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StartseiteBüchermarktImmer in Schottland20.10.2006

Immer in Schottland

Bei romantischen Liebesromanen ist der Titel Programm

Sie heißen "Brennendes Schicksal", "Lodernde Flammen der Versuchung" oder "Glühende Tränen der Liebe". Sie machen schon auf ihren Deckblättern reichlich Wind, mit Titeln wie "Herzen im Sturm". "Stürmische Leidenschaft" oder "Sturmwind der Zärtlichkeit".

Von Hartmut Kasper

"Romanticals" spielen bevorzugt in Schottland. (AP Archiv)
"Romanticals" spielen bevorzugt in Schottland. (AP Archiv)

Ihre Heldinnen und Helden sind "Gefangene der Versuchung" oder erliegen einer "Verstrickung der Leidenschaft". Dabei folgen sie doch nur einer "Verheißungsvolle(n) Sehnsucht", die sie ans "Ufer des Verlangens" führt, wo sie endlich, endlich die "Juwelen der Liebe" finden. Das alles sind Romantitel, und diese Romantitel sind Programm:

In diesen Romanen erlebt immer eine junge, schöne Frau ihre erste, wahre und große Liebe. Diese Liebe sorgt für die in den Titeln angezeigte Temperaturerhöhung. Sie brennt, sie glüht und lodert und wird dazu noch von den besagten Stürmen - der Leidenschaft oder des Herzens - derartig angefacht, dass es eine Unmenge Wasser brauchte, um solche Flammen zu löschen. Ganze schottische Bergseen voll Wasser, womöglich. Denn diese Romane sind ortstreu wie kaum ein anderes Genre. Sie spielen bevorzugt in Schottland, in seinen Highlands, am Ufer eines Lochs, im Haus eines Lords, irgendwann im heroischen Mittelalter.

Im Amerikanischen heißen diese Bücher Romantics, was man mit Romantische Liebesromane übersetzen könnte. Im deutschsprachigen Verlagswesen werden sie ein wenig lieblos "Nackenbeißer" genannt. "Nackenbeißer", weil auf ihren bunten Titelbildern immer eine junge, anmutige Frau mit wallenden Haaren einem Mann mit muskulös-entblößtem Oberkörper in den Armen liegt, und zwar so, als wollte der Mann, der sie von hinten hält, ihr im nächsten Augenblick nicht etwa die glühenden Tränen der Liebe von der erhitzten Wange küssen, sondern ihr in den schwanengleichen Nacken beißen.

In den USA hat die Romantic-Szene bereits viele echte Stars hervorgebracht; die Größte unter ihnen dürfte Johanna Lindsey sein. Lindsey wurde 1952 als Tochter eines US-amerikanischen Soldaten in Frankfurt am Main geboren. Seit nunmehr dreißig Jahren schreibt sie historische Liebesromane, und alle ihre Bücher schafften es auf die New-York-Times-Bestsellerliste, viele auf Platz 1.

Auch hierzulande gedeiht das Genre der romantischen Liebesromane. Die Leser und Leserinnen lesen, lieben und kommentieren die Bücher ihrer Favoriten, gerne auch öffentlich auf den Seiten eines Internet-Versandbuchhändlers, der seinen Kunden die Möglichkeit einräumt, die Bücher mit mehr oder weniger vielen Sternchen zu versehen.

"Wer ist Nora Hamilton?", fragt sich dort beispielsweise eine Rezensentin und befindet: "Die bisher wahrscheinlich erste Übersetzung dieser Autorin ist ein gelungenes Debüt auf dem deutschen Buchmarkt. Von der ersten bis zur letzten Seite lässt Hamilton ihre Leser vor Spannung zittern, spickt die Story mit historischen Details und lässt Erotik der feinsten Art knistern. Wünschenswert wäre es, wenn es in Zukunft mehr Romane dieser Sorte und vor allem von dieser Autorin gäbe."

Aber die wahrscheinlich erste Übersetzung ist gar keine Übersetzung, sondern das deutsche Original. Und wer ist die so gelobte Autorin?

"Mein Name ist Nora Hamilton, ich schreibe Historicals und fühle mich in diesem Genre sehr zuhause. "

Von Haus aus ist Nora Hamilton studierte Literaturwissenschaftlerin und Slawistin. Nora Hamilton heißt sie nicht, möchte aber ihr Pseudonym nicht lüften. Ihre romantischen Liebesgeschichten bezeichnet sie als "Historicals". Was genau ist darunter zu verstehen?

"Ich kann keine literaturwissenschaftliche Definition geben, ich kann Ihnen aber sehr gerne sagen, was Historicals für mich sind: Für mich sind sie die modernen Märchen. Märchen für Erwachsene, Märchen für Leute, die gerne träumen, die sich aber trotz allem sehr bewusst sind, dass diese Romane Fiktion sind. Sie sind kein Abbild der Realität, wie das bei Hochliteratur ist, sondern sie sind reine Fiktionen. Diese Männer und Frauen finden sie im richtigen Leben nicht. "

Was macht diese Literatur so märchenhaft?

"Vielleicht, dass es immer ein Happy End gibt. Das Märchenhafte ist vielleicht das, dass die Figuren in den Historicals keine gebrochenen Charaktere sind, sondern dass ganz eindeutig zu erkennen ist: gut - böse. Und das ist ein Merkmal, das auch in den Märchen ist. Und, ganz wichtig: Das Gute siegt immer über das Böse."

Schauen wir uns einmal an, wie dieser ewige Kampf zwischen Gut und Böse funktioniert:
In Nora Hamiltons Roman "Ufer des Verlangens" tobt seit Jahren ein Kleinkrieg zwischen den Clans der McLains und der Kingsleys. Es geht um einen fischreichen See, den Bachelor-See. Der Name ist ebenso verräterisch wie verheißungsvoll, heißt bachelor doch soviel wie Junggeselle.

Und Jungfer Zelda, die ältere Tochter von Lord McLain, nutzt den See zu gelegentlichem Nacktbaden, um ihr vor der schieren Jugend erhitztes Blut zu kühlen.

Des Krieges müde, verfällt der alte Lord McLain auf die Idee, diese seine Zelda mit Allaistar, dem Spross der Kingleys, zu verheiraten und so Frieden zwischen den Familien zu stiften. Leider hat sich, was der Lord nicht weiß, Zelda anlässlich eines Badeausfluges in einen ebenso geheimnisvollen wie schönen Fremden namens Ian Laverty verguckt, was ihre Lust, den jungen Allastair zu heiraten, schmälert.

Allastair wiederum liebt Zeldas jüngere Schwester Joan, wovon die Familienangehörigen beider selbstverständlich ebenfalls nichts wissen.

Statt aber nun Papa einfach die heimliche Liebe zu beichten, an Allastair vergeben zu werden und so alle glücklich und zufrieden zu machen, lässt sich Joan lieber im Schein des schottischen Mondes entführen, und zwar von niemand anderem als von Allastairs bestem Freund, in welchem der Leser unschwer Zeldas Schwarm Ian Laverty erkennt.

Allerlei Verwicklungen sind die Folge; zumal Zelda ihre Schwester in den Händen eines Mädchenhändlers wähnt und die Verfolgung aufnimmt, kreuz und quer durchs wilde 15. Jahrhundert mit seinem Panoptikum von feisten Wirten, willigen Wirtstöchtern, weisen Zigeunerinnen, verräterischen Mönchen, lüsternen Richtern, entehrten Jungfrauen und edlen Pferden.

Aber ist das ein Personal wie im Märchen? Märchen spielen in sonst namenlosen Gegenden, in einem Wald, in einer Stadt im Irgendwo. Warum spielt diese Geschichte - wie so viele andere Historicals auch - ausgerechnet in Schottland?

"Schottland, besonders die Highlands, sind inzwischen ein Synonym geworden für Historicals. Ich glaube, dass viele Leute automatisch bei Schottland an Rosamunde Pilcher denken, an den Highlander denken, und das alles hat ja sehr viel mit Romantik zu tun. Aber Schottland und die Highlands sind natürlich nicht die einzigen Schauplätze. Schauplätze der Historicals müssen natürlich eine romantische Assoziation auslösen, das ist klar, ein Historical in Frankfurt spielen zu lassen, würde wohl, glaube ich, nicht funktionieren.

