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Internetausfall im Mittelmeer

France Télécom macht Seebeben für den Kabelbruch verantwortlich

Von Suzanne Krause

Webseiten und Telefonate aus Asien kommen meist auf den Sea-Me-We-Kabeln nach Europa.
Webseiten und Telefonate aus Asien kommen meist auf den Sea-Me-We-Kabeln nach Europa. (AP)

<strong>Wer Weihnachten mit seinen Freunden in Ägypten oder Indien übers Internet telefonieren wollte, hatte wenig Spaß. Auch normale Telefonate waren von und nach den Vereinigten Emiraten, Bangladesch, Jemen, Kuwait, Saudi Arabien und Sri Lanka waren betroffen Der Grund waren gleich drei, fast gleichzeitig gebrochene Tiefseekabel im Mittelmeer vor Ägypten.</strong>

Alarmstufe 1, ein Bruch im Seekabel. In der Überwachungszentrale von France Télécom blinken rote Lampen. Was dann passiert, ist, Etappe für Etappe, in einem Video des Unternehmens im Internet zu sehen. Unmittelbar wird der Telekommunikationsverkehr auf eine Alternativroute, ein anderes Seekabel, umgeleitet. Gleichzeitig erhält die Mannschaft des für den Pannensektor zuständigen Kabelleger-Schiffs Order, auszulaufen. Dass allerdings drei benachbarte Seekabel gleichzeitig brechen, gleicht einem GAU. Die Pannen-Serie im Dezember legte 90 Prozent des Internettraffics zwischen Europa, dem Nahen Osten und Asien lahm. Kaum war der Schaden im Meer südlich von Sizilien behoben, brach das leistungsstärkste der drei Seekabel erneut, tausend Kilometer entfernt, in großer Tiefe. Daran schuld war wohl ein Seebeben, meint Didier Duriez. Duriez ist bei France Télécom zuständig für deren internationales Seekabel-Netzwerk. In seinem Pariser Büro thront ein Schaukasten mit zehn Zentimeter langen Glasfaserkabeln im Anschnitt, vom einfachen bis zum bestgesicherten Modell. Das Seekabel rechts außen ist schmal wie ein Finger und wird in großer Tiefe verlegt, sein Gegenstück links außen ist doppelt so dick und gedacht für flache Gewässer, erläutert Didier Duriez.

"Den Kern eines Seekabels bilden die Glasfaserleitungen. Ein Plastikmantel macht sie wasserdicht. Das Ganze ist in eine Kupferleitung eingebettet, die leitet den Strom zur Verstärkung der übertragenen Signale. Ein weiterer Plastikmantel reicht als Schutz in großer Tiefe. Denn gegen Seebeben oder untermeerische Erdrutsche hilft eh nichts. Je mehr das Seekabel sich nun der Küste nähert, desto mehr Schutzhüllen erhält es. Bis hin zu einer zweifachen Hülle aus umeinander gewundenen Stahlseilen. Denn in flachen Gewässern sind die Gefahren groß, dass das Seekabel von einem Fischnetz oder einem treibenden Anker gebrochen wird."

Zu Bruch gingen im Dezember, neben Flag, auch zwei Sea-Me-We getaufte Glasfaserkabel. Sea-Me-We3 ist das längste Seekabel der Welt: es misst 39.000 Kilometer und spannt das Internetnetz zwischen Deutschland, Japan und Australien. Sea-Me-We4, die jüngere Schwester, ist nur halb so lang, reicht von Marseille bis Singapur, hat aber wesentlich mehr Power.

"Sea-Me-We4 hat eine Kapazität von 620 Gigabit, das ist schon fast ein Terabit, also sehr viel. Das älteste der drei kürzlich beschädigten Kabel, das 1998 gelegt wurde, schafft gerade mal zehn Gigabit. In einem knappen Jahrzehnt ist es also gelungen, die Kapazität um das Sechzigfache zu steigern. Die nächste Glasfaser-Generation, die in diesem Jahr verlegt wird, transportiert schon mehr als ein Terabit Datenmenge. Dank der Verbesserungen im Bereich der optischen und elektronischen Systeme sind wir heute fähig, die Glasfaserkabel viel besser auszunutzen."

Die Zukunft gehört der Glasfasertechnik, der digitalen Datenübertragung. Die analogen Systeme haben ausgedient. Auch Satelliten übertragen digital - doch Glasfaserkabel sind billiger. Trotz scheinbar horrender Kosten. Sea-Me-We 4 schlug mit 500 Millionen US-Dollar zu Buche und gehört einem Konsortium von 16 Telekomunternehmen: aus Frankreich, Italien, vor allem aber aus dem Nahen Osten und Asien. Sie alle haben einen Wartungsvertrag mit der französischen Telekom: ein Einsatztag auf hoher See kostet bis zu 40.000 Euro. Auslaufen musste das High-Tech-Boot von France Télécom im vergangenen Jahr zweimal: schon im Februar war es zu einem massiven Kabelbruch im Mittelmeer gekommen. Damals schon, wie erneut vor Wochen, schwirrten Verschwörungstheorien von gezielten Sabotageakten durchs Internet. Didier Duriez winkt ab:

"Sicher, es gibt ein Sabotagerisiko, aber meiner Meinung nach existiert das eher in der Phantasie als in der Realität. Die meist gefährdete Stelle ist die Andockstation direkt an der Küste, dort wird das Seekabel an Land mit dem Erdkabel verknüpft. Die ist viel leichter zu zerstören als ein Kabel in tiefer See. Aber meines Wissens nach gab es bislang noch keinen einzigen Sabotageversuch."

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