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StartseiteHintergrundKritisch oder käuflich03.05.2012

Kritisch oder käuflich

Journalistenrabatte auf dem Prüfstand

Billige Flüge, günstigere Bahntickets und%e beim Autokauf: Drei Viertel aller Journalisten, so eine Untersuchung, nutzen Presserabatte. Im Zuge der Glaubwürdigkeitsdebatte um Christian Wulff haben einige Unternehmen nun zurückgerudert und die Preisabschläge für Journalisten eingestellt.

Von Brigitte Baetz

Schluss mit Presserabatten: Viele Unternehmen verzichten auf Sonderkonditionen für Journalisten. (picture alliance / dpa /Daniel Karmann)
Schluss mit Presserabatten: Viele Unternehmen verzichten auf Sonderkonditionen für Journalisten. (picture alliance / dpa /Daniel Karmann)

"Wir Journalisten haben ein entscheidendes Kriterium für uns: Das ist unsere Unabhängigkeit und es ist unsere Glaubwürdigkeit. Und die darf durch nichts erschüttert werden."

Der Journalist Kuno Haberbusch, kooptiertes Vorstandsmitglied von "Netzwerk Recherche".

"Und sie wird leider allzu oft erschüttert, und es geht wie so oft darum: Wir müssen auch den Anschein vermeiden. Überlegen Sie nur mal: in der aktuellen Wulff-Debatte, die hinter uns liegt. Da haben wir ihn zu Recht angeprangert, die Journalisten, als Schnäppchenjäger. Es ist doch peinlich, wenn dieselben Journalisten, die dieses anprangern, in Wirklichkeit genau dieselbe Jagd auf Schnäppchen machen und darüber aber dann nicht reden wollen."

""Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich sehr verletzt."

Christian Wulff bei seiner Rücktrittserklärung. Über Wochen hatten Journalisten enthüllt, wie viele Vergünstigungen und Geschenke der damalige Bundespräsident in verschiedenen Amtspositionen erhalten hatte: von einem Hauskredit über Sonderkonditionen bis hin zu einem Bobbycar für seinen Sohn. Das gab's zusätzlich zu einem Privatauto für Familie Wulff. Eine der Schlagzeilen dazu lautete: "VW gab Wulff Rabatt beim Skoda-Leasing."

Eine Form der Vergünstigung, die sich auch viele Journalisten nicht gern entgehen lassen. Der gängige Journalistenrabatt bei Volkswagen: 15 Prozent auf das Grundmodell und 30 Prozent auf die Sonderausstattung.

Drei Viertel aller Journalisten, so eine Untersuchung, nutzen Presserabatte: für den Kauf von Rasenmähern, für Urlaubsreisen oder Tauchkurse. Die Internetseite Pressekonditionen.de beispielsweise, die bis zu 1700 solcher Preisabschläge auflistet, wird pro Monat 60.000 Mal aufgerufen. Während sich Christian und Bettina Wulff für Neuwagenrabatte und Upgrades bei Air Berlin rechtfertigen mussten, kam eine öffentliche Debatte über Journalistenvergünstigungen nicht so recht in Gang. Der Historiker Götz Aly in einer Diskussionsrunde des Deutschlandfunks:

"Bei der Air Berlin flog man früher als Journalist mit Partner zu 50 Prozent. Ich kenne Massen, die das gemacht haben, konnte man den Partner mitnehmen. Bei der Condor sind es 50 Prozent. Da beklagen sich Journalisten auf den Homepages, dass sie den Partner nicht mitnehmen dürfen für diesen Rabatt und so geht es ununterbrochen weiter. Es gibt auch verbilligte Baukredite für Journalisten. Die Allianz bietet mal 40, mal 60, mal 25 Prozent auf Hausratsversicherungen, Autohaftpflicht."

Götz Aly war selbst einst Journalist und ärgert sich heute über die Rabattjagd – auch, weil er sich als Buchautor von den ehemaligen Kollegen ausgenutzt fühlt.

"Da bestellen ganze Redaktionen meine neuesten Bücher mit einer Selbstverständlichkeit zehn Mann hoch. Wohlbestallte Chefredakteure tun das - ich lass' mir die Listen schicken - völlig ungeniert. Man weiß genau, die werden niemals 'ne Rezension schreiben. Die wollen einfach nur haben, haben, haben. Und die Berufsverbände, die die Presseausweise vergeben, werben alle ausdrücklich damit, dass man diese Rabatte kriegt, und ich kenne 'ne Reihe von Kollegen, denen es peinlich ist, mit 'nem Presseausweis in ein Museum zu gehen, und ich kenne viele Kollegen, die es mit aller Selbstverständlichkeit tun. Es liegt natürlich auch an diesen komischen Rabattgebern, warum machen die das? Mit welchen Zielen eigentlich? Vom Fischer-Verlag, der meine Bücher verbreitet, weiß ich, die sagen: Naja, wir müssen das denen geben."

