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StartseiteBücher für junge Leser"Das Dunkle zieht mich an"08.04.2017

Kinderbuchillustratorin Britta Teckentrup"Das Dunkle zieht mich an"

Sonnenbilder zu malen falle ihr sehr viel schwerer als Schattenbilder, sagte die Kinderbuch-Illustratorin Britta Teckentrup im DLF. Sie startete ihre künstlerische Karriere im Ausland, ist nun aber auch auf dem deutschen Markt präsent: Mit ihrem Sachbuch "Alle Wetter" wurde sie für den Deutschen Literaturpreis nominiert.

Britta Teckentrup im Gespräch mit Ute Wegmann

Frau läuft über die Straße. Gegenlichtaufnahme. (imago / allOver-MEV)
Frau läuft über die Straße. Gegenlichtaufnahme. (imago / allOver-MEV)

Ute Wegmann: Britta Teckentrup, nur einen Ausschnitt Ihres Werkes habe ich betrachtet und stelle eine enorme Bandbreite fest. Da gibt es die Pappen für die ganz Kleinen wie zum Beispiel "Meine kleine Eule/Meine kleine Maus" auf Naturpapier gedruckt in matten Farben oder die Muster-Such-Zuordnungsbücher meist mit Tieren, wo man mal Paare, mal das Individuum finden muss, Bilder-Sachbücher über den Baum oder Bienen. "Alle Wetter" und auch eines ihrer neueren Bücher "Worauf wartest du?" bieten freie künstlerisch gestaltete Bilder. Ist das eine eine Pflicht, das andere Kür?

Teckentrup: Es ist eine Entwicklung, dass ich jetzt angekommen bin an den Büchern, die ich schon vor Jahren machen wollte, was aber noch nicht möglich war. Ich habe Illustration und freie Kunst studiert und in den Jahren 93/94 hab ich die Bilderbücher gemacht, um zu überleben. Ich wollte damals nicht Kinderbuchillustratorin oder -autorin werden, das hat sich so entwickelt. Bei meiner Degreeshow kam gleich ein Kinderbuchverlag auf mich zu und wollte ein Buch mit mir machen. Ich habe dann freie Kunst studiert und ich glaube, das Herz war mehr in der freien Kunst. Die Bilderbücher, ich hab's geliebt, aber es war mehr ein Job. Später erst habe ich registriert, dass ich gerne beides zusammen bringen wollte, dass das Buch mein Medium ist. Aber vor 10/15 Jahren war es schwer, solche Bücher an den Mann zu bringen, Bücher wie "Alle Wetter" und "Worauf wartest du", auch in England. Letztlich hat es solange gedauert, denn ich musste erst einen Verlag finden, mit dem ich so geklickt habe und der so mutig war, mich solche Bücher machen zu lassen.

Wegmann: Und das war der Verlag Jacoby & Stuart.

Teckentrup: Da kam dann alles zusammen, und das sind wirklich Herzensprojekte.

Wegmann: Wie muss man sich das vorstellen? Sind sie mit den freien Arbeiten zu Edmund Jacoby gegangen. Und der hat gesagt: Das finde ich wunderbar?

Teckentrup: Ich habe davor schon mit ihm Bücher gemacht, die nicht so frei waren. Habe ihm aber immer schon meine freie Kunst gezeigt. Wir haben nicht so richtig den Weg gefunden. "Alle Wetter" sollten vier Bücher werden: über Sturm, Nebel – ich habe immer die düsteren Wetter, und noch zwei, wie man sich als Kind fühlt, wenn man diese extremen Wetterlagen erlebt. Schnell war klar, dass wir gemeinsam daraus ein großes, dickes Buch machen wollen. Und Edmund hat gesagt: Mach doch, was du willst und arbeite frei. Habe kein kleines Kind als Hauptcharakter. Er hat mir vollkommen Freiraum gegeben, mich auszuleben und es so zu entwickeln, wie ich es möchte. Beide haben mich wahnsinnig toll unterstützt. So ist das Wetter-Buch entstanden und zu dem geworden, was es ist.

Über Britte Techentrup:
Geboren in Hamburg, aufgewachsen in Wuppertal. Mit 18 Jahren zum Studium nach London. Sie studierte Illustration und Kunst an dem renommierten St. Martins College and Royal College of Arts, an dem auch Judith Kerr und Axel Scheffler ihre Ausbildung machten. Seit 1993 ist sie Bilderbuchmacherin, sie illustriert und textet gleichermaßen. Ihr Werk umfasst über 90 Titel, die in etwa 20 Länder verkauft werden. Nach 17 Jahren in Großbritannien lebt sie jetzt mit ihrer Familie in Berlin.

