Donnerstag, 22.02.2018
 
Seit 02:10 Uhr Zur Diskussion
StartseiteUmwelt und VerbraucherStudie: Weniger Lebensmittel wegwerfen ist besser fürs Klima25.01.2018

Landwirtschaft und TreibhausgaseStudie: Weniger Lebensmittel wegwerfen ist besser fürs Klima

Bei der Verminderung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase könne auch die Landwirtschaft ihren Beitrag leisten, sagte Hanna Fekete vom NewClimate Institute im Dlf. Noch mehr Emissionen könnten einer Analyse des Instituts zufolge aber vermieden werden, wenn die Menge der weggeworfenen Lebensmittel reduziert würde.

Hanna Fekete im Gespräch mit Pia Rauschenberger

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Bauern mit ihren Tieren zu Gast auf der Grünen Woche in Berlin. (Deutschlandradio Kultur)
Bauern mit ihren Tieren zu Gast auf der Grünen Woche in Berlin. (Deutschlandradio Kultur)
Mehr zum Thema

Sachsen Klimaatlas soll Landwirten helfen

Arnulf Köhncke (WWF) "Effizienteste Methode bleibt der Schutz der Pflanzen im Freiland"

Umstrittene Fusion von Bayer und Monsanto Neue Ära für die Landwirtschaft – oder veraltetes Modell?

Entwicklungsländer auf der Weltklimakonferenz "Anpassungsfonds wird zur Verhandlungsmasse"

Pia Rauschenberger: Kühe, die durch ihre Flatulenz Methan in die Atmosphäre pusten – da sind die Klimasünder ja ganz klar zu benennen: die Kühe eben, aber vor allem eigentlich wir Menschen, die sie halten. Die Landwirtschaft ist nicht nur Mitverursacher des Klimawandels, sondern wird auch durch den Klimawandel beeinflusst. Das Climate Action Tracker Team hat jetzt eine neue Analyse zum Thema Landwirtschaft und Klimawandel vorgelegt und dabei ist herausgekommen, dass es nicht reicht, nur die landwirtschaftliche Produktion zu verändern.

Darüber spreche ich jetzt mit Hanna Fekete vom NewClimate Institute, die die Analyse mit herausgegeben hat. Guten Tag, Frau Fekete.

Hanna Fekete: Guten Tag.

Rauschenberger: Weniger Fleisch essen, das ist ja eine übliche Devise, um klimafreundlicher zu leben. Welche landwirtschaftlichen Veränderungen muss es denn noch geben?

"Durch eine Umstellung des Konsumverhaltens könnten wir mehr Emissionen einsparen"

Fekete: Wir haben in unserer Studie einmal die landwirtschaftliche Produktion angeschaut und daneben das Konsumerverhalten gestellt. Der Fleischkonsum ist, wie Sie sagten, ein riesiger Teil der Emissionen. Auf der landwirtschaftlichen Produktionsseite haben wir auch Potenzial gefunden. Das ist aber bei weitem geringer. Wir reden da von einem Größenunterschied von ungefähr drei- bis viermal so viel. Das heißt, durch eine Umstellung des Konsumerverhaltens könnten wir ungefähr viermal mehr einsparen als durch die Umstellung der Produktion. Allerdings gibt es in der Produktion auch interessante Potenziale. Das ist einmal dadurch, dass man Kühe oder andere Tiere anders füttert. Man kann da durch die Züchtung ein bisschen was machen und so dann ein bisschen Emissionen reduzieren. Es gibt Verfahren, wie man die Gülle anders behandelt oder wie Prozesse anders geführt werden, um da Emissionen zu reduzieren. Auch bei Nichttierhaltung, sondern pflanzlichem Anbau, in der Reisproduktion oder im Düngemitteleinsatz kann was gemacht werden.

Rauschenberger: Sie haben gerade schon die Reisproduktion erwähnt. Ich war überrascht, als ich das in Ihrer Analyse gelesen habe, dass die Reisproduktion allerdings auch erhebliche Emissionen verursacht. Das war mir zum Beispiel vorher gar nicht so klar. Sollten wir zukünftig auch auf Reis verzichten?

"Emissionen entstehen auch beim Reisanbau"

Fekete: Nein, auf keinen Fall. Es geht nicht darum, auf Reis zu verzichten. Reis ist ein sehr großer Beitrag zur Ernährung in vielen Ländern. Es gibt einfach technische Maßnahmen, die helfen, Emissionen zu reduzieren. Emissionen beim Reisanbau entstehen dadurch, dass die Reisfelder unter Wasser sind und darin dann Methan entsteht. Man kann das vermeiden, indem man einfach in bestimmten Phasen das Wasser ablässt, und durch Regenwasser die Wasserzufuhr sicherstellt.

Rauschenberger: Sie haben jetzt schon Methan erwähnt. Wie groß ist denn der Anteil von solchen Nicht-CO2-Emissionen, also Methan und Co., insgesamt am Klimawandel?

Fekete: Das sind ungefähr zehn Prozent und davon ist ein riesiger Anteil die Landwirtschaft. Wenn man dann wieder die Landwirtschaft an sich anschaut, geht da ungefähr 70 Prozent auf Viehhaltung zurück und 30 Prozent auf andere Anteile.

Rauschenberger: Sie schreiben auch, wenn die Verschwendung von Lebensmitteln ein Land wäre, dann wäre dieses Land geschätzt der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen. Das würde ja eigentlich bedeuten, dass wir erst mal vor allem weniger Essen wegschmeißen sollten, oder?

"In Deutschland viel extremere, unberechenbarere Wetterereignisse"

Fekete: Genau. Das ist in der Tat auch das größte einzelne Reduktionspotenzial, was wir identifiziert haben. Das heißt, alleine dadurch, dass man die Lebensmittelabfälle reduziert, stark reduziert, könnte man einen sehr großen Teil reduzieren und damit schon fast auf einen Pfad für 1,5 Grad-Kompatibilität kommen. Das sind verschiedene Maßnahmen, die man machen kann, und das ist sehr regional unterschiedlich, was Abfallvermeidung dann genau bedeutet.

Rauschenberger: Jetzt mal anders herum gesehen. Was sind eigentlich die deutlichsten Folgen des Klimawandels für die Landwirtschaft in Deutschland?

Fekete: Das ist in Deutschland hauptsächlich die Veränderung der Wetterlagen: viel extremere, unberechenbarere Wetterereignisse, Probleme mit Regenfällen, manchmal zu viel, manchmal zu wenig, Hitzewellen und so weiter.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk