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StartseiteComputer und KommunikationHollywoodkonkurrenz in Echtzeit09.08.2008

Hollywoodkonkurrenz in Echtzeit

Computergraphik-Fans trafen sich in Köln

Graphik. - In Köln traf sich die Demo-Szene zur Evoke 2008. Wer immer die graphischen Möglichkeiten seines Computers bis an die Grenzen ausreizen wollte, war in der Vulkanhalle richtig. Maximilian Schönherr berichtet im Gespräch mit Manfred Kloiber über die Veranstaltung.

Mit den großen Hollywood-Trickstudios können es die Graphik-Fans der Evoke durchaus aufnehmen. (AP)
Mit den großen Hollywood-Trickstudios können es die Graphik-Fans der Evoke durchaus aufnehmen. (AP)

Kloiber: Herr Schönherr, wie muss ich mir denn diesen Computergraphik-Wettkampf vorstellen? Wie sieht es aus in der Vulkanhalle?

Schönherr: Also die Stimmung hier ist genauso, wie es sich gerade an hört. Wir haben jetzt noch einmal eine Tiny-Tracking-Musik einspielen lassen. Das ist eine Polka, und sie klingt nach C-64, nach dem Commodore-64 aus den 1980er Jahren, hervorragend programmiert. Und der Wettbewerb beschränkt sich hier auf vier Spuren, die parallel laufen dürfen, nicht mehr. Wir haben es noch einmal eingespielt. Es sind hier ungefähr 150 Leute in der alten Halle, aus dem 19. Jahrhundert gebaut, technisch auf dem modernsten Stand, mit WLAN und so weiter. Und das Schöne ist, dass wir hier alle Rechnermischungen haben. Wir haben Teilnehmer, die versuchen aus dem C-64 noch das letzte raus zu holen an Bits, aber auch Intel-Dual-Core-Prozessoren hier, die die Leute dann sehr eingeschränkt nutzen. Also, die versuchen dann auf minimalstem Platz einiges unterzubringen. Die Demo-Szene macht ja typischerweise sehr schrille Filme, die sehr abstrakt sind, da sprechen wir nachher noch einmal drüber. Es gibt hier die diversen Wettbewerbe, zum Beispiel wie mache ich eine ansprechende Kombination mit Musik in 4K, also etwas mehr als 4000 Bytes.

Kloiber: Das heißt, es geht wirklich darum, ja, aus minimalen Möglichkeiten das Beste zu machen. Sie haben gesagt, es geht vor allen Dingen um Filme, also um die Kombination von Ton und Bild. Wer gibt sich denn in diesen Herausforderungen preis, wer ist das Publikum der "Evoke 2008"?

Schönherr: Also das Publikum, würde ich sagen, ist ungefähr im Schnitt 25, und jeder hat seinen Laptop-Computer, oder eben seinen alten Rechner mitgebracht und den Eintritt bezahlt, um hier mit programmieren zu dürfen. Spiele sind tabu, viele Leute mit langen Haare, viele kommen aus der Cracker-Szene, zumindest mental aus den 80er Jahren. Und hier spreche ich zum Beispiel mit Jens. Alle haben tolle T-Shirts an, Jens, was zeigt Dein T-Shirt?

"Das ist ein T-Shirt von einer der letzten Veranstaltungen, es ist schon fast üblich, dass jede Veranstaltung ihr eigenes T-Shirt hat, und ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, welches ich anhabe, ich glaube, es ist von einer der letzten Evokes."

Du bist ja einer der wenigen Hardware-Bastler. Die meisten Leute hier programmieren ja harten Code, die heißen auch die Coder, was machst du als Hardware-Mensch hier?

"Ich entwickle Hardware, das tue ich tatsächlich kommerziell, also nicht nur im Sinne von basteln, sondern im Sinne von entwickeln. Und ich bin hier, um Leute zu treffen, die besondere Dinge mit dem Computer tun. Die mit den Limitierungen eines Computers in einer Art und Weise leben können, dass sie ihn nicht in die Ecke stellen, weil er viele Dinge nicht kann, sondern dass sie diesen Computer aufgrund seiner Limitierungen als Herausforderung sehen."

Das heißt, die Limitierung ist sozusagen der sportliche Hintergrund?

"Richtig, der Geist dieser Veranstaltung ist tatsächlich, dass man sich misst, dass man zeigt, was man kann auf der Maschine, und dass man Dinge auf den Bildschirm zaubern kann, bei denen sich andere Experten denken, hey, da hat einer vergessen den Programmierer zu sagen, dass das nicht geht."

Also zum Beispiel, Manfred Kloiber, aus einfach einer ASCII-Zeile einen Sound rauskommen zu lassen. Man schreibt einen Text und sagt, da soll jetzt klingen. Man weiß natürlich überhaupt nicht, was dabei rauskommt, das ist also, das reine Chaos spielt eine ganz wichtige Rolle.

Kloiber: Ich versuche gerade, mir trotzdem vorzustellen, wie kann man denn da diese, ich sage mal, minimalistischen Wettkämpfe überhaupt vergleichbar machen. Was wird denn miteinander verglichen? Sind es Bilder, sind es Töne?

