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StartseiteSymposium zum Thema Inklusion im Deutschlandfunk"Sport ist ein klassischer Inklusionsmotor"03.12.2015

Inklusion und Sport"Sport ist ein klassischer Inklusionsmotor"

Der paralympische Sport hat eine große Entwicklung hingelegt - nicht zuletzt durch Spitzenathleten wie Oscar Pistorius, sagen die Teilnehmer des DLF-Symposiums zur Inklusion. Aber es gibt noch einiges zu tun.

von Britta Wagner

Das Podium beim DLF-Symposium über Sport und Inklusion (DLF/ Sturmberg)
DLF-Symposium über Sport und Inklusion (DLF/ Sturmberg)

Nach der Diagnose Autoimmunkrankheit mit Halbseitenspastik hatte niemand daran geglaubt, dass Franziska Liebhardt wieder Leistungssport machen würde - auch sie selbst nicht, erzählt sie auf dem Deutschlandfunk-Symposium "Wunsch oder Wirklichkeit? Inklusion in Politik, Medien und Gesellschaft". Die Ärzte sagten, dass ein bisschen Sport nicht schaden würde. Doch bei Liebhardt wurde es mehr als nur ein bisschen Sport.

 (DLF/Sturmberg)Kugelstoßerin Franziska Liebhardt hofft auf die Teilnahme bei den Paralympics in Rio (DLF/Sturmberg)

Heute ist sie Europarekordhalterin im Kugelstoßen und bereitet sich auf die Paralympics in Rio vor. Sie sagt, sie komme mit ihrer Sportförderung sogar einigermaßen über die Runden. Und sie will keine Sonderbehandlung. Die bekommt sie auch von ihrer Trainerin nicht: Steffi Nerius, vor ihrem Trainerjob Spitzen-Speerwerferin. Nerius freut sich über den wachsenden Erfolg des Behindertensports: "Es ist der Wahnsinn", sagt sie und erinnert sich an die Begeisterung der Zuschauer beim 400-Meter-Lauf von Oscar Pistorius bei den Paralympics in London 2012.

Auch die anderen Teilnehmer auf dem dritten Podium des Symposiums sehen Fortschritte, nicht nur beim paralympischen Leistungssport, sondern auch im Breitensport. "Sport ist ein klassischer Inklusionsmotor", sagt Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes. Viele Barrieren in den Köpfen fielen, wenn die Menschen sähen, was Spitzensportler mit Behinderung schaffen. In Sportvereinen könnten sie es auch selbst erleben, etwa beim Rollstuhl-Basketball, wo auch nicht-behinderte Mannschaftsmitglieder im Rollstuhl Sport treiben. Allerdings wünscht sich Beucher, dass es in Deutschland flächendeckend wohnortnahe Sportangebote für Menschen mit Behinderung geben soll.

(DLF/Sturmberg)Friedhelm Julius Beucher vom Deutschen Behindertensportverband wünscht sich mehr Breitensport-Angebote (DLF/Sturmberg)Inklusion braucht Kreativität

Mehr Inklusion ist auch Thomas Abel von der Deutschen Sporthochschule Köln ein wichtiges Anliegen. Er ist der weltweit erste Professor für Paralympischen Sport und findet es schade, dass nicht alle Hochschulen Sport-Studenten mit Behinderung aufnehmen. "Man braucht Kreativität", sagt Abel, dann ließen sich immer Wege finden - für die Anpassung der Leistungsbewertungen oder für Hilfsmittel bei den verschiedenen Sportarten. 

Diese Hilfsmittel sind allerdings umstritten, das zeigt der Fall des deutschen Weitspringers Markus Rehm. Er springt mit einer Beinprothese und wurde letztes Jahr Deutscher Meister bei den Sportlern ohne Behinderung. In seinem Fall läuft die Diskussion, ob er mit der Prothese Vorteile für die Sprungkraft gewinnt. Rehm soll jetzt nachweisen, dass das nicht so ist - diese Beweislast-Umkehr hält Sport-Professor Abel für eine "Sauerei".

Auch diese Debatte zeigt, dass bei der Inklusion im Sport noch viel zu tun bleibt. Ein Zuschauer des Symposiums, selbst Bogenschütze, bringt es auf den Punkt: Er wünscht sich mehr "Beiläufigkeit" im Umgang mit paralympischen Sportlern. Ein "Gut, der ist behindert, und der ist dabei - na und." Die Diskussionsrunde bedauert, dass sich Hamburg gegen eine Olympiabewerbung entschieden hat. "Schade", sagt Kugelstoßerin Liebhardt, "wir haben auch eine große Chance für den paralympischen Sport verpasst."

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