Warum würden sie hier und heute nicht funktionieren?

" Nein. Das glaube ich nicht. Ich kann es mir nicht vorstellen. Erstens funktionieren Märchen auch nicht in der Realität, und diese Figuren in diesen Romanen haben ja als Kennzeichen ihre doch eindimensionalen Charaktere, und in der Realität gibt es keine eindimensionalen Charaktere. Keiner ist nur gut, keiner ist nur böse. "

Das versteht sich. Außerdem wissen wir doch, wenn nicht aus Erfahrung, so doch aus allen einschlägigen Klischees, dass die Liebe in den Highlands, in Cornwall oder in Paris ganz anders glutet als in Frankfurt oder am Rhein-Herne-Kanal. Aber was genau heißt hier Romantik?

"Großartige Landschaften. Natürlich ist Schottland auch für seine Burgen berühmt. Es sind Städte, es sind Gegenden, die vom Mittelalter stark geprägt sind. "

Deswegen braucht der Roman allerdings - wieder anders als das klassische Märchen -ein glaubwürdiges Lokalkolorit. Wie verschafft sich die Autorin dieses Kolorit? Reist sie oder liest sie?

"Es ist beides. Für die sinnliche Beschreibung ist es wichtig, am Ort des Geschehens zu sein. Wie riecht es dort, wie sieht der Himmel aus, wie sieht die Landschaft aus? All das muss man ja beschreiben, also ist es wichtig, dort zu sein. Aber Alltag im Mittelalter bekommt man dort nicht, sondern das muss man wirklich in Bibliotheken recherchieren.

Langsam ritt Zelda durch die Straßen und Gassen Dundees. Das Viertel hinter den Stadttoren schien eines der ärmeren zu sein. Strohgedeckte Katen duckten sich eng an die Ränder der lehmigen Gassen. Die Fenster waren nicht mit Blei verglast und hatten auch keine hölzernen Läden davor, sondern nur in Öl getränktes Papier, welches die Kälte im Winter gewiss nur unzureichend abhielt. In der Mitte der Gasse zog sich eine tiefe Rinne entlang, in der sich die Abfälle aus den Häusern sammelten. Ein Stückchen weiter sah sie einen Gesellen, der ein Schaffell über einen Rumpelbock gespannt hatte und mit einem Scherdegen, einem gebogenen Messer, das aasige Fleisch abkratzte.

Die Historical-Sprache antikisiert gerne; und wenn sich eine Figur um "Putz und Tand" kümmert oder wenn von "Gewürzen und Spezereien" die Rede ist, wenn "Tuchmacher, Perlensticker, Leinweber und Handschuhmacher" vorüber defilieren, wird spürbar, dass der allwissende Erzähler nicht wirklich zuhause ist in dieser papierenen Landschaft, sondern eine angelesene Kulisse baut. Warum auch nicht, schließlich spielt die Geschichte in einer fremd gewordenen, untergegangenen Welt.

"Es sind nicht nur Berufsbilder, die vor fünfhundert Jahren ganz andere Aufgaben mit sich brachten, es ist der gesamte Alltag, der anders war, und dieser Alttag muss recherchiert werden. Das beginnt bei der Kleidung, das geht über die Lebensmittel. Wenn er sie küsst, knöpft er ihr das Mieder auf, gab es da schon Knöpfe? In erster Linie muss Alltag recherchiert werden. In zweiter Linie muss auch Politik recherchiert werden, die historischen Ereignisse, weil die ja immer wieder einen starken Einfluss auf den Alltag haben."

Von größerer Bedeutung als die Frage nach irgendeinem soziokulturellem Kontext aber ist für den Roman zweifellos die Frage nach den Knöpfen, zumal nach den von Männerhänden aufgeknöpften Knöpfen an Frauenmiedern. Knöpfe und Mieder nämlich spielen neben den Helden immer wieder eine Hauptrolle im Text. Von Zelda und Ian lesen wir:

Seine Hände waren überall. Schon hatte er ihr Mieder gelöst, strich es ihr von den Schultern, liebkoste das weiße Rund. Seine Finger glitten tiefer, umfassten ihre Brüste, die jungfräulich und prall waren wie Pfirsiche, Zelda erschauerte. Ihr ganzer Körper loderte, als säße sie im Feuer. Ein leises Stöhnen drang aus ihrer Kehle.

