Donnerstag, 14.12.2017
StartseiteCampus & KarriereAusufernde Korruption als Studienfach27.02.2017

Italienischer MasterstudiengangAusufernde Korruption als Studienfach

Die systematische und wissenschaftliche Aufarbeitung von Korruption ist das Ziel eines Masterstudiengangs an der römischen Hochschule La Sapienza. Bisher haben sich rund 150 Studenten eingeschrieben - sie hoffen unter anderem auf Beschäftigung in regionalen Zweigstellen der staatlichen Antikorruptionsbehörde, die gerade im ganzen Land gegründet werden.

Von Thomas Migge

Zwei Hände. Die eine Hand gibt der andere mehrere Euroscheine. (dpa/ picture-alliance/ Franziska Kraufmann)
Korruption ist in Italien immer noch ein großes Problem. (dpa/ picture-alliance/ Franziska Kraufmann)
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Ein junger Mann, Student in Rom, erzählt von seinen ganz persönlichen Erfahrungen mit Korruption. Im römischen Unialltag, in dem es gar nicht selten ist, dass Professoren bestochen werden, um einem Studenten eine gute Abschlussnote zuzuschachern.

Während Paolo Pasetti von der Freiwilligenorganisation "Noi contro la corruzione", Wir gegen die Korruption, von seinen Erfahrungen beim Aufdecken von Uni-Korruption berichtet, lauschen nicht nur Hochschulprofessoren, sondern auch Staatsanwälte und Soziologen.

Die kleine Aula der römischen Hochschule La Sapienza ist brechend voll. Mit Studierenden, die einen Master in, so der Titel "corruzione sistematica", systematische Korruption, belegen. Im Anschluss an Pasetti spricht Eleonora Cimbro. Die sozialdemokratische Abgeordnete arbeitet in verschiedenen Parlamentskommissionen zur Korruptionsbekämpfung:

"Es ist absolut wichtig, dass die Hintergründe der systematischen Korruption in Italien mit wissenschaftlichen Methoden verschiedenster Disziplinen besser als bisher aufgedeckt und analysiert werden."

Italien gilt als korrupt

In einem internationalen Ranking der korruptesten Länder, erstellt von Interpol, steht Italien an 54. von 111 Positionen. Politikern, Staatsanwälten, Richtern, Ermittlern und Soziologen zufolge ist Italien in nahezu allen Lebensbereichen von korrupten Verhaltenselementen durchdrungen. Grund genug also, Italiens Korruption auch zum Hochschulthema zu machen. Mit dem Ziel, dieses gesellschaftliche Phänomen gründlicher als bisher zu beschreiben und zu analysieren.

Der Masterstudiengang entstand in Zusammenarbeit mit Raffaele Cantone, dem Direktor der nationalen Behörde zur Korruptionsbekämpfung. Auch Cantone selbst ist Dozent des Studiengangs.

"Es geht doch darum, mehr und bessere Instrumente zur Korruptionsbekämpfung zur Verfügung zu haben. Angehende Politikwissenschaftler, Soziologen und Kriminologen erhalten bei diesem Master von Fachleuten wichtige Hintergrundinformationen."

Bisher 150 Studenten eingeschrieben

Bisher haben sich rund 150 Studierende vor allem aus gesellschaftswissenschaftlichen Fakultäten bei dem Masterstudiengang eingeschrieben. Der Master, bei dem etwa 30 Experten aus den verschiedensten Bereichen unterrichten, dauert drei Monate. Geboten wird das gesamte historische und aktuelle Spektrum des Themas Korruption: von den ganz großen Korruptionsfällen des Italiens der 1870er-Jahre bis hin zur aktuellen, ganze Regionen erfassenden Korruption Süditaliens durch die Mafia.

Der neue Masterstudiengang entstand als Fortentwicklung eines seit einigen Jahren an La Sapienza existierenden Masterstudiengangs in englischer Sprache mit dem Titel "Global regulation of market". Dieser Studiengang thematisiert das Thema Korruption allerdings nur am Rande. Der neue Studiengang will diese Lücke schließen.

So begrüßenswert die Initiative des Masterstudiengangs auch ist: Wo sollen die Korruptionsexperten zum Einsatz kommen? Marco De Carli, Soziologiestudent und Master-Teilnehmer:

"Ich möchte nach meinem Studium etwas Konkretes tun. Es sollen ja Antikorruptionsexperten in Kommunen und Regionen zum Einsatz kommen. Das wäre was für mich."

Tatsächlich plant die Regierung die Schaffung von Zweigstellen der staatlichen Antikorruptionsbehörde im ganzen Land. Ein ehrgeiziges und gerade für Italien sehr wichtiges Projekt, um gezielter vor Ort die verschiedenen Formen der Korruption erkennen und bekämpfen zu können.

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