, sagt Professor Heikki Hokkanen von der Universität Helsinki:

"Wir setzen ein Kästchen vor das Ausflugloch. Auf ihrem Weg nach draußen müssen es die Sammelbienen passieren. Sie nehmen dabei mit ihrem Pelz Sporen des gutartigen Pilzes auf. Wenn die Insekten ihrer Arbeit auf den Blüten nachgehen, verteilen sie die Sporen - wie sie das auch mit Pollen tun."

Der gutartige Pilz besetzt die Erdbeerpflanzen, ohne sie zu schädigen, und verhindert so, dass Grauschimmel sie befällt. Biobauern, die Hokkanens System einsetzten, konnten doppelt so viele Erdbeeren ernten wie Kollegen von unbehandelten Feldern, außerdem sank der Anteil schimmliger Früchte. Auch herkömmlich wirtschaftende Bauern können vom Einsatz der fliegenden Helfer profitieren, sagt Heikki Hokkanen - sie sparen Geld.

"Fungizide zu sprühen, ist schrecklich teuer. Vier bis fünf Mal müssen Erdbeerfelder mit Fungiziden behandelt werden, das kostet über 1000 Euro pro Hektar. Unser System hingegen schlägt nur mit 200 bis 300 Euro je Hektar zu Buche."

Wissenschaftler am Bieneninstitut in Celle wollen diese Methode jetzt auch in Deutschland bekannt machen. Und verbessern, sagt Dr. Otto Boecking, der dort forscht:

"Es ist eigentlich noch nie so richtig systematisch mal geschaut worden, was machen die Bienen wirklich, wie viel Material wird benötigt, um zum Beispiel tatsächlich effizient dieses Krankheitsproblem in den Erdbeeren zu bekämpfen. Lauter solche Detailfragen, die versuchen wir jetzt zu beantworten, um letztlich damit eine Optimierung des Systems zu entwickeln. Denn es reicht nicht, einfach nur zu sagen: Das funktioniert. Sondern dafür sind wir Wissenschaftler ja auch da, etwas zu hinterfragen und dann auch etwas zu optimieren."

Einen Angriffspunkt dafür: Bienen finden Erdbeerblüten grundsätzlich nicht besonders attraktiv und fliegen schon nach kurzer Zeit lieber andere Pflanzen in der Umgebung der Felder an. Die Forscher aus Celle setzen auf kleine Bienenvölker. Boecking:

"Eigentlich wäre das unser Traum, die Bienen genau lenken zu können. Das ist also schon bei sozialen Insekten gezeigt worden, dass tatsächlich kleinere Völker - menschlich ausgedrückt - ein kleineres Risiko eingehen, indem sie halt in der näheren Umgebung sammeln, und wenn ich dann die Bienen in kleinen Völkern an den Acker stellen, dann ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie dort in der direkten Umgebung sammeln. Und unsere Aufgabe ist jetzt, diese Hypothese zu überprüfen, auf dem Weg sind wir."

Dann können Landwirte noch besser von der Biologie der Biene profitieren als schon jetzt, sagt Otto Boecking.

"Für den Landwirt ist es ja schwer, einen Zeitpunkt zu wählen, sodass er im Prinzip Blüten erwischt dann in der empfänglichen Phase, und das machen die Bienen, weil sie halt im richtigen Moment die Blüten bestäuben, und das ist auch ausgerechnet die Phase, wo dieser Grauschimmel anfangen würde zu wachsen, und dann im richtigen Moment kommt der Gegenspieler ins Spiel."

Und die Bienen sind viel flexibler als der Mensch, sagt der finnische Bienenexperte Heikki Hokkanen:

"Bei Regenwetter schaffen es Landwirte zwischen Schauern kaum, den Traktor aus der Scheune zu holen, wenn sie Fungizide spritzen wollen. Die Bienen aber fliegen aus, sobald der Regen aufhört. Schon nach ein, zwei Stunden haben sie neue Blüten geschützt."

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