Wegmann: Das ist ja der Traum eines jeden Künstlers, einer jeden Künstlerin, einen solchen Verleger zu finden.

Teckentrup: Vollkommen.

Wegmann: Über "Alle Wetter" sprechen wir gleich noch. Nun haben Sie vorhin gesagt, bei einer Degreeshow wurden sie entdeckt?

Teckentrup: Das ist die Endausstellung nach dem BA oder nach einem Masterstudium in England.

Wegmann: Das ist doch auch schon ungewöhnlich. Oder ist das in England normaler?

Teckentrup: Das war vollkommen ungewöhnlich. Gleich nach dem Studium hab ich diese tolle Verlegerin gefunden, die mit mir vier Bücher gemacht hat. Nach dem zweiten hat sie mich zum Schreiben aufgefordert. Sie hat mir vollkommenes Vertrauen entgegengebracht, als ich noch mehr im Visuellen verhaftet war. Sie hat mir den Mut gegeben, zu schreiben. Da hatte ich schon sehr viel Glück.

Wegmann: Sie haben großen Erfolg in England, schreiben auch in Englisch. Aber Sie haben den Sprung auf den deutschen Markt erst vor kurzem geschafft, nachdem ihre Bücher in alle möglichen anderen Länder verkauft wurden. Sie sind kein Einzelfall. Es gibt einige Kolleg/innen, die sehr erfolgreich in Frankreich oder Großbritannien publizieren, aber in Deutschland nicht so gesehen werden. Ist das ein Geschmacksphänomen? Oder präsentiert sich der Bilderbuchmarkt anders in Großbritannien?

Teckentrup: Es ist ganz kompliziert, und es gibt nicht eine Antwort. Ich selber hab den deutschen Bilderbuchmarkt vom Ausland aus ganz anders gesehen als jetzt. Jetzt bin ich zehn Jahre wieder hier. Ich hatte die ganzen tollen Autoren und künstlerischen Bücher, die es auch gibt, nicht wahrgenommen. Dafür musste ich hier leben. Mir wurde in England oft gesagt, meine Arbeiten sehen Deutsch aus. Und in Deutschland, meine Arbeiten sehen Englisch aus. Die Verlage hier konnten meine Entwicklung auch gar nicht mitbekommen.

Wegmann: Der deutsche Bilderbuchmarkt hat sich aber auch in den letzten zehn Jahren stark verändert. Da muss man auch hinschauen. Eins der ersten Bücher auf dem deutschen Markt war "Der Baum der Erinnerung" bei ars edition. Es geht darum, nach dem Tod die Erinnerung an jemanden wachzuhalten und somit die Wichtigkeit eines Tieres, eines Menschen zu betonen. In Ihrem Buch ist es ein Fuchs. Der Fuchs in Verbindung mit dem Tod kommt vor. Warum haben Sie einen Fuchs gewählt? Was symbolisiert der Fuchs?

Teckentrup: Bei mir hatte das eine visuellen Symbolik: Ich habe den Schnee für den Tod gewählt, für das Umfeld des Fuchses. Und der Fuchs trägt die Farbe des Lebens. Das starke Orange und der Baum wird dann Orange. Für mich war der Kontrast wichtig von Orange zu Schnee. Deshalb der Fuchs.

Wegmann: Es gibt zwei Sachbücher, eins über den Baum während der Jahreszeiten und eins über Bienen. Farbenfrohe Bilderbücher mit vielen Tieren und Blumen und wenig Text. Mittig eine Aussparung im Buch. Beim Baum sitzt in der kleinen Vertiefung eine Eule, beim Bienenbuch eine Biene. Braucht es solche spielerischen Variationen?

Teckentrup: Es ist vom englischen Verlag Little Tiger gewünscht. Es ist nicht mein Konzept. Ich habe das dann sozusagen nur illustriert. Aber ich kann verstehen, warum sie das wollten. Sie sind bekannt für solche Konzepte.

Wegmann: Das ist ja interessant, zu wissen, sonst denkt man, sie hätten zur Spannungserhöhung das Loch geschaffen.

Teckentrup: Es ist auch spannender. Kinder finden das spannend.

Wegmann: Ihre Bilderbücher sind eher farbintensiv, mit kräftigen Farben gemalt, die letzten Bücher wirken zart, ein wenig wie gepudert. Mit welchem Material arbeiten Sie? Und wie arbeiten sie überhaupt?