"Landschaftspflege", so nennt man nicht nur in Lobbyisten- und PR-Kreisen die Gewohnheit, mit Vergünstigungen und Geschenken ein freundliches Klima für sich selbst oder seine Produkte zu erzeugen. Dominik Stawski, heute Redakteur beim Stern, hat vor vier Jahren seine Diplomarbeit den "Prozenten der Presse" gewidmet und sowohl Firmenvertreter wie auch Journalisten zu diesem Thema befragt.

"Man könnte die Journalisten so als Werbefläche bezeichnen. Man weiß, dass das besonders wichtige Kunden des Konzerns sind. Es sind nämlich nicht nur Kunden, es sind auch Journalisten, die über den Konzern womöglich berichten. Die sind womöglich in ihrer Umgebung besonders glaubwürdige Menschen, das könnte sein, also ein Hersteller, ein Autohersteller hatte mir zum Beispiel geschildert: Er nimmt schon stark an, dass, wenn so ein Autojournalist jetzt das Auto dieser Marke fährt, dass das dann auch in seinem Umfeld eine Wirkung entfaltet, dass dann vielleicht der Nachbar sagt: Wow, guck mal, der fährt den und den Wagen. Das ist ein Autojournalist, der hat Ahnung, wär das nicht was für uns."

Aber nicht nur Werbung ist das Ziel der Rabattgeber, sagt Dominik Stawski.

"Natürlich will man die Journalisten auch aufmerksam machen auf die Marke. Also, wenn man jetzt zum Beispiel an die Flüge denkt, da gibt's ja verschiedene Reiseveranstalter – Air Berlin hat da ja sehr intensiv in den letzten Jahren Presserabatte gewährt – Air Berlin war dann unter Journalisten irgendwann sehr bekannt. Weil eigentlich fast jeder Journalist wusste, bei Air Berlin kriegt er günstigere Tickets. Das heißt, ein Unternehmen wird so, vielleicht unbewusst, auch sehr bekannt unter den Journalisten, was natürlich nicht schaden kann."

Doch Air Berlin, das seine Presserabatte immer damit begründet hatte, eine große Öffentlichkeit herstellen zu wollen, hat im Zuge der Wulff-Debatte seine Preisabschläge für Journalisten zum 1. April eingestellt: Sie seien "nicht mehr zeitgemäß". Mit der gleichen Begründung war die Deutsche Bahn vorangegangen und die Deutsche Telekom zog nach: Sonderkonditionen für Pressevertreter seien ein "Auslaufmodell". Damit sind nun drei der bei Journalisten beliebtesten Rabattgeber ausgestiegen.

Eine werbewirksame Öffentlichkeitsstrategie – oder die Erkenntnis, dass die jahrelange Rabattgewährung an Journalisten mehr Aufwand als Erfolg brachte? Der NDR-Fernsehjournalist Kuno Haberbusch:

"Unterschätzen Sie mal nicht, was dieser Presserabatt den Unternehmen gebracht hat – und ich sag' jetzt mal an Aufwendungen. Allein Air Berlin musste ja verschiedene Leute abstellen, nur, um die dringlichen Anfragen der Journalisten – und da red' ich auch von Privatreisen nach Mallorca und so – zu bearbeiten. Dann sind Journalisten natürlich diejenigen, die sich am Schnellsten beschweren. Also, bei den einzelnen Unternehmungen waren da richtig Leute abgestellt, um unsere Wünsche, von Journalisten, zu erfüllen."

Das Verhältnis - Journalisten und Unternehmen - scheint ohnehin heikel zu sein. Das könnte erklären, dass Pressestellen nicht öffentlich über ihren Umgang mit Medienvertretern Auskunft geben möchten. Eine Erfahrung, die auch Dominik Stawski bei seiner Diplomarbeit gemacht hat.

"Ich hab' ein paar ausgewählte Unternehmen befragt und mit den Pressestellen dieser Unternehmen telefoniert. Da waren Anbieter darunter, aber auch Nicht-Anbieter von Presserabatten, also Unternehmen, die eigentlich sehr offen kommunizieren, dass sie keine Presserabatte anbieten. Und von beiden Seiten habe ich Schilderungen bekommen, wie unverschämt der eine oder andere Journalist auftritt. Das hat mich auch schockiert. Das heißt auch ein Unternehmen, das ganz klar sagt, es gibt keine Presserabatte bei uns, muss sich immer wieder erwehren, weil dort jede Woche massive Anrufe ankommen, man möge doch jetzt bitte auch den Rabatt gewähren. Das sei doch üblich in dieser Branche. Das machen doch die anderen auch und warum denn nicht?"

Doch das, sagt Dominik Stawski, ist noch die harmlose Variante.

"Im extremen Einzelfall geht es so weit, so wurde mir das zunächst geschildert, dass der Journalist sogar, ich sag' mal leise, indirekt droht und sagt: Ja, aber Sie wissen schon, dass, wenn der Rabatt jetzt hier nicht gewährt wird, dann hat das natürlich keinen guten Effekt bei mir. Ich hab' dann natürlich 'ne schlechte Wahrnehmung Ihres Unternehmens und so weiter. Da wird also leise angedeutet: Überlegen Sie es, ob Sie mir den Rabatt geben oder nicht."

1994 hat die UNO den 3. Mai zum Tag der Pressefreiheit erklärt. Pressefreiheit bezeichnet das Recht von Journalisten auf freie Ausübung ihrer Tätigkeit, vor allem das unzensierte Veröffentlichen von Informationen und Meinungen. Doch was ist mit der Selbstzensur aufgrund wirtschaftlicher Vorteilsnahme? Sind sich Journalisten des Spagats bewusst, den sie vollführen, wenn sie einerseits Vergünstigungen nutzen, andererseits aber kritisch berichten sollen? Noch einmal Dominik Stawski:

"Absolut. Also, die meisten Journalisten nehmen wahr, dass das der Versuch einer Einflussnahme ist. Sie bejahen das zu dem allergrößten Anteil. Aber sie sagen halt gleichzeitig auch, dass sie persönlich sich davon nicht beeindrucken lassen."

Ein Argument, dass Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency International Deutschland, nicht gelten lassen will. Seine Organisation, die weltweit Korruption bekämpft, fordert die komplette Abschaffung von Presserabatten. Unternehmen sollten Journalisten, wie es Transparency ausdrückt, "nicht länger potenziellen Interessenkonflikten aussetzen". Gegenüber dem Medienmagazin Zapp erklärte Humborg:

"Wenn Journalisten für sich in Anspruch nehmen, dass sie sagen, ich lass' mich davon überhaupt nicht beeinflussen und ich schreibe so unabhängig, wie ich will, dann frage ich mich, warum dann Vorteile an Beamte verboten werden, die sagen: Ich bin auch so frei. Ich ziehe natürlich niemanden im Vergabeverfahren vor und auch wenn ich dort Vorteile von davon bekomme, weil gerade mein Haus renoviert wurde, um ein etwas drastischeres Beispiel zu wählen. Trotzdem glaub' ich, würden die meisten Journalisten es ganz gut finden, dass wir bei den Beamten ganz strenge Regeln haben, die eben nichts annehmen können, wenn es dort gerade um ein Vergabeverfahren geht oder grundsätzlich."

Doch die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff scheint auch bei Journalisten ein gewisses Nachdenken ausgelöst zu haben – zumindest was ihr öffentliches Erscheinungsbild betrifft. Kuno Haberbusch organisiert das nächste Jahrestreffen seines Vereins Netzwerk Recherche für Anfang Juni und möchte eine Diskussionsrunde zum Thema Presserabatte besetzen:

"Da wusste ich von etlichen Journalisten, die das sehr offensiv vertreten haben, dass sie alles nutzen, alles. Und da hab' ich gesagt: Hier, diskutier' doch das mal. Jetzt schreiben die mir alle ganz kleinlaut zurück: Seit der Wulff-Affäre ist das vielleicht nicht mehr opportun. Ich möcht lieber nicht öffentlich auftreten. Das heißt, eine gewisse Sensibilisierung ist ganz sicher eingetreten. Mehrere Firmen berichten auch, dass die Anfragen zurückgegangen sind. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Aber machen wir uns nix vor: Es gibt auch in unserer Zunft noch unheimlich viele Kollegen, die den Presseausweis letztlich als Rabattkarte benutzen. Und wie will man das eigentlich dem normalen Zuschauer, dem normalen Leser, dem normalen Hörer klar machen. Warum sollen wir privilegierter sein als andere, obwohl wir häufig mehr verdienen als die anderen?"

