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StartseiteCorsoLeben auf der Plastikinsel26.03.2012

Leben auf der Plastikinsel

Die illustrierte Vision von Alexandra Klobouk

Einwegrasierer, Tüten und Flaschen aus Plastik - große Mengen an Kunststoffmüll treiben in den Weltmeeren. Im Pazifik gibt es einen gefährlichen Plastikstrudel, der acht Mal so groß ist wie Deutschland. Die Plastikinsel als Rettungsinsel, wenn die Polkappen schmelzen – so die Idee im Buch der Illustratorin Alexandra Klobouk.

Von Johannes Nichelmann

Plastikmüll am Strand bei Dakar (picture alliance / dpa - Nic Bothma)
Plastikmüll am Strand bei Dakar (picture alliance / dpa - Nic Bothma)

Sommer 2043. Die Schweiz wird zum Küstenstaat. Holland, Schleswig-Holstein, Ägypten gibt es nicht mehr. Die Polkappen sind geschmolzen - die Wassermassen haben den Lebensraum der Menschen mit sich gerissen. So die düstere Vision der Illustratorin Alexandra Klobouk in ihrer Bildergeschichte "Polymeer - eine apokalyptische Utopie".

"Kein Mensch kann sich wirklich real vorstellen, dass die Pole schmelzen. Auch wenn wir alle wissen, dass es momentan schon passiert. Dass wirklich das Meer steigt, das eventuell Holland, Schleswig-Holstein, Bangladesh weg sind."

Die Geschichte: Der Chemiedoktorand Nero van Dijk wird bei der Evakuierung der Niederlande vergessen. Die Wassermassen reißen alles mit sich, am Ende auch ihn. Ein knallig, pinkfarbener Schrank wird zu seinem Rettungsboot.

"Also definitiv kein Held. Eher ein Antiheld, der es eben mit großem Glück schafft zu überleben und Wochen, Monate über den Pazifik treibt und dann letzten Endes zum Retter Hollands wird, in dem er ein neues Land, ein neues Holland, erschafft."

Die Figur van Dijk landet auf einem schwimmenden Plastikmüll-Teppich. Ein leuchtend, bunter Haufen aus Regenschirmen, Trinkbechern und Einwegflaschen. Dazwischen Meerestiere, die ihre Nahrung suchen. Auf dieser von Menschenhand gewordenen Insel will Nero ein neues Holland entstehen lassen – er holt seine Landsleute aus dem Schweizer Exil. Die 28-jährige Kunststudentin Klobouk verbindet die Fiktion mit der Realität.

"Ich bin in meiner Recherche, zu meinem Diplom, auf die Tatsache gestoßen, dass es einen riesigen großen Müllstrudel gibt. Im Nordpazifik, zwischen Japan und der kalifornischen Küste zirkuliert der, also auf einer riesigen Fläche. Mit all diesen Informationen, die mir so absurd erschienen, dass es eigentlich klang wie eine ausgedachte Geschichte, dachte ich mir, denke ich mir eine Geschichte aus, die ich dann unterhaltsam erzähle und in der immer wieder mal durchschimmert, dass dieses ganz absurde, ausgedachte in Wirklichkeit viel realer ist, als wir uns das alle wünschen."

Ein Architekturbüro aus Holland habe in der Tat einmal die Idee gehabt, eine Insel aus dem Meeresmüll zu bauen. Ihren Berechnungen nach wäre im Jahr 2043 genug Plastik in den Ozeanen, um daraus eine Fläche, so groß wie Holland, entstehen zu lassen - Fakten, die am Ende der Geschichte nachzulesen sind. Auch finden sich hier Fotos, die das Ausmaß des Strudels auf die Umwelt dokumentieren.

"Albatros Küken, die von ihren Eltern mit Plastikteilen gefüttert werden und einfach verhungern, weil sie die Plastikteile nicht ausscheiden können."

Es ist das zweite Buch von Klobouk, die sich als Kulturillustratorin versteht. Schon ihr erstes Werk "Istanbul, mit scharfe Soße?" vereint kunstvolle Illustrationen mit gesellschaftlich relevanten Themen. Ihren Stil passt sie den Geschichten an. Vom Minimalistischen kommend, erzählt sie "Polymeer" mit unglaublich aufwendig detailverliebten Szenen. Acht Monate hat sie an dem Buch gearbeitet.

"Dann musste ich erstmal Monate lang Wasser zeichnen, weil es unglaublich schwer ist, Wasser so darzustellen, dass es wirklich flüssig aussieht und nicht wie Strich auf Papier. Hab mir ganz viele van Gogh Bilder angeguckt und dann hab ich angefangen die Collageteile zusammen zu sammeln."

Bei Bilderbüchern erzählt sie weiter, würden die Menschen immer an Kindergeschichten denken. Die Reise von Nero van Dijk ist für jede Altersgruppe spannend. Mit viel Witz und verspielten Ideen nimmt Alexandra Klobouk die Betrachter mit, durch ihre apokalyptische Utopie. Da stört es auch nicht, dass die Geschichte manchmal ein wenig pädagogisch daher kommt.

"Ich möchte natürlich Leute damit sensibilisieren. Besonders Menschen, die eigentlich keine Lust mehr haben auf dieses ewige Ökotheater. Aber ich glaube das Buch könnte auch funktionieren, wenn man sich nicht darüber Gedanken macht, wie man Plastik in seinem Leben einsparen kann."

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