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StartseiteUmwelt und Verbraucher2000 Quadratmeter für einen Menschen31.03.2014

Landwirtschaft2000 Quadratmeter für einen Menschen

2000 Quadratmeter Ackerfläche steht jedem Menschen weltweit statistisch zur Verfügung. Was darauf alles wachsen kann, wie wir uns global ernähren und wie Umweltzerstörung unser Leben beeinflusst, darauf weist das Projekt "2000 Quadratmeter" hin, das von mehreren europäischen Nichtregierungsorganisationen unterstützt wird.

Von Sven Kästner

Ein US-Farmer erntet Sojabohnen auf einem Feld in Springfield, Nebraska. (AP / Nati Harnik)
Immer mehr Ackerflächen werden für den Anbau von Pflanzen für den Biosprit genutzt. (AP / Nati Harnik)
Weiterführende Information

Bericht des Weltklimarats: Armut, Hunger und Bürgerkriege (Deutschlandfunk, Aktuell, 31.03.2014)

Landwirtschaft: Wer Einfalt sät, wird keine Vielfalt ernten (Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 03.03.2014)

Landgrabbing: Ausverkauf der ostdeutschen Landwirtschaft (Deutschlandfunk, Hintergrund, 17.01.2014)

"Messen wir mal die Hirse aus." - "Genau. Nach dem sonstigen Getreide Hirse. Und dann Mais." - "Mit 41 Metern." - "Ja."

Vorbereitung für die Aussaat auf einem Acker am Stadtrand von Berlin. Mit Hilfe eines Schreitmaßes, das aussieht wie ein mannshoher Zirkel, stecken vier Männer und Frauen viele kleine Abschnitte ab. Der Beginn eines für Deutschland bisher einmaligen Projektes. Benedikt Haerlin von der ökologisch orientierten Zukunftsstiftung Landwirtschaft:

"Wir machen jetzt heute hier an der Havel auf den 2000 Quadratmetern einen Spiegel der Weltanbaufläche. Also wir zeigen: Wie viel macht der Mais aus, wie viel macht der Reis aus, wie viel macht der Weizen aus? Wir werden alle verblüfft sein, wie wenig das Gemüse ausmacht."

Schmal wie ein Handtuch ist das Feld - nur zwölf Meter breit, aber 170 Meter lang. Insgesamt gut 2000 Quadratmeter. Das ist genau so viel, wie jedem der sieben Milliarden Erdenbewohner von den 1,4 Milliarden Hektar globaler Ackerfläche zusteht – zumindest rein statistisch. In den kommenden Monaten soll hier anteilmäßig all das wachsen, was im selben Verhältnis auch weltweit angebaut wird – errechnet anhand der Zahlen der Welternährungsorganisation FAO.

"Also Weizen macht 17 Prozent aus, Mais macht 13 Prozent aus und Reis macht zwölf Prozent aus. Das sind zusammen 42 Prozent. Und dann sonstiges Getreide, wo der größte Anteil Gerste ist, macht auch noch mal elf Prozent aus. Wenn Sie das alles zusammen nehmen, ist es etwas mehr als die Hälfte der gesamten Anbaufläche."

Mittlerweile wird das Saatgut an die gut 40 interessierten Gäste ausgeteilt, die das Feld gemeinsam bestellen wollen. Bauer Christian Heymann hat den Acker zur Verfügung gestellt. Er erklärt den Helfern – fast alle Großstädter aus Berlin – wie das Aussäen per Hand funktioniert.

"Der Bauer hatte ja früher hier seine Saatschale und hat dann so nach oben geworfen, sodass der Wind die Körner mitgenommen hat. Und hat dadurch die Gleichmäßigkeit erreicht."

Das Projekt 2000 Quadratmeter wird getragen von einem Zusammenschluss europäischer Nichtregierungsorganisationen. Aus Deutschland unter anderem die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bio-Anbauverband Demeter oder die Entwicklungshelfer von Germanwatch. Es geht um die globalen Umwelt- und Ernährungsfragen. Um weltweite Lebensmittelexporte, den Anbau nachwachsender Rohstoffe zum Beispiel für sogenannten Biosprit oder um das achtlose Wegwerfen von Lebensmitteln. Benedikt Haerlin, der die Idee zum Projekt hatte, will zum Nachdenken anregen.

"Was kann alles auf 2000 Quadratmetern wachsen? Also achteinhalb Tonnen Kartoffeln sind kein Problem, also riesige Mengen eigentlich. Andererseits haben wir dann auch festgestellt: Man kann mit 2000 Quadratmetern gerade einmal zwei Schweine übers Jahr bringen. Und wir haben dann auch mal ausgerechnet: Also wenn ich das jetzt alles mit Raps anbaue und Biosprit draus mache, dann kann ich zwei Mal von München nach Hamburg und zurück fahren."

Auf den Feldern wird unterdessen die Aussaat geharkt und danach festgetreten, damit der nächste Regen die Körner nicht wegspült. Der "Weltacker" soll in den kommenden Monaten nach Öko-Richtlinien gepflegt werden. Einige Bestandteile der globalen Ackerfläche mussten allerdings an die klimatischen Verhältnisse hierzulande angepasst werden. Reis etwa wächst am Stadtrand von Berlin ebenso wenig wie Sojabohnen. Stattdessen kommen Hirse und Lupinen in den Boden. Die ersten Schlüsse können dann im Herbst gezogen werden, wenn die Ernte eingefahren ist. 

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