Schönherr: Dafür gibt es zu viele Untersektionen. Also dieser Wettbewerb, wo wir gerade die Musik gehört haben, tiny-tracking-music, ist eben die Beschränkung auf vier Spuren. Da bewerben sich dann, ich glaube, 14 verschiedene Teams, das sind ja meistens nicht Einzeltäter, die hier zusammen coden, und es gibt dann einen Wettbewerb mit acht Spuren, es gibt den Wettbewerb mit 4K-Sachen, das sind Exe-Dateien, die direkt ausführbar sind und dann auf minimalstem Platz tolle Filme zu Stande bringen müssen. Und wir sprechen nachher noch mit Preisträgern, die eher etwas High-endiges hier hergestellt haben und gestern Abend ein Preis bekommen haben.

Kloiber: Auf diesem Festival, Herr Schönherr, der Grafik und der Computerakustik, wurden auch Preise ausgelobt. Für was wurden sie denn vergeben?

Schönherr: Also gestern Abend wurde ein Preis für eine sehr anspruchsvolle Wettbewerbskategorie vergeben. Wie würde man das beschreiben, lass das doch mal hier ablaufen, ich spreche mit Pixtur und Pixtur ist einer der Beteiligten von dieser Gruppe Still aus Berlin. Wir sehen hier Linien in einem Labyrinth, das sieht so aus, als würden wir zur Oberfläche kommen, aber mit fluoreszierenden Linien, die Musik ist genau darauf abgestimmt, manchmal zittert zum Beispiel die Schlangenlinien, die sich in Lila jetzt hier nach oben schlängelt, und genau dann, wenn die Musik so kurze Zitterer, so Unterbrechungen auch hat. Das ist alles geplant?

"Ja. Das ist eigentlich der Hauptbestandteil für mich, für meine Arbeit. Also ich bin der Grafiker und vielleicht auch derjenige, der so ein bisschen über den Schnitt und das Design entscheidet. Und meine Aufgabe besteht darin, die Grafik optimal auf die Musik abzustimmen."

Scenic, du gehörst auch zu dem Team, du hast den Code geschrieben. Was ist denn das Besondere daran, denn das könnte ja auch Hollywood produziert haben?

"Genau. Aber der Unterschied von Hollywood zu dem, was wir machen, ist eben der, wir machen Echtzeit, eine Echtzeitapplikation. Also, unsere Animation wird eben in dem Augenblick berechnet, in dem sie gezeigt wird. Genau, und das ist eben diese Wettbewerbs Kategorie…"

Das heißt, man braucht nicht einer Render-Farm aus so und so viel Tausend PCs, die dann über Nacht das ganzen rendern, sondern das geht alles in Echtzeit. Wir nutzen da die Graphikkarte aus, und stellen diesen extrem räumlichen Film her?

"Genau. Das ist ein handelsüblicher PC, worauf das eigentlich läuft, mit einer Graphikkarte, die jetzt eigentlich ein bisschen besser sein sollte, aber ansonsten kann sich das ist jeder zuhause eigentlich angucken, der einen einigermaßen fortschrittlichen PC zuhause hat."

Was war das Besondere jetzt an diesen Wettbewerb? Ich spreche mit Pirx.

"Das Besondere an diesem Wettbewerb war, als dass die Konkurrenz relativ stark war, und europäisch, europäisch weit verbreitet die Teams antraten. Also da waren welche aus Schweden, aus Frankreich zum Beispiel.…"

Das kann man nicht alleine machen, offenbar. Da muss man immer im Team sein?

"Es gibt auch Leute, die so etwas fast alleine machen können, aber normalerweise ist der Arbeitsaufwand schon so enorm, dass es sich jedenfalls anbietet, mit mehreren Leuten zusammenzuarbeiten, damit man auch schneller zum Ziel kommt."

Ist das Abstrakte wichtig? Oder könnte man auch sich eine richtige Liebesgeschichte... Das ist ja eine Liebesgeschichte eigentlich zwischen zwei solchen Schlangen...

"Könnte man sagen, ja. Also, für uns ist das, wenn man realistischer wird, da kommt man ganz schnell in das Problem, dass es lächerlich aussieht. Weil, natürlich können wir mit Hollywood nicht mithalten, und die Sehgewohnheiten der Leute, die sich das angucken, sind schon soweit trainiert, dass sie alles, was nicht nach Shrek oder einem großen Hollywood Studio aussieht, das wird dann irgendwie als banal oder schlecht empfunden. Und deshalb bleiben wir mehr oder weniger in der abstrakten Welt."

Aber ihr seid auch nicht trashig, also der klassische Demo/Film ist ja eigentlich ASCII-Code, nur Buchstaben, die irgendwie über den Bildschirm laufen. Dafür seid ihr eigentlich schon fast schon zu schön.

"Ich fasse das Mal als Kompliment auf. Also, eigentlich probieren wir mal so mal so. Das war jetzt, hat sich angeboten, weil wir noch diese Musik hatten, dieses Thema, diese Idee schon ziemlich lange im Raum stand. Aber manchmal machen wir auch sehr, sehr trashige Sachen. Also, man kann jetzt nicht verallgemeinern, dass wir die Meister der schönen Bilder sind oder so."

Und wie viel Arbeitszeit hat das Ganze gekostet, für dich als Coder zum Beispiel?

"In diesem Fall also, wir haben, insgesamt arbeiten wir kontinuierlich an unserem eigenen Tool, in dem wir die Sachen besser nachher entwickeln können. Aber für dieses Demo, dass ja gestern gewonnen haben, haben wir sechs Wochen eingestellt, aber jetzt nicht... neben der Arbeit, in unserer Freizeit, Pi mal Daumen so sechs Wochen."

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