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Kaum Schatten auf der Weste

Das Museum Ludwig stellt Forschungsergebnisse zur Sammlung Haubrich vor

Stefan Koldehoff im Gespräch mit Beatrix Novy

Das Museum Ludwig zeigt Meisterwerke aus der Sammlung Haubrich. (museenkoeln)
Das Museum Ludwig zeigt Meisterwerke aus der Sammlung Haubrich. (museenkoeln)

Das Kölner Museum Ludwig zeigt in einer neuen Ausstellung "Meisterwerke der Moderne" aus der Sammlung Haubrich. Mit Spannung wurde vor allem der begleitende Katalog erwartet, der die Provenienz der Sammlungsstücke historisch aufarbeitet. Der Kunstsammler Johannes Haubrich hatte seine Sammlung direkt 1946 der Stadt Köln geschenkt.

Beatrix Novy: Auf den Namen Haubrich ließen die Kölner nie etwas kommen: Er verkörperte das Beste am Geist der Stadt: Vorurteilslosigkeit, Großzügigkeit, Geselligkeit, Kunstsinn. Der 1889 geborene Rechtsanwalt Josef Haubrich sammelte Werke zeitgenössischer deutscher Künstler auch noch, als die von den Nazis verfemt waren. Nach dem Krieg wurde seine Sammlung berühmt und der Grundstock für das Wallraf-Richartz-, später Museum Ludwig. Aber auch diese Geschichte hat ihre Schatten, ihre Grauwerte, könnte man sagen: Haubrichs jüdische Ehefrau nahm sich 1944 das Leben. Vorwürfe gegen ihn wurden später laut, er habe sie nicht genug unterstützt. Als man sich noch viel, viel später zu fragen begann, unter welchen Umständen Künstler ihre Werke während des Dritten Reichs weggegeben hatten, da blickte man dann irgendwann auch die Sammlung Haubrich. Eine schöne Sammlung, die jetzt im Museum Ludwig als Ganzes erlebt werden kann, mit ihren Chagall, Kirchner, Grosz, Corinth, Kokoschka, Liebermann, Modersohn-Becker. Aber, die Frage ging an Stefan Koldehoff , so schön, so toll das alles ist, der Anlass war ja auch die Frage: Ging beim Erwerb alles mit rechten Dingen zu?

Stefan Koldehoff: Ja, das muss man ganz offen so sagen: wobei viele dieser Werke schon im Museum gehangen haben. 1946 ist diese Sammlung Haubrich ja der Stadt Köln geschenkt worden ganz deutlich mit der Maßgabe, sie bitte ins Museum zu integrieren, also nicht, wie das heute so viele Sammler gern haben, separat zu zeigen, sondern das sollte der Grundstock für eine neue moderne Sammlung werden. Und dann gibt es ja eine junge, kluge, kompetente und sehr engagierte Kuratorin, Julia Friedrichs, am Museum Ludwig in Köln, die eben auch mitbekommen hat, dass es diese Fragen, die Sie, Frau Novy, angesprochen haben, in den letzten Jahren gegeben hat - wie ist denn diese Sammlung nach 1933 weitergeführt worden? Was wusste Haubrich, was konnte er überhaupt wissen? -, und die sich gesagt hat, dann müssen wir dieses Thema jetzt einfach mal angehen. Und eigentlich war diese Kuratorin zuständig für die Papierarbeiten im Museum, hat dann aber auch die Verantwortung für die Erforschung der Sammlung Haubrich übernommen.

Novy: Wann war das?

Koldehoff: Das muss vor einigen Jahren gewesen sein, denn so eine Ausstellung und vor allen Dingen auch den begleitenden Katalog, der eigentlich so wichtig ist wie die Ausstellung, das stampft man ja nicht mal eben aus dem Boden. Da werden zum ersten Mal die Bilder nicht nur in klugen Essays verschiedener Autoren vorgestellt, da gibt es hinten auch ein Gesamtverzeichnis der Sammlung Haubrich, und das zum ersten Mal mit den Provenienzen. Gesamtverzeichnis beschränkt auf die Bilder, für die Papierarbeiten hat das vorher schon mal stattgefunden, soll auch noch mal überarbeitet werden. Das ist schon eine große wissenschaftliche Leistung. Das ist aber vor allen Dingen auch eine große Entscheidung, die dieses Museum da getroffen hat, denn es gibt viele andere Museen in Deutschland, die auch wissen, dass ihre Sammlung zumindest mit Fragezeichen behaftet ist, die sich an eine solche Herkulesaufgabe bislang aber nicht rantrauen oder nicht wollen.

Novy: Was hat man denn nun für Ergebnisse zutage gefördert?

Koldehoff: Erstaunlicherweise - und man kann sagen zum Glück fürs Museum und für die Stadt Köln - weniger als befürchtet. Also Frau Friedrichs sagte mir im Gespräch, sie habe die Publikationen der letzten Jahre verfolgt und damit gerechnet, dass man da nun gleich Dutzende von Werken infrage stellen muss, was den rechtmäßigen Erwerb angeht. So ist es aber offenbar nicht. Josef Haubrich hat viel vor 1933 gesammelt. Er hat auch nach 1945 die Sammlung noch erweitert. Er hat einen Fonds zur Verfügung gestellt, damit die Stadt Köln zusammen mit ihm weitere Werke ankaufen konnte. Und bei dem, was dazwischen, zwischen '33 und '45 gekauft wurde, da sind wohl nur wenige Fragezeichen. Es geht in allererster Linie um ein Bild von Oskar Kokoschka, ein Porträt der Schauspielerin Tilla Durieux. Damit soll sich wohl demnächst auch die Limbach-Kommission zu streitigen Raubkunstfragen befassen. Es geht um ein Gemälde von George Grosz und um wenige weitere Arbeiten, bei denen noch mal tiefer geforscht werden muss.

Novy: Nun ist doch die Dokumentation der Anschaffung im Stadtarchiv gelandet, und das, wissen wir ja, ist eingestürzt und untergegangen. Hat das nicht die Arbeit beeinträchtigt?

Koldehoff: Das ist natürlich ein Problem gewesen, weil sich im Stadtarchiv auch große Teile des Haubrich-Archivs befunden haben. Aber die Karteikarten, die der Sammler zu jedem Bild handschriftlich angelegt hat, da gab es Gott sei Dank vorher schon Kopien im Museum Ludwig, mit denen man arbeiten konnte. Vieles andere aber ließ sich zurzeit nicht bearbeiten, weil immer noch nicht bekannt ist, wohin denn welche Fundstücke gebracht worden sind. Natürlich ist es im Grunde genommen eine richtige Aufgabe - diese Sammlung aufzuarbeiten - zum falschen Zeitpunkt, weil alle Archivalien noch nicht da sind. Aber wann dieser richtige Zeitpunkt sein wird, wann alles wieder zur Verfügung steht, vermag in Köln niemand zu sagen. Und da schon mal anzufangen und das Ganze vielleicht auch als Work in Progress zu betrachten und eventuell irgendwann mal fortzuschreiben, das ist sicherlich keine falsche Entscheidung gewesen.

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