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StartseiteUmwelt und Verbraucher"Da gibt es einfach keine Zweifel"26.01.2017

Klimawandel"Da gibt es einfach keine Zweifel"

Der Mensch ist verantwortlich für den Klimawandel auf der Erde, sagt der Klimaforscher Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Anlässlich der umweltpolitischen Maßnahmen von US-Präsident Donald Trump erläuterte Levermann im Deutschlandfunk die Zusammenhänge: "alles Grundgesetze der Physik".

Anders Levermann im Gespräch mit Jule Reimer

Stilisierte Weltkarte mit Klimazonen, die in unterschiedlichen Farben markiert sind. (dpa/picture-alliance/Nasa)
Im Sommer 2016 hat die US-Weltraumbehörde NASA eine Projektion zum Klimawandel ins Netz gestellt. (dpa/picture-alliance/Nasa)
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Jule Reimer: In den USA gehen derzeit Vertreter der neuen US-Regierung durch die Webseiten der US-Umweltbehörde EPA. Die hatte sich unter Obama einen Namen damit gemacht, gegen den Widerstand des Kongresses Klimaschutzmaßnahmen durch die Hintertür einzuführen. Die jetzige Aktion in der EPA nährt die Befürchtung, dass US-Präsident Trump den Klimawandel tatsächlich für eine Erfindung hält.

Am Telefon ist Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Physikprofessor. Herr Levermann, auch wir erhalten hier immer wieder Post von Menschen, die am menschengemachten Klimawandel zweifeln. Wie klar kann die Wissenschaft sagen, dass wir etwas gegen die Klimaerwärmung tun müssen?

Anders Levermann: Guten Morgen! - Wir können es ungefähr so klar sagen wie wir sagen können, dass wir von der Gravitation auf der Erde gehalten werden. Das ist wirklich Grundlagenphysik und das ist erstes Semester, und wenn Sie woanders studiert haben, dann vielleicht mal drittes Semester. Aber wir wissen das schon seit über 100 Jahren, dass der CO2-Ausstoß die Temperatur des Planeten erhöht, und das ist das, was wir beobachten, was wir verstehen. Da gibt es einfach keine Zweifel.

Reimer: Es gibt aber zum Beispiel das Argument, CO2 ist schon immer in der Atmosphäre gewesen.

Levermann: Das ist auch besser so.

Reimer: …und der menschengemachte Anteil ist total niedrig im Vergleich zu dem, was natürlich vorhanden ist.

Levermann: Ja, das verstehe ich und ich kenne diese Argumente. Aber das ist tatsächlich nicht wahr. Wir haben 280 ppm (parts per million) Teile in einer Million Teilen Luft in der Atmosphäre, und das schon sehr, sehr lange gehabt, das ganze Holozän über, unsere ganze Warmperiode über. Mittlerweile haben wir über 400 ppm und da sehen Sie schon, dass wir mehr als ein Drittel des vorindustriellen Niveaus draufaddiert haben. Und das ist menschengemacht tatsächlich. Das können wir nachweisen an den Isotopen-Verhältnissen in der Atmosphäre. Und wir wissen auch, was das mit der Energiebilanz der Atmosphäre macht, mit der Energiebilanz der Erde macht. Das ist sozusagen einmal Einstein, dann Planck und dann Boltzmann, alles Grundgesetze der Physik.

"Starke Klimaerwärmung, wenn wir nicht aufhören"

Reimer: Stellen Sie den Zusammenhang ganz kurz noch mal dar, auch für die Nichtphysiker, die die Grundgesetze nicht kennen. Geht das in einer halben Minute?

Levermann: Ja, sehr sehr gerne. Aus der Quantenmechanik wissen wir, was die Moleküle CO2, aber auch natürlich Lachgas und Methan und auch Wasserdampf nebenbei mit Sonnenlicht machen, nämlich sie lassen das sichtbare Sonnenlicht durch. Das ist der Grund, warum man diese Moleküle nicht sehen kann. Sie schlucken aber das infrarote Licht, das wieder von der Erde abgestrahlt wird, und damit fangen sie quasi Energie auf der Erde ein und die Temperatur des Planeten muss darauf reagieren und sich erhöhen, damit es mehr Druck nach außen gibt, um tatsächlich genügend Energie wieder in den Kosmos zu entlassen. Das ist der erste Effekt, das ist die Quantenmechanik. Und dann haben Sie folgenden Effekt, den jeder aus der Küche kennt, nämlich eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf halten. Und wie ich gerade auch gesagt habe ist auch Wasserdampf ein Treibhausgas. Dadurch bekommen Sie noch ein Zusätzliches, die erste Rückkopplung im Klimasystem, die Ihnen dann den Effekt noch mal mehr als verdoppelt, und deswegen wissen wir, dass wir tatsächlich eine starke Klimaerwärmung kriegen, wenn wir nicht aufhören mit dem CO2-Ausstoß.

Reimer: Und der hängt zusammen mit Erdöl und Erdgas. Das will aber Trump fördern. Es gibt auch hier Menschen, die sagen, es ist doch wirtschaftlicher Wahnsinn, dass wir da einfach jetzt so schnell aussteigen wollen.

Levermann: Die Leute fokussieren sich oft auf Erdöl und Gas. Aber das Entscheidende ist natürlich die Kohle. Wir haben Öl und Gas im Boden, und auch das trägt zum Klimawandel bei und auch stark zum Klimawandel bei. Aber der entscheidende Aspekt ist die Kohle, denn davon haben wir so viel, dass wir die Temperatur auf fünf Grad bis zum Ende des Jahrhunderts und dann auf zehn, auf 15 Grad bis zum Ende der nächsten Jahrhunderte ansteigen lassen könnten. Das heißt, wir müssen aus den fossilen Brennstoffen so oder so raus, und das ist hauptsächlich die Kohle. Es gibt ja mittlerweile Alternativen. Es gibt die Erneuerbaren, die Solarenergie lernt sozusagen, ähnlich wie die Computerchips in der Vergangenheit gelernt haben. Das heißt, sie werden immer billiger, je mehr man produziert. Man lernt immer mehr billiger, effiziente, und damit sind sie mittlerweile eine Alternative.

Reimer: Der Klimawandel ist wissenschaftlich belegt - soweit Professor Anders Levermann, Physikprofessor am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Vielen Dank für diese Informationen.

Levermann: Ja, vielen Dank.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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