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Seit 13:10 Uhr Themen der Woche
StartseiteCorsoDer satirische Wochenrückblick17.07.2015

Is was!?Der satirische Wochenrückblick

Wenn es anderen Ländern in Europa schlecht geht, dann liegt das daran, dass Deutschland bislang unter seinen Verhältnissen gelebt hat. Absolut. Aber wie soll sich das ändern, wenn jetzt dazu aufgerufen wird, keine deutschen Produkte mehr zu kaufen. Das wird nichts. Absolut. Cool.

Von Klaus Pokatzky

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Leute, wir müssen mehr über unsere Verhältnisse leben. Nehmt Euch ein Beispiel an der Kanzlerin. Die macht das "sehr cool". "Absolut". Das waren jedenfalls die Lieblingswörter von LeFloid alias Florian Mundt, als er jetzt für YouTube Angela Merkel alias die Eiserne Kanzlerin interviewt hat. Dass wir mehr über unsere Verhältnisse leben sollen, hat sie da zwar nicht gesagt - das hat in unserem Sender Heiner Flassbeck erklärt, der frühere Staatssekretär im Finanzministerium. Wir hätten immer unter unseren Verhältnissen gelebt und damit die anderen Länder an die Wand gedrängt. Nicht genug konsumiert also, nicht genug Knete bei Tarifverhandlungen verlangt. Also los, leben wir über unsere Verhältnisse.

Die Bundesregierung macht das ja schon. 80.000 Euro hat das Logo gekostet für den G7-Gipfel im bayerischen Elmau. Da sind sieben mehr oder weniger krumme Striche zu sehen, die in die Höhe gehen und sich an einem Punkt vereinen. Nur sieben und nicht acht hängt damit zusammen, dass mit Zar Wladimir dem ersten Putin ja ein weiterer Strich ausgeladen wurde und so mussten die Grafiker von einer Werbeagentur alles noch mal neu machen. Wenn Sie eine dreijährige Tochter haben, die gut malen kann, und wenn Sie mit der mal so richtig über Ihre Verhältnisse leben wollen: Reichen Sie für den nächsten Gipfel in Deutschland ihre Malereien ein - der kommt bestimmt und die Bundesregierung freut sich. "Absolut". "Sehr cool".

Deshalb gibt es ja jetzt auch die Kampagne "Gut leben in Deutschland", wo unser Kabinett durch die Lande tourt und mit ganz gewöhnlichen Menschen spricht. So wie die Kanzlerin mit Schülern in Rostock. Unter denen war auch ein Flüchtlingsmädchen aus dem Libanon. Mit dem trat Angela Merkel für fast eine Viertelstunde in einen Dialog, der es in sich hat - so, dass das Mädchen irgendwann in Tränen ausbrach und die immer sehr coole Kanzlerin dann ihrem Vornamen alle Ehre machte. Kommt von dem - natürlich - griechischen "ángelos" und kann gerne mit Engel übersetzt werden. Da hat sie mit mütterlichen Streicheleinheiten für ganz kurze Zeit total über ihre super-coolen Polit-Verhältnisse gelebt. Wer nun nur die Kurzfassung der ganzen Nummer ansieht - und nicht die komplette, in der auch zu sehen ist, wie das Mädchen nach den kanzlerischen Streicheleien der Tante Angela nickend zulächelt und am Ende heftigen Applaus bekommt - wer also auf das Verkürzte steht, der stürzt sich jetzt in einem wahren Shitstorm über Merkel. Wäre ja auch noch schöner, wenn Politiker Gefühle hätten.

Die Tummler in den asozialen Netzwerken müssen nur aufpassen, dass sie nicht zu sehr über ihre Verhältnisse twittern. Sie müssen ja auch noch die Kampagne gegen deutsche Wertarbeit bewältigen - Motto: "Buy no German products". Wenn über die Boykottkampagne im Internet berichtet wird, findet sich flugs eine Anzeige von Daimler mittendrin; und das zeigt uns, wohin solche Kampagnen führen. Sie können nur die deutsche Wirtschaft stärken. "Made in Germany" hatten unsere britischen Freunde Ende des 19. Jahrhunderts als abwertendes Etikett eingeführt, weil sie sich vor billigen teutonischen Importwaren schützen wollten. Heute  ist "Made in Germany" das beste Gütesiegel, das sich denken lässt. Einfach nur sehr cool. Absolut. 

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