Einige Kapitel später gibt sich auch Zeldas Schwester Joan ihrem Geliebten Allistair hin, und Allistair

löste ihr Mieder und streifte das Kleid von ihren Schultern. Mit beiden Händen umfasste er die Brüste, seine Lippen fassten nach den sanften Pfirsichspitzen. Ein leises Stöhnen drang aus ihrer Kehle.

Man sieht, die Autorin geht gerne ins zeitlose, anatomische Detail. Anders als in der literaturhistorischen Epoche der Romantik, in der allenfalls die hübsche Müllerin viel versprechend aus dem Mühlenfenster winkte, wird Sexualität in den Nackenbeißern explizit.

"Ich finde schon, dass zur Romantik auch Erotik gehört. Erotik ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Romantik. Vielleicht sind diese Szenen für manche Leser, für manche Leserin zu detailliert, andere lieben gerade das. Für mich gehört Sex, Erotik zu jeder Liebesgeschichte, zu jeder romantischen Begebenheit dazu. "

Und hier gewinnt denn auch das Wort vom Nackenbeißer seine andere Bedeutung, die frei ist von Ironie und Metaphorik:

Haut auf Haut. Hertz an Herz. Mund an Mund. Plötzlich reichte es nicht mehr. Zelda hatte das Gefühl, dass selbst die Haut störte. Ihre Zähne schnappten nach seiner Lippe, bissen hinein, bis Zelda sein Blut in ihrem Mund schmeckte. Sie strich über seinen Hals, hielt an der Kehle inne und spürte dem Pulsieren des Blutes nach. Zelda entdeckte Ian. Sie nahm seine Füße in die Hände und hielt sie wie eine Kostbarkeit. "Du streifst mir die Haut ab", sagte er. Und auch Zelda hatte das Gefühl, Ian würde ihr die Haut abziehen, damit sie nackt wie ein Neugeborenes war und so rein wie ein Neugeborenes.

Solche Mehrfachhäutungen, solche unverhüllte Fußverliebtheit erlaubt sich die Heldin freilich nur in einem wilden Traum. Warum aber sollte sie nicht so ekstatisch träumen? Schließlich preist die Romantic Times, das Fachblatt für wildromantische Liebeshistorien, ihren Star Johanna Lindsay mit den Worten: "Sie kennt die geheimen Wünsche der Frauen".

Nackenbeißerinnen wären demnach als Traumspione unterwegs, die in Erfahrung bringen, was Frauen wirklich wünschen? Natürlich versuchen auch männliche Autoren, den Frauen Historicals aus der Seele zu schreiben, doch nehmen sie wenigstens per Pseudonym eine Geschlechtsangleichung vor.

So arbeitet beispielsweise der Autor Tom Huff unter dem Namen Jennifer Wilde, und hinter Vanessa Royale steckt ein gewisser Harold Lowery.

Dies kann man jedenfalls dem "Romantic Times Bookreviews Magazine" entnehmen. Mit diesem Magazin ist dem Genre eine eigene Zeitschrift gewidmet, eine Zeitschrift, die nicht nur ausführlich über die Romane auf dem Laufenden hält - sie richtet darüber hinaus jährliche Treffen für alle aus, die mit den Romantischen Liebesromanen als Produzenten oder Rezipienten befasst sind.

Die nächste dieser so genannten Booklovers Conventions soll 2007 in Houston, Texas, stattfinden; ihr Thema lautet: "The Wonderful World of Women's Fiction" - die wunderbare Welt der Frauenliteratur.
Eingeladen sind zum Symposion neben den Autorinnen und ihren überwiegend weiblichen Fans laut Programm auch Tarotkartenlegerinnen, Aurendeuter, medial begabte Damen, ein quasi-mittelalterliches Gauklervolk.

Außerdem kommen, und zwar als Stars, die Männer und Frauen, die für die Titelbilder Modell stehen. Und in ihrem Gefolge die Kostümbildner und schließlich die Illustratoren, die aus den historisch kostümierten Mannequins Genreszenen zaubern:
Im Vordergrund das Paar in Nackenbisshaltung, im Hintergrund eine Landschaft im abendlichen Blau, ein Mond, ein See, ein Herrenhaus.
Die Models nämlich, die für die Titelbilder posieren, sind längst zu eigenem Ruhm gekommen.