Teckentrup: Mischtechnik aus strukturiertem Papier, Collagen und digitaler Arbeit. Meine ersten Bücher waren reine Collagen. Früher saß ich im Atelier, habe Papiere bedruckt und mit der Nagelschere alles ausgeschnitten. Papiere bedrucke ich immer noch, aber ich scanne die Papiere und sie werden am Computer weiterbearbeitet.

Wegmann: Das ist typisch für ihre Bücher, dass ihre Texte sparsam eingesetzt sind, oft gereimt, meist im Schema aabb oder abab. "Im ganzen Wald herrscht tiefe Stille, alles ruht in Winters Hülle. Die Eule sitzt im Baum und sieht, was im Wald rundum geschieht. Der letzte Schnee ist fast verschwunden, es strecken sich die Sonnenstunden. Knospen spähen aus der Erde, ob es endlich Frühling werde?" aus: "Der Baum der Jahreszeiten". Was reizt am Reim? Nun muss aber noch dabei bedenken, dass der Text aus dem Englischen zurück übersetzt ist.

"Beim Reim entstehen neue Bilder"

Teckentrup: Beim Reim entstehen noch mal neue visuelle Bilder, weil der Reim etwas Bildliches hat. Es ist das Spielerische, was ich daran so liebe. Und die Emotionalität, die der Reim hat.

Wegmann: Es gibt viel Natur in Ihren Bildern. Bäume, Blumen, Pflanzen. Dann das Wetterbuch. Sind Sie eine Natur- und Tierliebhaberin? Ist Natur für Sie Inspirationsquelle?

Teckentrup: Ich bin vollkommener Stadtmensch. Ich bin auch selten in der Natur, mache auch keine Spaziergänge. Ich glaube, "Alle Wetter" – das sind Kindheitserinnerungen, Gefühle, die ich hatte, als ich klein war. Mein erstes Gewitter. Nebel. Ich bin schon inspiriert von der Natur, aber mich zieht es nicht aufs Land. Vielleicht ist es so eine Sehnsucht von früher, da habe ich gegenüber von einem Wald gelebt. Es hat viel mit meiner Kindheit zu tun.

Wegmann: Alle Angaben zu den Büchern finden Sie im Internet unter deutschlandfunk.de. Zu Gast heute im Büchermarkt die Künstlerin Britta Teckentrup. Im Vorwort des Wetterbuchs, in dem Wetter unter phänomenologischen und meteorologischen Aspekten betrachtet wird, sehr kindgerecht vermittelt, erwähnen Sie Ihre Meister: Tizian und Turner, Caspar David Friedrich, Claude Monet, Van Gogh und Hockney, allesamt Maler, bei denen das Wetter immer eine Rolle spielte. Waren die hier Genannten stilistisch Ihre Vorbilder? Oder waren es einzelne Gemälde?

Teckentrup: Einzelne Gemälde, manchmal nur ein Wolkenausschnitt. Wer auch vergessen wurde, wer einer meiner größten Vorbilder als Künstler ist, das ist Edvard Munch, von seinen Landschaftsbildern sind es alle. Oder Peter Doig.

Wegmann: Der zeitgenössische großartige amerikanische Künstler.

Teckentrup: Die Ausgewählten sind eine Mischung aus verschiedenen Epochen und zeigen Vielfalt, die sich im Buch auch wiederspiegelt.

Wegmann: Es gibt viel Regen und Grau. Und ein Bild, Seite 50: Da sieht man sechs Figuren im unteren Drittel, sie tragen knallbunte Regenschirme. Erinnerte mich an New York Bilder des großen amerikanischen Fotografen Saul Leiter. Hat die Fotografie Einfluss auf Ihre Bildgestaltung?

Teckentrup: Vielleicht schon. Es sind die großen, leeren Landschaftsbilder, die mich faszinieren. Ich habe mir darüber nicht so viele Gedanken gemacht. Aber jetzt, wo Sie es sagen: eigentlich schon.

Wegmann: Stadt, Land, Wald – im Wechsel schöne Abendstimmungen, Lichtspiele mit erleuchteten Fenstern, dem Mond, den Sternen. Ist das Dunkle Ihnen näher als das Helle?

"Es fiel mir sehr viel schwerer, die Sonnenbilder zu machen"

Teckentrup: Ja! Ich glaube schon. Es fiel mir sehr viel schwerer, die Sonnenbilder zu machen, die Bilder, wo alles klar ist, wo es keinen Schatten gibt. Das Dunkle zieht mich an, wie das Licht fällt, die Schatten, das hat so etwas Uneindeutiges, was mich fasziniert.

