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StartseiteCampus & KarriereLeinen los für den Teamgeist19.08.2005

Leinen los für den Teamgeist

Studierende auf dem Großsegler "Alexander von Humboldt"

Die "Alexander von Humboldt" aus Bremerhaven ist neben der Gorch Fock der einzige als Bark getakelte Großsegler Deutschlands. Manchem ist er mit seinen auffallenden grünen Segeln aus der Fernsehreklame bekannt. Die "Alexander von Humboldt" gehört einer Stiftung und ist der Jugendarbeit gewidmet. Dreimal hat sie schon den Atlantik überquert. An Bord und in den Häfen lernen die jungen Mitsegler lernen Teamgeist und Völkerfreundschaft Häfen.

Von Anneke Wardenbach

Das Segelschiff "Alexander von Humboldt" aus Bremerhaven (AP Archiv)
Das Segelschiff "Alexander von Humboldt" aus Bremerhaven (AP Archiv)
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Deutsche Stiftung Sail Training

" Mein Name ist Martin Pötting, ich bin auf dieser Reise der Kapitän der Alexander von Humboldt. Und ich freue mich, Sie hier an Bord begrüßen zu dürfen, heute morgen!"

Kapitän Pötting ist es gewohnt, Gäste auf seinem Schiff zu empfangen. Auf dem Dreimaster fahren so genannte "Trainees" mit. Segel-Lehrlinge. Sie lernen nicht nur das Segelhandwerk, sondern vor allem Kameradschaft, Teamgeist und Verantwortung:

" Diese sittlich-moralischen Werte verkümmern ja weitestgehend in unserer hoch industrialisierten Gesellschaft, wo jeder nur noch auf sich selber angewiesen ist, sei es in Schule, sei es im Studium. Und dadurch vereinsamt der Mensch. Und dem steuern wir entgegen, indem wir die Leute durch gemeinsame Arbeit hier zusammenführen. 0221 Denn Sie dürfen ja nicht vergessen, wenn Sie hier längs Deck gehen, sie finden ja nicht eine Maschine an Deck. Nicht eine Winde, nix. Alles wird von der Hand gemacht und das kann man nur in Gruppenarbeit."

Eine Stammbesatzung aus erfahrenen Seglern weist sie ehrenamtlich ein, erklärt der Kapitän des fast 100-jährigen Schiffes. Auch in der Crew sind Studenten:

" Ich bin Andrea Franke, ich fahre hier als Matrose an Bord der Alexander von Humboldt und in meinem richtigen Leben bin ich Studentin, ich studiere Seetouristik und in meiner Freizeit bin ich oft hier an Bord. Wir sehen jetzt wie die Matrosen ins Rick klettern, wir werden die Segel hafenfein packen. Die Segel werden zusammengebunden und ordentlich auf die Rah gelegt, dass das nachher gut aussieht, wenn wir im Hafen liegen. Was ganz wichtig ist hier an Bord ist Teamarbeit. Das ganze kann nur funktionieren, wenn viele Leute an einem Strick ziehen, sonst ist das Ganze nicht zu handlen, das ganze Schiff, das Rick, die Segel zu setzen und das schweißt natürlich auch zusammen und das ist mit Sicherheit irgendwas, was man auch im späteren Berufsleben benötigt. "

" Das heißt, das ist ja sprichwörtlich "an einem Strick ziehen"? "

" Ja genau! So ist das hier!"

Andreas Walter kommandiert die Mannschaft:

" Wir müssen hier alle Brassen besetzten, wir wollen hier alle gleichzeitig rumholen! Also jeder, der nichts zu tun hat. Hier werden noch kräftige Männer gesucht!"

Eigentlich steht Andreas Walter gerade mitten im Examen für Lehramt Musik und Geografie.

Du hast hier ja gerade ganz schön rumgebrüllt?

" Das ist mein Job als Tropsmatrose. Aber ist ja alles mit einem freundlichen Ton dabei. Kommandos müssen halt gegeben werden. Und auch verstanden werden. Auch bei Wind und Wetter."

" Jetzt sind wir ja kurz vorm Anlegen hier zur Sail in Amsterdam, haben gerade noch die beiden Masten richtig schön hingestellt, damit man das von der Pier mit den gepackten Segeln auch gut sehen kann und dann werden wir gleich anlegen und dann feiern gehen. Aber das haben wir auch gestern schon gemacht."

Das Zusammengehörigkeitsgefühl an Bord hat sogar einen Namen: "Das grüne Virus", denn Rumpf und Segel sind knallgrün. Katrin Schmidt hat es voll erwischt, die Lehramtstudentin ist schon mehrmals mitgefahren:

" Da sieht man, wie die alle am reißen sind, man sieht, dass das Schiff sich bewegt durch die Arbeit und irgendwann verfällt man da automatisch mit rein. Man gewöhnt sich dran, man kriegt Schwielen und... das gehört dazu!"

" Wachschau glasen!

Das war das glasen zu halb zehn. So geben wir die Zeit an."

Alle vier Stunden wechselt die Wache, das heißt, eine neue Gruppe ist für die Arbeit an Deck zuständig. Tag und Nacht. Nicht ein starrer Fahrplan bestimmt den Tagesablauf, sondern Wind, Wetter und die Besatzung selbst. Matrose Andreas ist überzeugt, dass ihm seine ehrenamtliche Arbeit in den Semesterferien auch persönlich viel bringt:

" Weil man auf so einem Schiff auf jeden Fall lernt, miteinander umzugehen. Hier sind 60 Leute an Bord und man kann sich nicht groß aus dem Weg gehen, das Schiff ist 60 Meter lang und dann ist aber auch Schluss. Gerade halt die Anpassungsfähigkeit, die man hier bekommt, ich glaube, da lernt man hier eine ganze Menge. Ich schreibe die Alex-Geschichte auf jeden Fall in meinen Lebenslauf, das ist was, was sich auf jeden Fall immer gut macht beim Arbeitgeber und in der Bewerbung."

Mitsegeln darf jeder. Für Trainees dauern die Törns unterschiedlich lang, sie zahlen pauschal 75 Euro pro Tag, für Studenten gibt es Ermäßigung. Wer selbst mitfahren und Teil der Mannschaft werden möchte, findet weiter Infos im Internet bei der Deutschen Stiftung Sail Training

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