Immerhin: Die Zahl der Medienunternehmen, die sich in Deutschland die Selbstverpflichtung auferlegen, mit Vergünstigungen vorsichtig umzugehen, wächst. Die Chefredakteure des Axel-Springer-Verlages verordneten den "freiwilligen Verzicht" ihrer Journalisten auf Presserabatte. Gleiches wurde, wenn auch nicht nach außen kommuniziert, beim "Spiegel" umgesetzt. Die Redakteure des Zeitschriftenverlages Gruner + Jahr dürfen sich nur noch einladen lassen, wenn die Kosten nicht höher als 40 Euro sind. Allerdings sind dies alles Medienunternehmen, in denen relativ hohe Gehälter gezahlt werden, sagt der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper.

"Gerade in den großen Häusern gibt es natürlich für solche Dinge etwas mehr, na ich sag' mal, Sensibilität als in den kleinen Häusern, wo man sich vielleicht eher sogar geschmeichelt fühlt, wenn man mal von Presserabatten absieht, und zum Beispiel Einladungen von Journalisten zu einem großen Event setzt, dann ist das für größere Häuser völlig normal, dass sie eingeladen werden, für kleinere eben doch etwas Besonderes."

Hinzu kommt: Seit der Medien- beziehungsweise Werbekrise 2001 hat sich die wirtschaftliche Lage im Journalismus dramatisch verschlechtert. Ganze Redaktionen wurden und werden in Tochterunternehmen ausgelagert, um die Tarifbindung zu umgehen und niedrigere Löhne zu bezahlen. Die Zahl der Freiberufler, die von beständig sinkenden Honoraren leben müssen, ist gestiegen. Benno Stieber, Vorsitzender des Berufsverbandes Freischreiber, glaubt, dass die Presserabatte nicht so sehr dem einzelnen Journalisten zugutekommen, sondern eher den Verlegern, die ungern Reisekosten übernähmen und keine ausreichenden Honorare zahlten.

"Ich kann da jetzt nur von mir reden. Ich habe in Einzelfällen Presserabatte in Anspruch genommen. Ich achte immer darauf, dass es in einer Größenordnung passiert, bei der Anschaffung, wo es um Presserabatte geht, dass ich nicht das Gefühl habe, ich mache diese Anschaffung nur deshalb, weil mir jemand einen Presserabatt gewährt, dass ich nicht sozusagen in eine Abhängigkeit komme und eigentlich habe ich Presserabatte auch immer nur genutzt, wenn sie in irgendeinem Zusammenhang mit meiner Arbeit stehen. Also: bisher eben die Bahn-Card, weil ich die einfach zum Reisen benutze – keine Unterstützung von freien Journalisten, sondern es ist eigentlich eine Subvention für die Verlage, die ja inzwischen erwarten vom freien Journalisten, dass er eine Bahn-Card hat und dass er nur die 50 Prozent der Reisekosten bei seinem Auftraggeber in Rechnung stellt."

Auch Unternehmen erklären in ihren schriftlichen Stellungnahmen zum Thema Presserabatte gerne, dass sie Journalisten schlicht in der Ausübung ihres Berufs unterstützen wollen. Dabei verdienen einige Firmen durchaus auch an ihren speziellen Journalistentarifen.

Vor allem Anbieter, die im Bereich Autoverleih und Reise tätig sind, profitieren von ihren Sonderkonditionen für Medienvertreter, setzen Presserabatte also als Marketinginstrument ein, um ihre Konkurrenten auszustechen. Das ist legitim. Grenzwertig im journalistisch-ethischen Sinne ist jedoch, dass gerade im Reise- und Motorjournalismus, wie auch im sogenannten Lifestylebereich seit Jahrzehnten ohne die Unterstützung von Unternehmen kaum noch Berichterstattung stattfindet, sagt zumindest Benno Stieber.

"Wenn man auf die Autoseite seiner Regionalzeitung guckt, muss man wissen, wie das zustande kommt. Da gibt's Autojournalisten, die fahren mit einem Auto, für das sie nichts bezahlen, weil sie es als Testwagen haben, zu einem Termin, wo sie ein anderes Auto testen, und bekommen von der Firma, die dort diesen Test ausrichtet, das Benzingeld bezahlt. Das heißt, das Benzingeld haben sie aber schon bezahlt bekommen, weil sie ja mit einem Auto gefahren sind, was ihnen ein anderer Autohersteller hingestellt hat. Das heißt die verdienen sozusagen mit jedem Kilometer, den sie zu einem Termin fahren, und das sind natürlich Verflechtungen, wo es dann schwierig ist zu sagen, das neue Auto des Unternehmers xy ist totaler Schrott. Also, ich glaube, so was ist schon ein korruptives Klima. Und bei Reisejournalisten ist es natürlich auch so, dass diese Reisen bezahlt sind."

