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StartseiteCampus & KarriereKritische Punkte05.05.2010

Kritische Punkte

Hochschulen bemängeln CHE-Rankingmethoden

In dieser Woche ist das neue Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) erschienen und sorgt für Diskussionen. Denn viele Einrichtungen sind mit den Kriterien für die Punktevergabe unzufrieden. Einige Hochschulen nehmen gar nicht mehr an der Studie teil.

Von Britta Mersch

Bewertet das CHE nach zu wenigen Gesichtspunkten? (Stock.XCHNG / Hannah Boettcher)
Bewertet das CHE nach zu wenigen Gesichtspunkten? (Stock.XCHNG / Hannah Boettcher)
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Centrum für Hochschulentwicklung
Universität Köln

Auf den ersten Blick ist das CHE-Hochschulranking vor allem eins: bunt. Im Fokus stehen dieses Mal Geistes,- Ingenieur- und Erziehungswissenschaften, außerdem Psychologie. Die Fächer bekommen nach dem Ampelsystem rote, gelbe oder grüne Punkte. Die Uni Köln musste in den vergangenen Jahren immer wieder rote Punkte einstecken, landete also auf den letzten Plätzen. Eine Situation, die Axel Freimuth, Rektor der Kölner Universität, nicht einfach so hinnimmt.

"Weil wir dieses Ranking ja nicht zum ersten Mal bekommen und doch eigentlich jährlich immer wieder auch in allen Fächern immer wieder rote Punkte bekommen, haben wir uns durchaus in den letzten Jahren die Mühe gemacht, dieses Ranking im Detail zu analysieren. Das heißt, wir haben uns vom CHE die Daten vom letzten Jahr schicken lassen und haben uns die einzelnen Fragen an die Studierenden angeschaut und haben auch versucht, die Studenten waren dabei, wir haben das im Senat und danach in einer Arbeitsgruppe bearbeitet."

Teilweise ist die Hochschule dabei auf überraschende Ergebnisse gestoßen. Etwa im Fach Physik:

"Da gibt es ein paar Unterschiede hier und da, aber im Grundsatz sind die alle gleich gut oder aber auch gleich schlecht oder gleich mittelmäßig und eigentlich angesichts unserer Finanzierungssituation ist eine Bewertung von gut bis befriedigend auch eine positive Nachricht. Da kriegen stattdessen auf einer so engen Skala ein paar einen grünen Punkt und ein paar einen roten Punkt. Ich frage mich ernsthaft, was das soll."

Ohnehin ist Axel Freimuth mit den Kriterien, die das Ranking zugrunde legt, alles andere als zufrieden. Etwa mit der Beurteilung der allgemeinen Studiensituation:

"Da kriegen Sie dann einen roten Punkt. Was wollen Sie daraus ableiten? Der zweite Punkt ist die Betreuungsrelation. An der kann ich nichts ändern, weil sie durch die Kapazitätsverordnung in Deutschland festgelegt ist. Der dritte Punkt ist die Bibliothekssituation, da kann ich mich nur wundern, was wir da für Bewertungen kriegen. Und die beiden weiteren Punkte sind für eine Forschungsbewertung, von denen eine auch nur eine Stimmungsabfrage unter Professoren ist. Ein Forschungsranking wirklich hoher Aussagekraft liegt uns mit dem Ranking der Deutschen Forschungsgemeinschaft vor und teilweise stehen die Ergebnisse des CHE-Rankings in diametralem Kontrast zu dem der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Also die beiden letzten Punkte können Sie sowieso vergessen und die drei ersten sind mir viel zu pauschal."

Eine Meinung, mit der der Kölner Unirektor nicht allein dasteht. Einige Hochschulen oder Institute sind laut CHE schon aus dem Ranking ausgestiegen, darunter die Uni Bonn oder die mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Kiel. Auch der Historikerverband, eine Interessenvertretung der Geschichtswissenschaftler Deutschlands, steht solchen Leistungsvergleichen skeptisch gegenüber. Viele historische Institute nehmen deshalb nicht mehr teil. Vorsitzender Werner Plumpe:

"Weil das CHE-Ranking, das versucht Hochschulen in der einen oder anderen Weise nach wenigen Gesichtspunkten zu bewerten, letztlich ein falsches Bild erzeugt. Die wirkliche Leistungsfähigkeit, die wirklichen Unterschiede und die wirklich interessanten Dinge an den Hochschulen tauchen gar nicht auf. Stattdessen wird so eine Art Scheinobjektivität erzeugt, die auf selbst konstruierten Parametern beruht."

Das Centrum für Hochschulentwicklung nimmt die Kritik durchaus ernst, sagt Petra Giebisch, Projektleiterin des Hochschulrankings:

"Wir schauen, was wir aus diesen Kritikpunkten übernehmen können, wie wir unser Erhebungsinstrument noch weiter optimieren können und noch weiter auf einzelne Fächer zuschneiden können, denn das Ranking lebt ja auch und entwickelt sich weiter aus dem Austausch mit den Hochschulen und deshalb sind es auch ganz wichtige Informationen, die wir auch aus solchen Kritikgesprächen mitnehmen. Das ist für die Weiterentwicklung von immenser Bedeutung."

Auf das CHE wird allerdings noch viel Arbeit zukommen, denn immer mehr Hochschulen sind unzufrieden. In dieser Woche wurde das Thema zum Beispiel schon in der nordrhein-westfälischen Landesrektorenkonferenz diskutiert, bei der Axel Freimuth den Vorsitz hat. Auch über einen möglichen Ausstieg mehrerer Hochschulen sei diskutiert worden:

"Wir haben darüber geredet, aber mit Sicherheit werden da nicht alle Universitäten mitmachen. Aber wir haben zumindest schon als Landesrektorenkonferenz die Empfehlung ausgesprochen, mit dem CHE mal darüber zu reden, wie man dieses Ranking vielleicht so weiterzuentwickeln, dass es auch eine Aussagekraft hat. Wir wissen noch nicht mal die Rückläufe, die werden ja gar nicht angegeben. Wir wissen noch nicht mal, wie viele Studenten da überhaupt geantwortet haben, da müssen sie dann sozusagen im Detail nachfragen, und wenn Sie sich diese Detailauswertungen ansehen, dann sind die zum Teil so, dass sie nur den Kopf schütteln können."

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