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StartseiteForschung aktuellKrach in der Wildnis05.05.2017

LärmverschmutzungKrach in der Wildnis

Forscher in den USA haben die Lärmbelastung in amerikanischen Nationalparks untersucht und waren überrascht: In mehr als der Hälfte der Schutzzonen ist der Lärmpegel doppelt so hoch, wie er natürlicherweise wäre - ohne Verkehr, Bergbau, Forstwirtschaft. Das hat Folgen für Tiere und sogar für Pflanzen.

Von Monika Seynsche

Ein Wasserflugzeug fliegt über den "Gates of the Arctic National Park" bei Bettles in Alaska (Imago/ Jochen Tack)
Ein Wasserflugzeug fliegt über den "Gates of the Arctic National Park" bei Bettles in Alaska (Imago/ Jochen Tack)
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"Ich denke, das Überraschendste an unserer Studie ist, dass so viele Schutzzonen stark belastet sind. Wir fanden in 21 Prozent der amerikanischen Schutzgebiete Lärmpegel, die zehnfach über den natürlichen Geräuschpegeln lagen."

Die Ökologin Rachel Buxton von der Colorado State University ist zurzeit in den Bergen Westindiens unterwegs und nur über eine schlechte Handyverbindung erreichbar.

"Es ist sehr schwierig, Lärmverschmutzung in einem großen Maßstab zu untersuchen, denn Sie können die Messgeräte ja nicht einfach an einen Satelliten hängen. Deshalb haben wir ein riesiges Datenset des amerikanischen Nationalparkdienstes ausgewertet. Dieser hatte an fast 500 Stellen in den USA über eine Million Stunden Geräuschaufnahmen zusammengetragen. Wir haben dann ein Computermodell entwickelt, in dem wir diese Messdaten mit Landschaftsdaten verknüpften, die einen Einfluss auf die Geräuschkulisse haben, also etwa Straßen, Flugrouten, die Entfernung zum nächsten Fluss und dergleichen."

Welchen Anteil haben künstliche Lärmquellen?

In ihrem Computermodell können sich die Forscher jetzt die Geräuschpegel überall in den US-amerikanischen Schutzzonen anzeigen lassen. Und sie können ausrechnen, welchen Anteil künstliche Lärmquellen an der Geräuschkulisse haben. Das Ergebnis: In über der Hälfte aller Nationalparks ist der Lärmpegel doppelt so hoch, wie er ohne menschlichen Einfluss wäre.

Das hat gravierende Folgen für die Tierwelt, wie etwa für den Fichtenzeisig. Durch den Straßenlärm kann er seine Artgenossen oder auch Fressfeinde nicht mehr hören. Andere Tiere werden durch künstliche Lärmquellen erschreckt oder abgelenkt. Und selbst Pflanzen litten unter dem Krach, sagt Rachel Buxtons Kollege George Wittemyer.

"Eine gerade erschienene Studie hat die Auswirkungen der Gasfelder in den USA untersucht. Dort werden beim Pumpen Kompressoren eingesetzt. Das ist ein sehr stetes, lautes Geräusch. Die Autoren konnten zeigen, dass der Kompressorlärm zu einer Abnahme bestimmter Vogelarten in der Umgebung der Gasfelder führte. Diese Vögel waren aber wichtige Verbreiter von Pflanzensamen. Als sie aus der Gegend verschwanden, änderte sich dadurch auch die Zusammensetzung der Vegetation."

Ölindustrie, Bergbau, Forstwirtschaft und Verkehr machen Krach

Öl- und Gasproduktion, Bergbau, Forstwirtschaft und allen voran Fahrzeuge und Flugzeuge seien für den künstlichen Lärm in den amerikanischen Naturschutzgebieten verantwortlich, sagt Rachel Buxton. Sie plädiert dafür, Lärmschutzmaßnahmen endlich auch in Nationalparks einzuführen. Durch Flüsterasphalt etwa ließe sich Straßenlärm deutlich reduzieren.

"Eine andere Möglichkeit sind Lärmkorridore. Wir können nicht komplett auf den Flugverkehr in diesen Gebieten verzichten, aber der Nationalparkdienst versucht zurzeit, Lärmquellen zu bündeln. Wenn Sie also eine viel befahrene Straße haben und einige Kilometer entfernt verläuft eine Flugroute, dann ist es sinnvoll die Flugroute über die Straße zu legen. Dadurch tritt der Lärm nur noch an einer Stelle gebündelt auf."

Rundherum dagegen würde so wieder Ruhe eintreten. Und die Bewohner der Wildnis könnten sich selbst wieder hören.

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