"Ich weiß, dass es Fotographien sind. Ich hatte das Glück, die Cover-Models oder die meisten von ihnen schon einmal kennen zu lernen. Sie werden fotografiert und werden dann am Computer bearbeitet. "

Auch die Figuren der Romane werden in gewisser Weise modelliert.

"Ganz am Anfang, in der Konzeptionsphase, spricht man sich mit der Lektorin ab: Wie sieht die Hauptheldin aus, wie sieht der Held aus? Und dann legt man schon Haarfarben fest, Augenfarben und so weiter. Das beginnt ganz am Anfang. "

Aber natürlich sind es nicht die bloßen Äußerlichkeiten, die eine Handlung in Gang setzen. Auch die Historicals brauchen neben einem anmutigen Ensemble eine zündende Spielidee.

" Ich habe immer Ideen, und einige davon entnehme ich aus Opern. Ich bin sehr großer Opern-Fan und gehe sehr gerne und sehr oft in die Oper und aus den Geschehnissen auf der Bühne entwickeln sich dann immer wieder neue Ideen für Historicals. Ja, hinter allen Romanen stecken Opern. Eines war die "Manon Lescaut", eines war die "Lulu". Ich verfremde sie so, dass ich sie hinterher selbst nicht wieder erkenne. "

Am Ende von Lulu wird die Titelheldin von Jack the Ripper erstochen, Manon Lescaut stirbt in der amerikanischen Steppe an Erschöpfung. Auch die Heldinnen der Historicals haben zu leiden und weinen ergiebig: Zuerst Joan:

Er sah die Tränen, die wie kostbare Perlen über ihr Gesicht liefen und im Mieder versickerten. Er richtete sich auf und folgte mit dem Finger der Spur der Tränen. Sie lächelte unter Tränen. `Nicht weinen´, sagte er. `Wie sollte ich nicht weinen?´, fragte sie.

Dann Zelda:

Als Zelda nur stumm den Kopf schüttelte und er die Tränen sah, die ihr wie Perlen über die Wangen rollten, stand er auf. Dann lief sie weg. Blind vor Tränen ritt sie über die Felder, die Tränen liefen in Strömen über ihre Wangen.

Doch wir befinden uns, wie erinnerlich, in einem Märchen, und am Ende eines Märchens werden alle Tränen abgewischt, wird alles wieder gut. Das Beste von allem Guten aber ist - jedenfalls in den neu-romantischen Historicals - die Liebe.

Deswegen verwöhnt uns die Autorin am Ende mit folgendem liebevollen Dialog - wir zitieren auszugsweise:

"Ich liebe dich", sagte Zelda. "Oh, Ian, ich liebe dich."
Die Worte waren wie von selbst in ihren Mund geraten. "Ich liebe dich", flüsterte sie. "Aber ich liebe auch Joan"
"Was hast du gesagt? Wiederhole deine Worte, ich bitte dich."
"Ich liebe dich", wiederholte sie. "Ich liebe dich mehr, als ich sagen kann."


Und so endet diese Geschichte vom "Ufer des Verlangens", diese Geschichte, die, mit den Worten von Zeldas Liebling Ian,

so schön, so romantisch ist, wie sie nur das Leben schreiben kann,

vor einem Traualtar am Bachelor-See in den schottischen Highlands, wo sich Joan und Allistair und Zelda und Ian das Ja-Wort geben.


Wir aber, die es nur gelegentlich ans "Ufer des Verlangens" verschlägt, die deswegen selten Gelegenheit haben, im "Sturmwind der Zärtlichkeit" über ein schottisches Loch zu segeln und die überdies Zweifel hegen, ob die "Juwelen der Liebe" wirklich die beste aller möglichen Altersversorgungen sind, wir blicken ein wenig skeptisch auf die Titelbilder mit den bunt kostümierten Paaren, die doch nur Augen füreinander haben.

Oder für die vorläufig geschlossenen Knöpfe an den Miedern.

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