Wegmann: Menschen und Tiere sind dezent wie Schattenrisse eingesetzt; das sind übertupfte Collagen oder wie haben Sie das gebaut?

Teckentrup: Alles ist auf einer Ebene. Tiere, die Wolken, der Hintergrund. Und wenn man digital arbeitet, kann man eine Ebene der anderen anpassen. So erscheint es dann schemenhaft.

Wegmann: Der Text zu dem Wetterbuch ist eher nüchtern und sachlich, gut verständlich. Einzelne Begriffe, die Ihnen wichtig waren, sind grafisch hervorgehoben. Sie erklären Wolkenbildung, Unwetterarten und vieles mehr. Bebildert mit jeweils einseitigen Bildtafeln. Kunstwerken, die teilweise als wunderbare Landschaftsbilder einzeln bestehen könnten. Wie viel Recherche steckt in diesem Sachbuch?

Teckentrup: Vom Text her viel. Die Bilder entstehen zuerst, die sprudeln aus mir heraus. Es gab noch weitere 50 Bilder und wir mussten auswählen. Wenn ich einmal anfange, ist das wie ein Fluss, das betrachte ich gar nicht als Recherche. Es öffnet sich eine Tür in mir. Und irgendwann ist dann das Buch da. Beim Wetterbuch ist es mehr Erinnerung als Recherche.

Wegmann: Wie war das denn bei dem neuen Buch? "Worauf wartest Du?" Untertitel: "Das Buch der Fragen". Waren da auch zuerst die Bilder da?

Teckentrup: Ja, zuerst ganz viele Bilder. Es ist auch eine Art Weiterentwicklung von "Alle Wetter". Da gab es ganz viele Bilder von Menschen von hinten, die auf Landschaften blicken. Und ich wusste dann, es sollte nicht um die Landschaften gehen, sondern um die Menschen und die Fragen, die sich Menschen stellen. Ich habe mir anfangs zu den Bildern schon viele Fragen aufgeschrieben. Es gab lange Listen, 100 Fragen, das waren alles meine Fragen. Irgendwann haben die nicht mehr gereicht. Ich wusste, wir müssen die Fragen ausweiten auf: Was denken alte Menschen, was denken junge Menschen? Und dann haben wir gesammelt. Und schwer war, die Bilder und die Fragen auszusortieren und zusammenzubringen.

Wegmann: Um mal einige Fragen zu nennen: Warum habe ich Angst vor dem, was ich nicht kenne? (Bild: dunkle Seite, man sieht nur Beine eines Menschen, der weggeht) Werde ich meinen Platz finden? (vier aufeinandergestellte Stühle) Kannst du mich halten? Immer? (Mann auf Boden, Frau steht auf seinen Händen in Sporthalle) Spürst Du auch manchmal, dass du Flausen im Kopf hast? (Profilkopf, darüber ein wenig Landschaft mit einem Haus, weiße Flausen wie Schneeflocken). Das sind die Fragen, zu denen Sie wunderbare Bilder kreiert haben. Was war die Frage, die Sie am meisten bewegt hat?

Teckentrup: Die allerletzte Frage: Stellen sich eigentlich alle Menschen die gleichen Fragen?

Wegmann: Können Sie noch mal sagen, welches Bild Sie dazu gemacht haben?

"Anlass zum Reden, zum Philosophieren und zum Diskutieren"

Teckentrup: Eine Landschaft mit vielen Bäumen, ein lichter Wald. Und ganz viele Menschen irren durch die Bäume. Ich habe mich als Kind auch immer gefragt: Bin das jetzt nur ich? Denken meine Freunde dieselben Dinge oder meine Eltern. Die Frage ist so allumfassend, weil das Buch alle ansprechen soll, die Diskussion eröffnen soll zwischen Eltern und Kindern und Lehrern. Auch eine wichtige Frage ist: Warum geht es mir besser, wenn ich mit jemandem rede? Darum geht es ja. Das Buch soll für Kinder ein Anlass zum Reden, zum Philosophieren und zum Diskutieren sein.

Wegmann: Welches Bild haben Sie bei dieser Frage gemalt?

Teckentrup: Da stehen sich zwei Kinder gegenüber, die sich anschauen und an der Hand halten.

Wegmann: ... dass Sie Kinder sagen. Interessant ist ja, dass alle Figuren ohne Gesicht sind, oft von hinten, oder sogar angeschnitten, im Weggehen begriffen. Was war der Grund, die Figuren so zu gestalten?

