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StartseiteWirtschaft am MittagSchrauber für E-Autos14.09.2017

Kfz-HandwerkSchrauber für E-Autos

Auf der Internationalen Automobilmesse entsteht der Eindruck, dass die Autobauer in Zukunft in großem Stil auf Elektroautos setzen wollen. Müssen die Auszubildenden deshalb bald statt Benzin Strom im Blut haben? Und wie können sich Fachkräfte entsprechend weiterbilden?

Von Silke Hahne

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An einer Ladestation im Zentrum von Leipzig am Augustusplatz stehen Elektroautos - ein Tesla und ein Volvo - zum "Auftanken". (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)
Für die Reparatur von Elektroautos bedarf es einer besonderen Ausbildung. (picture alliance / dpa / Volkmar Heinz)
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Das deutsche Kfz-Gewerbe sucht seine Fachkräfte der Zukunft im Untergeschoss der IAA: Zwischen der Bundeswehr und einem Anbieter von Auto-Zierleisten hat der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, ZDK, seinen Stand für junge Menschen auf Ausbildungssuche aufgebaut. Vor den Publikumstagen ist es hier noch eher ruhig. Im Hintergrund laufen Imagefilme über die verschiedenen Ausbildungsberufe. Und einige echte Azubis gibt es hier auch: Sie stehen zwischen der Deko herum – blauen Metallboxen wie in einer Werkstatt. In türkisfarbenen T-Shirts, auf denen steht: "#wasmitautos". Einer von ihnen ist Christopher Seebesse. 

"Ich bin 22, hab die Ausbildung bei Mini-Frankfurt angefangen, das ist eine Niederlassung der BMW AG. Also ich bin jetzt im dritten Lehrjahr."

Und zwar zum Kfz-Mechatroniker. Christopher Seebesse ist ein klassischer Schrauber. Seit September 2015 ist er dabei, seine Ausbildung hat angefangen, kurz bevor der Abgasskandal publik wurde. Gelitten hat die Beliebtheit der Ausbildung seitdem nicht, sagt Birgit Behrens. Sie ist die Geschäftsführerin für Berufsbildung beim ZDK.

"Also ich hab auch gedacht, dass es unter Umständen einen kleinen Einfluss darauf nehmen könnte, aber es ist nicht so festzustellen. Die Ausbildungszahlen sind im Kfz-Handwerk – oder beim Kfz-Mechatroniker – entgegen dem Trend im Handwerk positiv, nämlich steigend."

Wenn auch moderat: um etwa ein Prozent im Jahr. Momentan starten rund 23.000 junge Menschen jährlich in die Ausbildung, in kleinen, mittleren und natürlich auch den ganz großen Betrieben.

Wer an E-Autos schraubt, braucht eine andere Ausbildung

Dabei ist die Zukunft der Branche gerade ungewisser denn je – vor allem die Zukunft der Verbrenner-Technologie. Auf der IAA sind die Autobauer in die vollen gegangen und haben Elektro-Modelle in großer Zahl angekündigt. Müssen die später mal in die Werkstatt, dürfte aber so mancher Betrieb vor einem Problem stehen: Der normale Kfz-Mechatroniker darf am E-Auto nicht Hand anlegen. 

Auf die Entwicklung Richtung Elektromobilität hat das Kfz-Gewerbe schon vor dem Abgasskandal reagiert: Vor dreieinhalb Jahren wurde die Ausbildungsordnung neu verfasst. Seitdem können Auszubildende den Schwerpunkt "System- und Hochvolttechnik" wählen - dann ist ihnen das Werkeln an E-Autos erlaubt.

"Und dieser Schwerpunkt ist in der Summe steigend, was die Ausbildungszahlen angeht."

"Der Geruch, die Geräusche, das brauch ich einfach"

Fünf Prozent der Azubis entscheiden sich dafür – entgegen 80 Prozent, die die klassische Pkw-Technik vertiefen. Letztere fand auch Christopher Seebesse ansprechender. An die Zukunft hat er dabei weniger gedacht, es war eine Bauch-Entscheidung:

"Eigentlich nur aus dem Grund, weil ich mir lieber die Finger schmutzig mache, als mit Kabeln rumzufummeln. Ich glaube das war der einzige Grund. Also ich hab kein Problem damit, mit Kabeln oder mit Strom zu arbeiten, find das auch sehr interessant, die Technik. Aber es war einfach nicht so meins. Ich wollte halt einfach weiter irgendwie an den Motoren schrauben, direkt Verbrennungsmotoren: Der Geruch, die Geräusche, das brauch ich einfach – ich bin altmodisch, sag ich mal, was das angeht."

Trotzdem überlegt er, nach der Ausbildung noch Elektrotechnik zu studieren, oder etwas anderes – Hauptsache Autos, ist seine Devise. Für seine Kollegen, die vielleicht ihr ganzes Berufsleben in der Werkstatt bleiben, sieht er aber ganz klar:

"Ich glaube für diejenigen, die den Beruf wählen so wie ich – also Personenkraftwagentechnik – für die wird’s irgendwann schwierig. Die müssen sich wahrscheinlich irgendwann weiterbilden. Weil so wie die Entwicklung im Moment aussieht, geht’s schon hin zu Elektroautos, zu Hybrid und so weiter. Und wann wird’s schwierig, wenn man doch irgendwann nur die Verbrennungsmotoren reparieren kann."

Solche Weiterbildungen gibt es auch jetzt schon. Sodass das sprichwörtliche Benzin im Blut nicht zur Sackgasse für die Auto-Fachkräfte wird. 

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