Vor allem freie Journalisten, so Benno Stieber, könnten sich unabhängigen Reisejournalimus, zumindest was die Reisekosten angehe, kaum noch leisten.

"Man muss sich klar machen, dass gerade im Reisejournalismus, glaube ich, inzwischen fast keine Redaktion in Deutschland mehr, nur um einen Reisebericht zu bekommen, einen Journalisten für eine Woche lang auf die Galapagosinseln schickt, ohne dass da in irgendeiner Weise ein Flug gesponsert oder eine Reise gesponsert ist, also das ist so und natürlich hilft das nicht bei einer kritischen Berichterstattung. Das ist schädlich, keine Frage."

Aber anscheinend nicht zu vermeiden, solange Medienunternehmen, die Autotests und Reisereportagen abdrucken oder senden wollen, nicht dazu bereit oder auch in der Lage sind, die Aufwendungen dafür, zum Beispiel für Reisekosten, selbst zu tragen. Auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse sich überlegen, wie er mit Presserabatten und gesponserten Reisen künftig umgehe, sagt der Programmdirektor des Deutschlandradios Andreas-Peter Weber:

"Es gibt in einzelnen Häusern Überlegungen, aber eine einheitliche Linie gibt es nicht. Grundsätzlich bin ich der Auffassung, über die Dinge, die ein Sender, ein Programm berichtet, die sollten dann auch im Etat gedeckt sein und man sollte da auf keine Vergünstigungen und sei es von Reiseunternehmen, zurückgreifen, weil: der Blick ist dann möglicherweise verstellt."

Das Verhältnis von Distanz und Nähe war schon immer ein besonderes Problem im Journalismus. Wer zu weit weg ist, bekommt keine Informationen, wer zu nahe dran ist, gerät in die Gefahr von Beeinflussung und Abhängigkeit. Die Karten zwischen Berichterstattern und den Objekten ihrer Berichterstattung waren schon immer ungleich verteilt. Doch dürfen sich Medienhäuser darauf verlassen, dass Unternehmen per Journalistenrabatt oder über die Finanzierung von Pressereisen die finanziellen Löcher stopfen, die die Medien durch Sparzwang bei sich selbst gerissen haben? Unternehmen, über die Journalisten dann auch noch berichten? Zumal immer wieder in Studien festgestellt wird, dass der Einfluss von PR auf den Journalismus immer größer wird; dass Pressestellen tendenziell immer besser ausgestattet, Redaktionen personell wie finanziell gleichwohl immer stärker ausgedünnt werden.

Müsste es keine einheitliche Regelung für Journalisten geben, die allgemein gültig festlegt, was Journalisten annehmen dürfen und was nicht? Eine Frage an Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalistenverbandes DJV:

"Es gibt zwar nicht einen solchen Code of Conduct. Es gibt aber den Pressekodex des Deutschen Presserates, den gibt's auch schon sehr lange. Der wird auch immer wieder aktualisiert und Veränderungen auch angepasst. Der Pressekodex hat auch ganz klare Aussagen zu Presserabatten getroffen. Er sagt nämlich, dass Journalisten sich nicht abhängig machen dürfen von einzelnen Unternehmen. Und wenn beispielsweise ein Motorjournalist einen Presserabatt einer Automobilmarke annimmt, dann steht zumindest in Zweifel, ob er noch wirklich unabhängig und unvoreingenommen über Autos dieser Marke berichtet in seiner Zeitung. Das ist insofern dann schon problematisch."

Der Pressekodex sagt: Die Annahme von Vorteilen jeder Art, die geeignet sein könnten, die Entscheidungsfreiheit von Verlag und Redaktion zu beeinträchtigen, sind mit dem Ansehen, der Unabhängigkeit und der Aufgabe der Presse unvereinbar.

Es bleibt dem Ermessen des einzelnen Journalisten überlassen, wie er das definiert. Doch wie DJV-Sprecher Hendrik Zörner auch meint, die Höhe der Vergünstigungen, die ein Journalist in Anspruch nehmen kann, wird im Allgemeinen überschätzt. Das Problem, das mit der Annahme von Presserabatten einher geht, sei eher eines der Glaubwürdigkeit.

"Jeder Journalist, der es nicht tut, fährt letztendlich besser. Sicherlich nicht wirtschaftlich, spart mit den Rabatten ein paar Euro ein. Da darf man sich aber keinen Illusionen hingeben. Das sind keine Einsparungen im 50-Prozent-Bereich, aber auf lange Sicht tut sich der einzelne Journalist eher einen Gefallen damit, wenn er auf die Rabatte vollständig verzichtet."

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