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StartseiteDeutschland heuteFlüchtlinge gegen Gewalt und Sexismus18.01.2016

KölnFlüchtlinge gegen Gewalt und Sexismus

Am Wochenende haben knapp 400 syrische, afghanische und irakische Flüchtlinge in Köln gegen Gewalt an Frauen und gegen Sexismus demonstriert. Sie wollten nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht ein Zeichen setzen.

Von Vivien Leue

Flüchtlinge aus Afghanistan protestieren am 16.01.2016 in Köln (Nordrhein-Westfalen) bei einer Demonstration "Syrische Flüchtlinge sagen Nein zu den Übergriffen von Köln!" (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
Flüchtlinge aus Afghanistan protestieren in Köln bei einer Demonstration "Syrische Flüchtlinge sagen Nein zu den Übergriffen von Köln!" (picture alliance / dpa / Maja Hitij)
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"We are against sexism, we are against violence, we are against racism, thank you everyone ..."

Sakher Al-Mohamad steht vor dem Kölner Hauptbahnhof auf einer Bühne, vor ihm stehen hunderte Syrer, ein paar Afghanen und Iraker. Sie alle sind nach Köln gekommen, um zu zeigen: Wir sind gegen Sexismus, gegen Gewalt, gegen Rassismus und wir sind nicht so wie die, die genau hier in der Silvesternacht Frauen bedrängt, angegriffen, beklaut haben.

Sakher Al-Mohamad sagt, ihm lassen die Geschehnisse keine Ruhe, er musste etwas tun. Über Facebook rief er deshalb zu der Demonstration auf.

"Ich glaube, die Stimmung ist jetzt eine andere als vor der Silvesternacht. Wir müssen alle etwas dafür tun, dass sich das wieder ändert."

Auf den Plakaten und Transparenten der Demonstranten steht: "Wir alle sind Köln" oder "Wir sind gegen Gewalt an Frauen".

Friedliche, nicht fröhliche Stimmung

Die Stimmung ist friedlich, aber nicht fröhlich. Immerhin ist der Anlass für die Demonstration ein trauriger, meint auch dieser 36-jährige Syrer:

"Wir sind gekommen, um uns zu entschuldigen bei den Frauen, die in dieser schrecklichen Nacht angegriffen wurden. Und wir wollen allen in Deutschland zeigen: Das spiegelt nicht unsere Religion wider, so behandeln wir Frauen nicht."

Auf der Bühne spielt mittlerweile Aeham Ahmad, ein syrisch-palästinensischer Pianist, der bekannt wurde, weil er mit seinem Klavier auf den Straßen der zerbombten syrischen Hauptstadt Damaskus spielte. Seit drei Monaten ist der 27-Jährige in Deutschland und auch er will mit seiner Musik ein Zeichen gegen Gewalt setzen.

Neben den vielen Entschuldigungen und Beteuerungen der Demonstranten, dass sie hierher gekommen sind, um Frieden zu suchen und nicht, um Ärger zu machen, mischt sich auch Unmut – darüber, dass andere Flüchtlinge sich weniger zurückhaltend geben. Und damit das Bild der Asylsuchenden in der deutschen Öffentlichkeit beschädigen:

"Natürlich ist die Kultur hier im Land anders, aber wir sollten uns anpassen und die andere Kultur respektieren. Wir sind nicht hierhergekommen, um Ärger zu machen."

Sagt dieser 24-jährige Syrer und ein anderer ergänzt:

"Es ist nicht fair, dass jetzt die Flüchtlinge aus der Silvesternacht für alle Flüchtlinge in Deutschland stehen sollen."

Verteilung von Rosen

Viele Demonstranten sprachen sich deshalb für harte Strafen gegen die Täter aus und dafür, dass sie schnell abgeschoben werden. Dieser Syrer hofft, dass auch die Behörden ein Zeichen setzen, indem sie nur denjenigen Asyl gewähren, die wirklich vor Krieg flüchten:

"Dann können wir uns abgrenzen von denen, die nicht vor Krieg fliehen, sondern nur hierher kommen für bessere Jobs."

Wie schon in anderen Städten, sind auch bei der Demonstration in Köln Rosen verteilt worden, als Zeichen des Respekt Frauen gegenüber. Auch die 23-jährige Pia hat eine Rose bekommen – und sich gefreut:

"Das hat halt nichts mit Syrern zu tun, das, was da passiert ist. Aber es ist schön, wenn jemand so ein Zeichen setzt. Es gibt Leute, die das schnell verwechseln, die denken, alle Flüchtlinge sind jetzt am Unheil dieser Welt schuld, was natürlich nicht so ist. Aber es ist schön, wenn die Menschen jetzt ein Zeichen setzen und vielleicht viele damit überzeugen können."

Vor dem Hauptbahnhof in Köln, da schienen letztlich viele überzeugt. Die Stimmung, sie blieb bis zuletzt friedlich:

"We are all Cologne."

 

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