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Hochwasser 2013: Zwei Messboote für die ganze Elbe

Hydrologen fühlen sich nicht ausreichend unterstützt

Von Volker Mrasek

Wohnhäuser in der Nähe von Wittenberge  vom Hochwasser der Elbe eingeschlossen.
Wohnhäuser in der Nähe von Wittenberge vom Hochwasser der Elbe eingeschlossen. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Während Elbanrainer mit Bangen auf die Pegelstände blicken, interessieren sich Gewässerforscher für eine andere Größe. Für sie ist der sogenannte Abfluss entscheidend zur Hochwasservorhersage. Doch nur zwei Boote sind derzeit auf der Elbe für Abflussmessungen im Einsatz.

Auf der Elbe ist der Schiffsverkehr zwar eingestellt. Doch für Rudolf Bertram ist das genau der richtige Zeitpunkt, um die Anker zu lichten. Bertram steuert eines von zwei Messbooten der BfG, der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz. Am Wochenende wurden sie an die Elbe verlegt; seither sind die Boote im Einsatz auf dem gewaltig angeschwollenen Fluss.

Was an Bertrams Boot sofort auffällt: Es hat nicht nur einen, sondern zwei Außenbordmotoren:

"Wenn das Wasser steigt, dann kommt natürlich auch viel Treibsel und Stämme und so. Und da kann es einem passieren, dass der Motor abgerissen wird und die Schraube beschädigt wird. Da muss also der zweite Motor runter, dass man sich retten kann, irgendwie an Land."

Bisher gab es aber noch keine Zwischenfälle. Und so hockt auch Matthias Adler im Moment ganz entspannt in der Kajüte. Der Ingenieur und Hydrologe deutet in Richtung Bootsheck:

"Das Messgerät ist untergebracht in einem Messschacht. Ein Ultraschall-Dopplergerät. Das tastet also die Strömung akustisch ab. Wir arbeiten mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung zusammen und benutzen moderne Gerätetechnik, um Durchflussmessungen zu machen, das heißt, wir wollen wissen, wie viel Kubikmeter pro Sekunde an den Pegeln in den Flüssen fließen."

Der Pegelstand eines Flusses sagt zwar, wie hoch das Wasser an der Ablesestelle reicht. Er verrät aber nichts über die Abflussmenge. Der Physiker Ulrich Barjenbruch, für die Messungen zuständiger Referatsleiter bei der BfG:

"Das ist unsere Hauptgröße, die wichtig ist für die Wasserstandsvorhersage und auch für wasserwirtschaftliche Maßnahmen. Jetzt natürlich, bei sehr extremen Abflüssen so, wie sie an der Elbe jetzt sind, da haben wir Situationen, die haben wir ja noch nie gemessen. Und daher ist es jetzt unsere Aufgabe, das wir diese extremen Situationen vermessen."

Genau das geschieht im Moment. Doch gerade mal zwei Messboote für die ganze Elbe - dem Koblenzer Hydrologen Jörg-Uwe Belz genügt das nicht:

"[Das] ist ein bisschen wenig. Das müsste ein bisschen mehr sein."

Zumal die Elbe ein sehr langer Strom ist mit vielen, größeren Nebenflüssen, die ebenfalls seit Tagen Hochwasser führen.

"Es ist wichtig, dass kontinuierlich Kärrnerarbeit geleistet wird, Daten erhoben werden, gute Daten erhoben werden. Das ist gerade momentan in der Hydrologie aus Kostengründen immer problematischer. Bei solchen Hochwassern ist es wichtig, dass Messungen dann konkret im Ernstfall durchgeführt werden."

Laut Belz behilft man sich bisher damit, die Abflussmengen zu extrapolieren, die bei normalen Wasserständen gemessen werden:

"Aber das sind natürlich relativ ungenaue Angelegenheiten."

Verlässliche Daten könnten nur direkte Messungen am Fluss und an möglichst vielen Pegeln liefern. Ohne sie sei ein vernünftiges Hochwassermanagement eigentlich nicht möglich:

"Wenn ich nicht genau weiß, welches Wasservolumen mit einem Wasserstand verbunden ist, kann ich jede Menge Fragen nicht beantworten, die halt eben volumenbezogen sind. Ich weiß nicht, was die Talsperre X gegebenenfalls an Volumen aufnehmen müsste, um eine Hochwasserwelle zu brechen. Und ich weiß nicht, wie ich einen Polder steuern kann, um wirklich effektiv Wasser zu entnehmen, um tiefer liegende Regionen zu schützen."

Die beiden Messtrupps der BfG sammeln unterdessen weiter Daten an der Elbe, derzeit in Geesthacht kurz vor Hamburg. Das Hochwasser hat diesmal einen besonders langen Atem. Die Böden, nach langem Regen vollgesogen, geben jetzt nach und nach ihr Wasser ab. Außerdem hat es an einigen Zuflüssen wie der Mulde und der Saale neue Starkniederschläge gegeben, manche Flusspegel sind sogar wieder gestiegen.

Das Drama an der Elbe ist noch nicht vorbei.

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