Teckentrup: Damit sich jeder in der Person sehen kann. Bei Caspar David Friederichs bekanntem, schon erwähnten Bild hat das den gleichen Grund: Jeder sollte sich in die Lage des Betrachters versetzen können. Und so war auch mein Ansatz. Ich habe die Menschen von hinten gezeichnet, damit sie keinen besonderen Charakter haben, sondern der Leser selber soll nachdenken.

Wegmann: So kann man auch noch mal kurz das Cover beschreiben: Ein kleines Mädchen, das in einem sonnengelb-gestrichenen Zimmer am Fenster steht und in die bläulich dunkle Nacht zum Vollmond schaut. Das ist typisch für die Bildgestaltung wie auch hier die Figur gezeigt wird. "Worauf wartest Du?" ist der Titel dieses wunderbaren philosophischen Buches. Zwei neue Bücher erscheinen in diesem Frühjahr: "Das Ei" bei Prestel. Ein Sachbuch über das Ei, mit fokussiertem, überschaubarem Text und ganzseitigen Bildern, so wie wir sie aus den letzten Büchern kennen. Eher zart. Eher in warmen gedeckten Farben. Großformatig, in gedecktem Türkisgrün, auf dem Cover ein aufrechtstehendes Ei. Ich habe viel gelernt über das Ei. Und Sie, Britta Teckentrup, sind Sie eine Oologin?

Teckentrup: Eine halbe Oologin. Ich habe aber auch gemerkt, dass das Thema unerschöpflich ist, ich musste wirklich aufpassen.

Wegmann: Wir müssen noch erklären, was eine Oologin ist.

Teckentrup: Oologie ist das Studium der Vogeleier.

Wegmann: Nun geht es nicht nur um Vogeleier, es geht auch um Vögel und das Ei überhaupt. Sie haben ungeheuer viel recherchiert dafür?

Teckentrup: Ich musste so viel nachlesen. Es ist eine Wissenschaft für sich, wenn es um Vogeleier geht, das ist sehr kompliziert. In England gibt es darüber sehr dicke Bücher. Und jetzt weiß ich auch, warum.

Wegmann: Wir lernen viel über Vogeleier, Vogelarten – eine große Vielfalt. Es geht aber auch um andere Tiere, die Eier legen. Es geht um das Fabergé-Ei. Sie hatten aber nicht den Anspruch an sich selbst, alle Eier dieser Welt zu dokumentieren? Sondern Mut zur Lücke?

Teckentrup: Absolut. Ich musste Mut zur Lücke haben, weil ich gemerkt habe, sonst wird das Buch nie fertig. Ich habe mir die Sachen herausgesucht, die mich fasziniert haben. Welche haben etwas Besonderes an sich? Der erwachsene Ornithologe wird das ein oder andere vermissen, aber den Anspruch hatte ich auch nicht.

Wegmann: Haben Sie es in Deutsch oder in Englisch geschrieben?

Teckentrup: In Englisch.

Wegmann: Und warum nicht in Deutsch?

Teckentrup: Prestel verlegt gleichzeitig in England und Amerika. Und es fällt mir leicht, in Englisch zu schreiben, und man hat mich darum gebeten. Dann fällt es mir aber schwer, das ins Deutsche zu übersetzen. Und dann übersetzt jemand anders.

Wegmann: Das Zweite Buch heißt "Zusammen – unter einem Himmel" bei ars edition. Man findet dort im Buch die Widmung "für eine vereinte Welt". Tiere, meist zu zweit, im Schwarm oder als Familie in zugewandtem Miteinander. Ist dieses Buch aus dem Impuls heraus entstanden, sich zur aktuellen gesellschaftlichen Situation, die von Abgrenzung und Diffamierung und Ängsten bestimmt ist, zu äußern?

Teckentrup: Das hat genau den Grund. Ich habe es vor zwei Jahren geschrieben, als die Flüchtlingswelle angefangen hat. Zuerst war es mir gar nicht bewusst, aber es hat genau damit zu tun: für eine vereinte Welt.

Buchinfos:

  • Der Baum der Erinnerung
  • Der Baum der Jahreszeiten
  • Bienen. Kleine Wunder der Natur.
  • Zusammen – unter einem Himmel
  • Alle erschienen bei ars edition.
  • Die Such-Bücher
  • Das Ei
  • Erschienen bei Prestel.
  • Alle Wetter und Worauf wartest du bei Jacoby & Stuart.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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