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StartseiteCampus & KarriereIm Nebenjob Versuchskaninchen03.01.2013

Im Nebenjob Versuchskaninchen

Für Studenten, die sich für Medikamententests zur Verfügung stellen, bleibt ein Restrisiko

Die meisten Studenten arbeiten neben dem Studium. Sie kellnern, verkaufen Klamotten oder jobben im Call Center. Manche stellen sich aber auch als Probanden für Medikamenten- und Medizintests zur Verfügung. Trotz umfangreicher Voruntersuchungen ist ein solcher Nebenjob mit einem Restrisiko verbunden.

Von Sabrina Loi

Bei der Erstanwendung von Medikamenten werden die Probanden unter intensivmedizinischen Bedingungen überwacht. (picture alliance / dpa)
Bei der Erstanwendung von Medikamenten werden die Probanden unter intensivmedizinischen Bedingungen überwacht. (picture alliance / dpa)
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"Die Magenspiegelung ist ein bisschen unangenehm, aber man bekommt nicht viel davon mit, man hat halt die Magensonden liegen, die sind natürlich auch unangenehm, weil man hat einen Störfaktor hinten im Hals, der nicht immer ganz angenehm ist beim Schlucken, aber in der Regel gewöhnt man sich nach den ersten paar Stunden irgendwann daran."

24 Stunden hat Tilman Laaser die Magensonde liegen. Die ganze Zeit über ist er an ein Gerät angeschlossen, das ihm zwei Medikamente zuführt. Das schränkt ein: Er ist quasi ans Bett gefesselt, kommt nicht allein zur Toilette. Zudem wird ihm stündlich Blut abgenommen – und das sogar nachts. Über drei Phasen geht die Studie des Pharmakologischen Instituts der Uni Köln. Das heißt an drei Wochen hintereinander ist er von Montagnachmittag bis Mittwochvormittag an der Uniklinik.

"Und im Abschluss gibt es eine Abschlussuntersuchung und dann die sogenannten 1000 Euro Aufwandsentschädigung. Was jetzt erstmal viel klingt, aber wenn man sich das auf den Stundenlohn runter rechnet, könnte ich auch arbeiten gehen."

Dann könnte er aber nicht wie hier gleichzeitig für die Uni lernen und am Laptop Bewerbungen für Praktika vorbereiten. Damit vertreibt sich der Medizinstudent die Zeit von Blutabnahme zu Blutabnahme. Für seine eigene wissenschaftliche Arbeit ist er auch auf Probanden angewiesen, deshalb hat er sich bereit erklärt, an der Studie teilzunehmen. Über die 1000 Euro Aufwandsentschädigung freut er sich natürlich – mehr ist es für ihn aber auch nicht.

Ganz anders bei Ramona Grzeschick. Für die letzten beiden Studien bekam sie einmal rund 1500 Euro und einmal etwa 5000 Euro:

"Ich hab das dann genutzt, um meinen Bildungskredit abzubezahlen, da konnte ich mit einem Schwung das dann schon mal loswerden. Und die 5000 vom letzten Mal, die habe ich fürs Bafög dann benutzt."

Beide Studien wurden ambulant durchgeführt, allerdings musste sie immer wieder für Magenspiegelungen in die Klinik gehen.

"Ich hab das jetzt nicht als großartig Stress empfunden oder was Schlimmes, sonst hätte ich nicht daran teilgenommen und ich hab gut damit verdient."

Es gibt viele verschiedene Arten von Studien, bei denen Medikamente eine Rolle spielen. Bei der Studie, an der Medizinstudent Tilman Laaser teilnimmt, wird beispielsweise eine bestimmte Enzymaktivität in seinem Körper gemessen. Die Arzneimittel helfen dabei nur. Und dann gibt es natürlich auch Tests mit Probanden, wenn ein Medikament noch gar nicht auf dem Markt ist.

Professor Dr. Uwe Fuhr: "Bei der Erstanwendung sind die Probanden unter intensivmedizinischen Bedingungen überwacht, das macht man in der Nähe einer Intensivstation, also wenn irgendetwas passiert, kann man sie rasch behandeln, es passiert praktisch nie etwas ernsthaftes."

Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich immer – egal ob es sich um ein neues oder längst etabliertes Medikament handelt. Dies gilt letztlich für jede Einnahme von Medikamenten, erklärt Professor Dr. Uwe Fuhr, klinischer Pharmakologe an der Uni Köln. Über mögliche Risiken werden die Probanden vor Beginn der Studie informiert und müssen schriftlich ihr Einverständnis erklären:

"Dass wir die Risiken richtig einschätzen und bewerten, dafür sorgt natürlich auch eine Stellungnahme der Ethikkommission und wenn es sich um eine Arzneimittelstudien nach Arzneimittelgesetz handelt, auch eine Genehmigung durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte."

Die Probanden müssen zudem versichern, dass sie gerade oder vor kurzem an keiner anderen Studie teilgenommen haben:

"Denn die Substanzen verbleiben eine gewisse Zeit im Körper, die müssen also wieder raus sein und sie haben auch einen gewissen Blutverlust, zumindest wenn Blut abgenommen wird, das heißt das Blut muss also wieder neu hergestellt werden. Und typischerweise sind zwischen verschiedenen Studien dann Ausschlussfristen vereinbart, die zwischen vier Wochen und drei Monaten liegen."

Die Verantwortung liegt bei den Probanden, sich an diese Fristen und Einschränkungen zu halten. Allgemeinen Karteien, in denen die Probandentätigkeit einzelner Personen nachvollzogen werden könnte, gibt es nicht. Die umfangreichen gesundheitlichen Untersuchungen, denen Probanden sich zu Anfang einer jeden Studie unterziehen müssen und zu denen unter anderem auch ein Drogentest gehört, helfen versichern, dass körperlich nichts gegen die Teilnahme an der Studie spricht. So werden mögliche Risiken auch von Seiten der pharmakologischen Institute minimiert.

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