Freitag, 17.11.2017
StartseiteUmwelt und Verbraucher30 Jahre E-Mail in Deutschland31.07.2014

Informationstechnologie30 Jahre E-Mail in Deutschland

Vor 30 Jahren kam die erste Mail in Deutschland an. Empfänger war Michael Rotert, der heute Chef des Verbands der deutschen Internetwirtschaft ist. Im Deutschlandfunk berichtete er über die Pionierzeit, aber auch über ganz aktuelle Probleme, etwa bei der Verschlüsselung von Mails.

Michael Rotert im Gespräch mit Stefan Römermann

(dpa/Horst Galuschka)
Prof. Michael Rotert, Vorstandsvorsitzender eco - Verband der deutschen Internetwirtschaft e.v. (dpa/Horst Galuschka)
Weiterführende Information

Internetkriminalität - 18 Millionen E-Mail-Konten geknackt
(Deutschlandfunk, Aktuell, 03.04.2014)

E-Mail-Sicherheit - Die Kleinen sind die Besten
(DRadio Wissen, Medien, 31.01.2014)

Die lebenslange E-Mail-Adresse
(Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 19.12.2012)

DE-Mail vor dem Start
(Deutschlandfunk, Computer und Kommunikation, 25.08.2012)

Stefan Römermann: Eben mal kurz die E-Mails checken, das kann heute jedes Smartphone. Vor 30 Jahren sah das ganz anders aus. Im Vorläufer des heutigen Internets, dem Arpanet, waren damals praktisch nur Großcomputer in amerikanischen Universitäten und Militäreinrichtungen zusammengeschlossen.

Im Sommer 1984 war dann schließlich auch die Universität Karlsruhe dabei, und am 3. August 1984, also vor ziemlich genau 30 Jahren, kam dann auch endlich die erste E-Mail in Deutschland an. Empfänger war Michael Rotert, damals Leiter der Informatikrechnerabteilung in Karlsruhe und heute Vorstandsvorsitzender des Verbands der deutschen Internetwirtschaft eco. Ihn habe ich vor der Sendung gefragt, wie kompliziert das denn damals eigentlich gelaufen ist mit der ersten E-Mail.

Michael Rotert: E-Mail-Programme gab es damals schon, die waren allerdings sehr kryptisch. Aber es gab ein Programm zum Erstellen von Nachrichten, zum Lesen von Nachrichten, und witzigerweise sehen die heute noch fast genauso aus, nur kann ich die heute mit der Maus behandeln, aber das ist auch fast der einzige Unterschied. Das Schwierigste war immer noch, die Adressen rauszubekommen, das war nicht ganz so einfach. Man musste noch wissen, wenn die Benutzer an anderen Netzen waren, wie ich die Adresse aufzubauen habe. Es gab noch nicht diese Namen und Adressen, wie man sie heute kennt, mit zum Beispiel "mail@rotert.de". Diese Namen waren noch nicht vorhanden, sondern es waren meistens irgendwie die Namen von Rechnern, und da hatte jeder so seinen eigenen Geschmack. Aber ich war erreichbar als "rotert@germany", was heute gar nicht mehr funktioniert.

Römermann: Inzwischen ist die E-Mail Alltag geworden, es zeigen sich da auch die Schattenseiten der Technik. Der allergrößte Teil der Mails, die wir haben, ist Spam. Wie muss ich mir das vorstellen – ist das ein Problem, was wir mittelbar vielleicht in den Griff bekommen, ist es was, wo in den nächsten Jahren auch große Fortschritte zu erwarten sind?

Verschlüsseln aller E-Mails angestrebt

Rotert: Unbedingt. Es ist so, zu Beginn der E-Mail gab's so was nicht, weil man in einer freundlichen Umgebung sich zugemailt hat, das sieht im Massenmarkt etwas anders aus, und von der technischen Seite gibt es eigentlich nur ein einziges Hilfsmittel, und das heißt Verschlüsseln aller E-Mails. Das ist ein Punkt, an dem die Industrie arbeitet, wo im Moment auch sehr viel in den Nachrichten hin und wieder erscheint, dass es neue Möglichkeiten geben soll bezüglich Verschlüsselung. Und das ist das, wo wir auch vom Verband her drauf setzen.

Römermann: Wie würde das aussehen, was muss ich mir darunter vorstellen, unter einer verschlüsselten E-Mail? Muss ich da vorher dann irgendwie einen Geheimcode mit meinem Empfänger austauschen, oder wie würde so was laufen?

Rotert: Sagen wir mal so, solange, wie ich ganz viel machen muss – weil die Verschlüsselung funktioniert schon länger, hat sich gezeigt –, wird sie von den Benutzern nicht akzeptiert. Sie würde nur dann akzeptiert, wenn ich eine Mail einfach abschicke und die Mail automatisch im Hintergrund verschlüsselt wird. Stand heute muss man noch vorher einen Schlüssel austauschen, ja, da gibt's auch extra sogenannte Schlüsselinstanzen, die den öffentlichen Schlüssel aufbewahren, und den geheimen Schlüssel, den muss ich mit meinem Partner austauschen. Das ist umständlich, aber es funktioniert.

Römermann: Es heißt ja häufig, dass eine E-Mail so offen sei wie eine Postkarte, vielleicht können Sie das so, dass der Normalbürger das versteht, noch mal erklären.

Rotert: Ja, Stand heute ist es so, wenn ich eine Mail verschicke, ist die Mail wie eine Postkarte. Jeder, der sich einigermaßen anstrengt, kann den Inhalt lesen, und selbst Geschäftsgeheimnisse werden da zum Teil so offen gehandelt, weil sich keiner die Mühe macht, drüber nachzudenken, was es eigentlich bedeutet, wenn solche Dinge an der Öffentlichkeit gehandelt werden oder vom Mitbewerb. Die gesamte Verschlüsselung – also einmal kann ich E-Mail an sich verschlüsseln, dann wäre nur die Mail verschlüsselt. Das würde jetzt für eine Vertrauensstärkung des Mediums E-Mail reichen, aber es gibt ja noch viele andere Dinge, wenn ich das Internet heute benutze.

Und wenn ich davon spreche, von einer kompletten Verschlüsselung, dann stelle ich mir so was vor wie das Gerät, das mir der Provider hinstellt, um ans Internet zu kommen. Die Daten, die dort durchlaufen, werden automatisch verschlüsselt und am Zielpunkt automatisch entschlüsselt, sodass ich meine Funktionalität habe und mich um die ganze Verschlüsselung überhaupt nicht kümmern muss und insbesondere dieses lästige Schlüsselaustauschen entfällt. Das ist so meine Wunschvorstellung, und da weiß ich, dass die Forschung auch dran arbeitet.

Römermann: Und was glauben Sie, Herr Rotert, wie lange wird es dauern, bis wir tatsächlich auf diese Art abgesichert E-Mails verschicken können?

Rotert: Na ja, das wäre jetzt ein bisschen Kaffeesatzlesen, wenn ich ein Datum nennen würde, aber ich hoffe und ich bin fest überzeugt, dass es in wenigen Jahren, in ein, zwei, drei Jahren der Fall sein wird.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk