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Katerstimmung auf der Windmesse in Husum

Branche fordert klare Wachstumssignale von der Politik

Von Dietrich Mohaupt

Peter Altmaier (CDU), Bundesumweltminister
Peter Altmaier (CDU), Bundesumweltminister (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Die Aufforderung von Bundesumweltminister Peter Altmaier an die Bundesländer, das Tempo ihres Windenergieausbaus zu drosseln, sorgt für schlechte Stimmung in der Branche. Auf der Weltleitmesse in Sachen Windenergie in Husum war sein Vorstoß überall Thema – von einer Fehleinschätzung der Lage sprach gar der Präsident des Bundesverbandes Windenergie.

Dunkle, drohende Wolken über der schleswig-holsteinischen Westküste, kräftige Windböen zerren an den Fahnen vor den Messehallen in Husum – ein Bild mit Symbolkraft in diesen Tagen.

Ausgerechnet zum Auftakt der Weltleitmesse in Sachen Windenergie hatte Bundesumweltminister Peter Altmaier die Bundesländer aufgefordert, das Tempo ihres Windenergieausbaus zu drosseln. Nach aktuellem Stand, so seine Rechnung, sei in den Ausbauplänen der Länder etwa 60 Prozent mehr Windstrom vorgesehen als nötig, um die Energiewende zu schaffen. Eine Argumentation, mit der er beim schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Torsten Albig auf wenig Gegenliebe stieß.

"Die Pläne helfen uns nicht, sie sind kontraproduktiv. Wenn Sie heute schon das Preisgefüge im EEG anschauen, dann macht Onshore-Wind EEG günstiger und nicht teurer – das ist also der Beitrag, der Kosten senkt. Deutschland braucht erneuerbare Energien und vor allem Onshore-Wind. Und der wird im Norden und da vor allem in Schleswig-Holstein produziert. Jede Idee, das zu dämpfen und zu drosseln, führt in die falsche Richtung."

Also – runter von der Bremse, forderte Albig den Umweltminister auf, und bekam dafür reichlich Beifall von der versammelten Windenergiebranche. In den Messehallen war der Altmaier-Vorstoß überall Thema – von einer Fehleinschätzung der Lage sprach gar der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers.

"Wir haben in der Tat die Auffassung vertreten, dass man hier sehr sensibel sein muss, wenn man jetzt hier Begriffe wie 60 Prozent zu viel Windenergie, Deckel für die Branche in die Öffentlichkeit stellt."

Statt Kritik und negativer Kommentare aus der Politik brauche die Branche klare Wachstumssignale. Vom schleswig-holsteinischen Regierungschef habe man diese Signale auch erhalten, das Land wolle seine Windstromproduktion nahezu verdreifachen, betont Albers.

"Ministerpräsident Albig hat verkündet, dass der derzeitige Stand von 3300 Megawatt auf 9000 Megawatt ausgebaut werden soll und dass man auf diesem Weg 300 Prozent des Landesbedarfs in Windstrom produzieren will. Deswegen ist auch wirtschaftlich die Windenergie die tragende Säule der Wirtschaftspolitik in Schleswig-Holstein – zehn Milliarden Euro werden hier in diesem Bereich investiert werden."

Vorrang für Windenergie aus dem Norden – so die ganz klare Forderung von Albers und Albig, die offenbar auch angekommen ist beim Bundesumweltminister. In Husum war von ihm plötzlich nichts mehr zu hören über eine mögliche Drosselung der Ausbaupläne in den Ländern. Er habe nicht vorgehabt, einzelnen Regionen so etwas wie ein Einsparziel zu verordnen, betonte Altmaier – aber er wolle schon darauf hinweisen:

"dass es zu kleineren Problemen führen kann, wenn Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachen sagen: Wir möchten gerne Windstrom produzieren für die Bundesländer und Industriezentren im Süden" – wenn dann aber im Süden Länder wie Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern erklären, dass sie auf Stromautarkie setzen und ebenfalls den Ausbau der Windenergie massiert vorantreiben wollen."

Deshalb, so Altmaier weiter, müsse es eine Art Masterplan für die nächsten Jahre geben. Es dürfe auf keinen Fall 16 Einzel-Energiewenden in den Bundesländern geben – Ziel müsse weiterhin die Energiewende in Deutschland sein und dafür brauche man ein Gesamtkonzept.

"Wir müssen uns in diesem Gesamtkonzept darauf einigen, welche Windstrommengen auch garantiert abgenommen werden, von den Regionen, die den Strom benötigen, wir müssen uns darauf einigen, in welchen zeitlichen Dimensionen der Ausbau der Windenergie vorangehen soll, und wir brauchen vor allen Dingen auch einen Ausbau der Netze, der standhält mit dem Ausbau der Windenergie."

Und völlig klar ist natürlich für Peter Altmaier, dass er bei der Entwicklung dieses Gesamtkonzepts die Führungsrolle beansprucht – eine klare Ansage an die Politiker in den Bundesländern und an die gesamte Windenergiebranche.



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