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StartseiteFirmenporträtHingucker aus Luft und Stoff20.09.2013

Hingucker aus Luft und Stoff

Serie "Alles nur Show und schöner Schein?", Teil 1

Gemeinsam mit seinen Brüdern gründete Mohamed Fezazi im Jahr 2008 seine Firma lOb-Design. Sie produzieren Objekte aus Stoff und Luft, beispielsweise für Messestände oder Konzertbühnen. In einem Hinterhof in Wuppertal befindet sich ihr Atelier.

Von Simon Schomäcker

Designobjekt von lOb Design als Bühnenbild auf der National Speaker's Association Convention in Philadelphia (lOb design/Mohamed Fezazi)
Designobjekt von lOb Design als Bühnenbild auf der National Speaker's Association Convention in Philadelphia (lOb design/Mohamed Fezazi)
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lOb-Design

Mohamed Fezazi steht im Atelier und demonstriert, was sich aus Luft so alles zaubern lässt. Unter dem Rauschen eines Gebläses entfaltet sich eine drei Meter hohe runde Säule mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Sie besteht aus weißer Ballonseide. Auf solche aufblasbaren Objekte und vor allem aufblasbare Räume ist das Wuppertaler Unternehmen lOb-Design spezialisiert. Die Geschäftsidee hatte Mohamed Fezazi, dessen Familie aus Marokko stammt, im Jahr 2006 während seines Architekturstudiums. In dieser Zeit nahm der 37-Jährige an einem Wettbewerb teil, bei dem er auf die textile Architektur aufmerksam wurde:

"Weil es darum ging, ein mobiles Gebäude zu entwerfen, was man in kurzer Zeit mit einfachen Mitteln auf- und abbauen kann. Und da bin ich mit Kommilitonen zusammen auf die Idee gekommen, das als aufblasbares Gebäude zu machen. Und wir hatten das Glück, diesen Wettbewerb auch zu gewinnen. Wir durften dieses Objekt nachher tatsächlich bauen. Und da habe ich gemerkt, dass das eine Idee ist, aus der man tatsächlich auch eine Geschäftsidee machen kann."

Gemeinsam mit seinen Brüdern Hicham, ebenfalls Architekt, und Abdi, der Betriebswirtschaft studierte, gründete Mohamed Fezazi im Jahr 2008 seine Firma lOb-Design. In einem Hinterhof mitten in Wuppertal befindet sich ihr Atelier. Dort beginnt der Weg ihrer Objekte vom Computer zur Nähmaschine:

"Wir können auf der Basis von 3D-Modellen das Design festlegen und gleichzeitig das Schnittmuster entwickeln, weil auf dieser Basis dann am Computer zweidimensionale Schnittmuster entstehen, die hinterher auch mit Schneideplottern zugeschnitten werden und dann auch an der Nähmaschine zusammengenäht werden."

Für die Umsetzung seiner Projekte arbeitet lOb-Design eng mit einem Wuppertaler Ballonbauer zusammen. Bei Form, Gestalt und Größe ist man ziemlich variabel, meint Firmenchef Fezazi:

"Das Eine sind Räume, die man begehen kann. Also im Grunde aufblasbare Zelte, die transportabel sind. Der Trick ist dabei, dass man mit einem Paket, das vielleicht so groß ist wie zwei Koffer, einen Raum erzeugen kann, der vielleicht 50 oder 60 Quadratmeter groß ist."

Beliebt sind Iglu- oder quaderförmige Pavillons mit breiten Längs- oder Quernähten zur gleichmäßigen Luftverteilung in der Wand. Andere Räume wiederum sind kokonartig angelegt. Sie wirken durch ihre unregelmäßigen Wölbungen, Rundungen und seitlichen Öffnungen futuristisch. Vor allem bei Automobilindustrie und Energieversorgern sind die mobilen Räume beliebt. Die Unternehmen haben die Kunstwerke aus Stoff und Luft bereits als Hingucker für ihre Produktpräsentationen entdeckt. Hingucker möchte lOb-Design auch mit nicht begehbaren Objekten anbieten:

"Da hat man natürlich den Vorteil, dass Objekte, die mit Luft gebaut sind, ganz andere physikalische Eigenschaften haben und man ganz andere Dinge damit anstellen kann, als mit Stein oder Holz."

So wurde zum Beispiel für ein Museum in Gelsenkirchen ein spezielles Ausstellungsmodul entwickelt. Es ist etwa zwei Meter hoch und hat einen aufblasbaren Teil, der durch seine Längsnähte wie eine aufrecht stehende Matratze aussieht und einen festen Teil. Der ist aus Holz und Metall und kann als Aushangfläche genutzt werden. Die dritte Kategorie von lOb-Design sind große Dekorationselemente:

"Immer da, wo man Objekte braucht, die ein großes Volumen haben, große Flächen."

Dazu zählen etwa 60 Meter breite, flügelartige Konstruktionen, die schwebend ganze Konzertbühnen überspannen. Eine andere Möglichkeit sind nieren- oder kastenförmige Deckenelemente für Messestände. Sie können eine Grundfläche von mehreren Hundert Quadratmetern haben,

"... aber gleichzeitig ein ganz niedriges Gewicht, weil die Sachen vielleicht von der Decke hängen müssen, weil sie beweglich sein sollen."

Letzteres ist eine Besonderheit bei den Produkten von lOb-Design. Stolz berichtet Mohamed Fezazi von seinem beweglichen Pavillon in der Form eines menschlichen Herzens:

"Das war tatsächlich auch für einen Herzkongress gedacht. Da kam dann der Veranstalter auf uns zu und fragte: Habt ihr nicht eine Idee für so einen Präsentationspavillon, wie man den gestalten kann? Wir haben das dann vorgeschlagen als Konstruktion, die tatsächlich aus zwei Luftkammern besteht. Im Grunde analog zu den Herzkammern, die dann unterschiedlich mit Luftdruck angesteuert werden, sodass das Objekt dann selber pulsiert."

Nicht nur die reine Architektur seiner textilen Bauwerke ist Mohamed Fezazi wichtig. Da er außer Architektur auch Mediendesign studiert hat, sollen die Objekte auch atmosphärisch in Szene gesetzt werden:

"Das geht über die Gestaltung der Oberfläche, die Möblierung, aber auch die mediale Bespielung und die medialen Inhalte. Also alles, was an Videoprojektionen, Licht oder Ähnlichem im Raum passiert, machen wir auch gerne mit, weil das dann am Ende auch ein ganzheitliches Konzept ergibt."

Insgesamt dauert es sechs bis acht Wochen, bis Mohamed Fezazi und sein Team ein Objekt und die eventuelle mediale Inszenierung fertiggestellt haben. Der Endpreis eines Projektes variiert je nach Größe und Aufwand zwischen 1200 und 100.000 Euro. Bis zu 500.000 Euro Jahresumsatz erzielt lOb-Design mit seinen Kunstwerken aus Stoff und Luft. Nicht ohne Grund:

"Weil man ganz andere Möglichkeiten in der Gestaltung hat und vor allem, weil man es halt mit einfachen Mitteln auf- und abbauen kann."

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