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Katzen oder Kolonnaden?

In Rom tobt ein Streit zwischen Tier- und Antikenfreunden

Von Thomas Migge

Die Freiwilligen pflegen kranke Katzen, sterilisieren sie und versuchen sie zu vermitteln. (AP Archiv)
Die Freiwilligen pflegen kranke Katzen, sterilisieren sie und versuchen sie zu vermitteln. (AP Archiv)

Der Platz des Largo di Torre Argentina in Rom ist von zahlreichen Katzen bevölkert. In einer Baracke kümmern sich Freiwillige um die Tiere. Eine Archäologin will das Tempel-Areal vom illegalen Bau befreien, denn es ist eine wichtige archäologische Grabungsstätte der italienischen Hauptstadt.

Bei Katzen und Kultur denkt man in Italien gleich an Rossinis fast schon populäres Katzenduett. Auf die Idee einer Beziehung zwischen den Vierbeinern und antiken Ruinen kommt man eher nicht. Und doch bewegt diese Beziehung die römische Archäologin Fedora Filippi seit Langem:

"In einem antiken Tempel, dem Tempel D am Largo Torre Argentina, erhebt sich eine Art Baracke, in der Katzen untergebracht sind und wo sich Frauen um diese Tiere kümmern. Diese Katzenvereinigung hat das Podium des Tempels besetzt."

Und das seit vielen Jahren. Die Katzenkolonie vom Largo Torre Argentina, dank der Erwähnung in zahllosen Romreiseführern und Reportagen in aller Welt bekannt, kümmert sich um kranke und ausgesetzte Tiere, sterilisiert und füttert sie und sorgt auch dafür, dass sie, wenn möglich, an Tierliebhaber vermittelt werden. Die "Colonia felina di Torre Argentina" ist ein gut besuchtes Reiseziel für Romtouristen. Dumm ist nur, dass sich die Baracke der "gattare", wie man in Italien leidenschaftliche Katzenliebhaberinnen nennt, inmitten einer der wichtigsten archäologischen Grabungsstätten Roms erhebt, klagt Fedora Filippi, die als Superintendentin des historischen Zentrums von Rom auch für den Largo Torre Argentina zuständig ist:

"Wir haben es hier mit einer Gruppe von Tempeln aus der Zeit der römischen Republik zu tun. Die Ruinen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt. Diese Tempel sind wirklich gut erhalten. Hier wurde auch Julius Cäsar ermordet. Es handelt sich also um einen Ort von zentraler Bedeutung für das Verständnis des antiken Rom."

Ein Ort, den die Katzenliebhaberin Filippi von der hässlichen Baracke der "gattare" befreien will. Es geht ihr um die Integrität der antiken Ruinen des republikanischen Forums. Vor zwei Jahren ließ sie das Gesundheitsamt kommen. Die Beamten stellten fest, dass das Gebäude mit Küche und Heizung geltenden Vorschriften widerspreche und entfernt werden müsse. Die Archäologin wandte sich darauf hin an die Stadtverwaltung. Auch wenn die archäologische Zone des Largo Torre Argentina staatlich ist untersteht sie der Stadt Rom.

Dazu Silvia Viviani von der Katzenkolonie:

"Ohne uns öffnet sich hier ein schwarzes Loch, denn wer soll sich um die vielen Tiere kümmern? Man will uns vertreiben, aber zum Glück steht der Bürgermeister voll hinter uns. Er kam uns vor Kurzem besuchen und erklärte, dass er und Certosino, seine eigene Katze, nichts unversucht lassen werden, um unsere Präsenz an diesem Ort zu verteidigen. Wer sollte uns auch ersetzen können?"

Archäologin Filippi ist dank der Popularität der "gattare" vom Largo Torre Argentina und eines Teils der Presse, die nur einseitig für die Katzenbetreuerinnen Stellung bezieht, zur Buhfrau der Auseinandersetzung geworden. Seit Monaten erhält sie Mails mit zum Teil üblen Vorwürfen und Beleidigungen. Sie verteidigt sich:

"Jeder weiß, dass Katzen in Rom einen besonderen Schutz genießen. In meinem Zuständigkeitsbereich befinden sich verschiedene offiziell geschützte Katzenkolonien: im Kolosseum, bei der Cestius-Pyramide, den Diokletiansthermen und beim Largo Argentina. Das sind die sogenannten ‚archäologischen Katzen’. Sie sind fester Bestandteil des römischen Images."

Die Katzenkolonie am Largo Torre Argentina unterscheidet sich aber von allen anderen durch den Umstand, dass sich die "gattare" dort häuslich eingerichtet haben und so manchen Müll, so das Gesundheitsamt, einfach in den antiken Ruinen entsorgen. Ganz zu schweigen von dem Gestank, den die Unterbringung dutzender von Katzen erzeugt. Fedora Filippi verweist auf das Gesetz – und das untersagt kategorisch Bauten in archäologisch geschützten Zonen.

Und was nun, jetzt, wo sich der Bürgermeister hinter die "gattare" gestellt hat?

Der Archäologin wurde nahe gelegt, erst einmal die Finger von der ganzen Sache zu lassen: Am 24. Februar stehen Parlamentswahlen an und da könnte, so legte man ihn von "ganz oben" nahe, ihr Einsatz gegen die Katzenfrauen und somit gegen den rechten Bürgermeister Roms als politisch motiviert ausgelegt werden.

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