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StartseiteCampus & KarriereLeopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt14.07.2008

Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften ernannt

Festakt in der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Heute hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan dem Präsidenten der Leopoldina, Volker ter Meulen, die Ernennungsurkunde überreicht. Schavan lobte die "Stärke und Qualität" der Leopoldina, ihre "Ausstrahlungskraft" und "Internationalität". Dabei hat die Leopoldina fast zufällig ihren Sitz in Halle.

Von Anne Sailer

Annette Schavan, Volker ter Meulen und Horst Köhler beim Festakt zur Ernennung der Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften. (AP)
Annette Schavan, Volker ter Meulen und Horst Köhler beim Festakt zur Ernennung der Leopoldina zur Nationalen Akademie der Wissenschaften. (AP)

Frankreich, Großbritannien, Polen oder Portugal hatten schon eine. Und seit heute darf auch Deutschland eine ihr eigen nennen: Eine nationale wissenschaftliche Akademie. Die Wahl fiel - wir haben bereits berichtet - auf die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina mit Sitz in Halle. Jahrelang war gestritten worden um eine solche Institution - nun bekam die Akademie Staatsweihen.

Allein 40 Vertreter ausländischer Akademien aller Kontinente waren gekommen. Nach dem Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer, ergriff der Schirmherr der Einrichtung, Bundespräsident Horst Köhler, das Wort:

"Meine Damen und Herren, vor der Leopoldina liegen neue anspruchsvolle Aufgaben. Als freie und unabhängige Gelehrtengesellschaft soll sie die Wissenschaft in Deutschland auf internationalen Bühnen vertreten und sogleich hierzulande Politik und Gesellschaft beraten."

Bundesforschungsministerin Annette Schavan überreichte danach dem Präsidenten der Leopoldina die Urkunde:

"Ihre Stärke und Qualität, ihre Ausstrahlungskraft, ihre Internationalität und damit verbunden internationales Ansehen haben sie – die Leopoldina – in die Rolle einer nationalen Akademie hineinwachsen lassen."

Dabei hat die Leopoldina fast zufällig ihren Sitz in Halle. Vor 355 Jahren von vier Ärzten in Schweinfurt gegründet, wechselte sie ihren Sitz mit dem jeweiligen Wohnort ihres Präsidenten. Erst als die Bibliothek zu groß wurde, entschied man sich zu bleiben. Das war 1904 in Halle. Seit Beginn lautet das Motto der Leopoldina: 'Die Natur erforschen zum Wohle des Menschen'. Ein echtes Erfolgskonzept, konstatiert Präsident Volker ter Meulen:

"Seit es den Nobelpreis gibt, haben wir 166 Mitglieder gehabt, die Nobelpreisträger gewesen sind. Wobei ein großer Teil, ich denke ungefähr 70 Prozent, gewählt wurde, bevor sie den Nobelpreis gewonnen haben. Also es ist eine große Reihe in unserer Ahnengalerie die man verehrt."

Gerhardt Erlt gehört dazu. Der Nobelpreisträger für Chemie im vergangenen Jahr. Von heute an soll die Leopoldina nun als Deutsche Akademie der Wissenschaften die Zusammenarbeit von Politik und Wissenschaft befördern und intensivieren helfen. Volker ter Meulen zur künftigen Arbeit der Akademie:

"Die Aufgabe besteht darin, dass man ein Problem wissenschaftlich untermauert, erleuchtet, aufzeigt. Was wissen wir, was wissen wir nicht. Daraus seine Konsequenzen zieht und dann der Politik Empfehlungen gibt, was man tun könnte. Es sind keine Blaupausen, die erarbeitet werden. Es sind keine Handlungsanweisungen für die Politik. Der Souverän muss selbst entscheiden, was er für richtig und nicht richtig erachtet."

Eine deutsche Wissenschaftsakademie als unabhängiger Ratgeber der Politik. Klimaschutz, die alternde Gesellschaft oder Stammzellforschung gehören zum aktuellen Themenspektrum. Ein Think Tank sozusagen, in dem die verschiedenen Wissenschaftszweige zusammenfließen. Die Leopoldina fördert aber auch wissenschaftlichen Nachwuchs. Vor acht Jahren gründete sie zusammen mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die junge Akademie. Das heißt: 50 junge Akademiker werden je fünf Jahre lang gefördert. Jedes Jahr kommen zehn neue dazu. Volker ter Meulen:

"Und wir haben gesehen, wie sie gearbeitet hat und noch arbeitet. Und es ist im Grunde ein, wie man im Englischen sagt, role model, also wirklich ein Vorbild, denn sie haben sich ganz toll entwickelt und sie beschäftigen sich mit einer breiten Palette von Problemen. Insbesondere auch Probleme, die sie selbst interessieren wie zum Beispiel Juniorprofessor. Damals haben sie eine Stellungnahme gemacht, die hat Aufsehen erregt. Und wenn sie sich die Tagespressen anschauen und die Publikationen, kann man feststellen, dass sie eine sehr hohe Resonanz in der Öffentlichkeit haben und eigentlich gezeigt haben wie man als junger Mensch Probleme aufgreift und sie definiert. Und die holländische Akademie hat unser Modell übernommen und hat vor zwei Jahren eine eigene junge Akademie gegründet. Die "Royal Societe" diskutiert darüber, die Franzosen diskutieren darüber, die Polen. Und ich weiß auch, dass die so genannte "European Science Foundation" einen europäischen Zusammenschluss von wissenschaftlichen Institutionen überlegen, eine europäische junge Akademie zu gründen."

Mit vier Millionen Euro zusätzlich will der Bund die Akademie nun jährlich fördern. Zunächst fließt das Geld in die neue Struktur. Denn die Nationale Akademie der Wissenschaften – englisch German Academy of Sciences - soll ein wissenschaftlicher Berater mit internationalem Format werden.

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