Kultur heute / Archiv /

 

Im Würfelbecher der durchgeknallten Ideen

Martin McDonaghs schwarze Komödie "7 Psychos"

Von Josef Schnelle

Marty (Colin Farrell, l) und Billy (Sam Rockwell, r) klauen einen Hund - und verärgern damit den durchgeknallten Gangster Charlie. (DCM)
Marty (Colin Farrell, l) und Billy (Sam Rockwell, r) klauen einen Hund - und verärgern damit den durchgeknallten Gangster Charlie. (DCM)

Rudimente der schrägen Story drehen sich um den tibetischen Edelhund Shih-Tzu, einem kleinen hässlichen Kläffer. Im Zentrum des neuen Film von "Brügge sehen und sterben"-Macher Martin McDonagh steht aber ein Drehbuchautor auf der Suche nach sieben Psychopathen.

Jeder Film beginnt als Zettelkasten mit mehr oder weniger guten Szenen. Dann wird eine Geschichte draus, mit mehr oder weniger logischer Verknüpfung. Und wenn sie einfach so bliebe als großer Haufen halbgarer Ideen?

Das mag sich Martin McDonagh gesagt haben, der mit der makabren Komödie "Brügge sehen und sterben" 2008 Publikum und Kritik überraschte. Im Zentrum seines neuen Films steht ein Drehbuchautor, dem es an Einfällen mangelt. Doch seine neueste Story hat er richtig gerne, jedenfalls als er sie seinem Gangsterfreund Billy erzählt. Doch bislang existiert eigentlich nur der Titel

"Und - wie kommst Du mit den sieben Psychopathen voran, Marty?"
"Langsam, tja ich hab' den Titel, aber ich hab immer noch nicht alle Psychopathen zusammen."
" Wie viele hast Du?"
"Einen und der ist kein richtiger Psychopath. Und der ist mehr so 'ne Art Buddhist."
"Ein Buddhist?."
" Ja, ich hab die Schnauze voll von diesen Stereotypen, blutrünstigen Hollywood-Killer-Aufschlitzfilmen. Es soll nicht noch so ein Film werden mit Knarren in den Händen. Im Großen und Ganzen soll es um Liebe gehen in dem Drehbuch."

Ein menschenfreundlicher Actionfilm ohne Geballer, der für Liebe und Frieden eintritt. So schlimm wird's dann doch nicht. Aber einigermaßen verrückt. Sieben Psychopathen wollen erst einmal gefunden werden. Und dann muss man ihnen die Spielfläche geben, die sie brauchen.

Manchmal ist Kino ein Spiel - mit den Fantasien und Vorstellungen der Zuschauer. Das beherrscht Regisseur McDonagh perfekt und hat sich dafür mit Schauspielern umgeben, denen man auf den ersten Blick keinen gemeinsamen Film zutraut: Christopher Walken als hintergründiger Hunde-Entführer passt so gar nicht zum ultranetten Colin Farrell als Drehbuchautor auf der Suche nach der Inspiration.

Sam Rockwell - sein Compagnon - ist derart abgedreht, dass Woody Harrelson als Gangsterboss Charlie kaum eine Chance hat, ihn auszustechen. Dabei kämpfen sie so routiniert um die besten Pointen, dass man einer kleinen Meisterschaft begeisterter Topkomödianten beizuwohnen glaubt. Es macht offenbar den Schauspielern viel Spaß, einmal den strengen Regeln der Charakterstudien zu entkommen.

Im Würfelbecher der durchgeknallten Ideen des Autors wird ihnen jedoch allerhand zugemutet. Doch seit "Pulp Fiction" von Quentin Tarantino sind die Regeln des Erzählkinos und des guten Geschmacks ja ohnehin außer Kraft gesetzt. Und es gehört zu den Schwächen des Films, dass er manchmal zu sehr nach dem großen Vorbild des Klischeezertrümmerers aus dem Videoverleih greift.

Die Waffe hat Ladehemmung. Aber sie ist nun einmal so schön. Was für das Opfer eine glückliche Fügung ist.

"Besorg dir mal 'ne neue, Boss."
"Weiß schon. Aber ich mag den Griff so. Das Blau. Ich weiß schon. Das liegt daran, dass ich sie nie öle."
"Bitte Mr. Costello. Ich habe Bonny immer geliebt als wär es mein eigenes Kind."
"Erstens: Ich will dieses Bild nicht in meinem Kopf. Klar? Zweitens: Nur weil meine Waffe zufällig klemmt, solltest Du das auf keinen Fall ausnutzen, denn das ist billig."

Hundeliebhaber muss man vielleicht nicht den Wert des tibetischen Edelhundes Shih-Tzu erklären, einem kleinen hässlichen Kläffer, um den sich die Rudimente der Story drehen. Doch der Wert dieser menschlichen Hundekreation erklärt sich als Gangsterspielzeug und Filmscherz sofort. Wenigstens den meisten Betroffenen. Billys Freundin schwant, dass sich Fürchterliches anbahnen könnte.

An dieser Stelle muss man vielleicht einmal kurz daran erinnern, dass die Filme in Deutschland synchronisiert werden, weswegen Kritiker manchmal in die Falle laufen, das Original zu rezensieren, während das Publikum mit der oft verschlimmbesserten oder gar herabgewürdigten deutschen Version konfrontiert wird. Das ist bei diesem Film der Fall, weswegen jede Möglichkeit, einer Originalfassung habhaft zu werden, genutzt werden sollte.

Das Rohe, Ungeschliffene, Abgedrehte, Geschmacklose, das in der Synchronisation verschwindet, ist ja gerade das Kapital von Filmen wie diesem.

"Endlich mal 'n Psychopath, der was drauf hat. Kann ich den behalten?"



Mehr bei deutschlandradio.de

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Kultur heute

Kultur heute Sendung vom 27. März 2015

Neugestaltung der Wiener HofburgZukunft der Instrumentensammlung in Gefahr

Prinz Eugen Reiterdenkmal am Heldenplatz vor der Wiener Hofburg (picture alliance / dpa / apa Gindl Barbara)

Wien plant derzeit, die Wiener Hofburg umzugestalten und um neue Inhalte zu ergänzen. Das könnte zur Folge haben, dass dem weltweit bedeutendsten Bestand an Renaissance- und Barock-Instrumenten künftig weitaus weniger Raum zustehen könnte. Ein Umstand, den Sammlungsdirektor Rudolf Hopfner kritisch sieht.

Residenztheater München Tina Lanik inszeniert Tschechows "Drei Schwestern"

 

Kultur

LiteraturnobelpreisträgerTomas Tranströmer ist tot

Der schwedische Lyriker und Nobelpreisträger Tomas Gösta Tranströmer (Horst Galuschka, dpa picture-alliance)

Der schwedische Literaturnobelpreisträger Tomas Tranströmer ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Tranströmer war 2011 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Er war einer der populärsten Dichter seines Landes.

Max-Ophüls-Vortrag auf CD Alte Rede mit visionärer Kraft

Der deutsch-französische Regisseur Max Ophüls - aufgenommen im Jahr 1952. (dpa - Bildarchiv - Kurt Rohwedder)

Max Ophüls wirkte in Deutschland, Frankreich und sogar Hollywood. Doch der Theater- und Hörspiel-Regisseur wurde nicht freiwillig ein Wanderer zwischen den Welten. Die Nazis trieben ihn ins Exil. 1956 hielt er vor der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft einen Vortrag über den Film. Trotz ihres Alters ist die Rede beachtlich aktuell. Nun gibt es das Tondokument als Audio-CD.

Hollywood"Rebecca" erobert die Leinwand

Laurence Olivier und Joan Fontaine in dem Spielfilm von Hitchcock Rebecca. (imago / AD )

Er war einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte: Alfred Hitchcock. Seine erste Hollywood-Produktion, die Literaturverfilmung "Rebecca", feierte am 27. März 1940 Premiere und erhielt zwei Oscars. Doch bis zum Filmstart gab es für Hitchcock einige Schlachten in der Filmbranche zu schlagen.