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StartseiteHintergrundLernen vom ersten Tag an17.10.2006

Lernen vom ersten Tag an

Konzepte für die frühe Bildung von Kindern

Frühstück im Berliner Kindergarten in der Lüneburger Straße, Stadtteil Tiergarten. Etwas unbeholfen beschmieren sich die Vier- und Fünfjährigen mit dem Messer ihr Brötchen mit Butter und Marmelade. Die Erzieherinnen fordern sie immerzu auf, miteinander zu reden, wenn sie etwas brauchen. So lernen die Kinder in jeder Alltagssituation.

Von Barbara Leitner

Lesende Kinder (Stock.XCHNG / tim & annette)
Lesende Kinder (Stock.XCHNG / tim & annette)

Kinder nichtdeutscher Herkunft und jene, die zu Hause nicht gefördert werden, nehmen so spielend die deutsche Sprache auf und erschließen sich gemeinsam mit den Gleichaltrigen ihre Kinderwelt. Aber gerade jene Mädchen und Jungen, die diese Förderung besonders brauchen, sucht man in den Kindertagesstätten oft vergeblich.

" Wir haben in manchen Bundesländern die Situation, dass Kinder, deren Eltern nicht beide berufstätig sind, ganztägig berufstätig sind, nur ein sehr eingeschränktes Recht auf einen Kindergartenplatz haben. Zum Beispiel wie in Bremen, nur vier Stunden am Tag und nur während der Schulzeiten, und zwölf Wochen im Jahr während der Schulferien können die Kinder die Einrichtung nicht besuchen, zum Beispiel Kinder von arbeitslosen Eltern. Ich halte das für eine ziemliche Katastrophe."

So Christa Preissing, Geschäftführerin bei der Internationalen Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität Berlin. Heute ist allgemein bekannt: Ein Kind lernt von Geburt an. Damit ist auch die Vorschulzeit Bildungszeit und die Kindertagesstätte eine - gewissermaßen - Bildungsinstitution. Aber die Ergebnisse bei der ersten PISA-Studie zeigten eindrücklich: Die unübersehbaren Schwächen der 15-Jährigen bei dem Test vor sechs Jahren waren auf Defizite in den frühen Jahren zurückzuführen.

Dass Deutschland auch auf dem Gebiet der frühen Bildungsförderung im internationalen Vergleich Nachholbedarf hat, darüber gibt es heute parteiübergreifend keinerlei Streit mehr. Dafür aber wird weiter debattiert, wie das System der frühkindlichen Bildung weiter auszubauen ist und welche Voraussetzungen dafür die Politik schaffen kann. Inzwischen wurden zwar in jedem der 16 Bundesländer Bildungspläne eingeführt, die erläutern, worin gute Kita-Praxis besteht. Doch allein diesen Rahmen vorzugeben genügt nicht, meinen Kritiker.

" Alle sagen, frühe Bildung ist die Basis für das lebenslange Lernen, und die Rahmenbedingungen entsprechen dem nicht."

Nach Auffassung der Erziehungswissenschaftlerin betrifft das nicht nur die Schwierigkeit für die Eltern, einen Ganztagsplatz zu bekommen. Es geht auch um die Ausstattung der Kitas und die Qualifizierung der Erzieherinnen.

" Uns fehlt überall Personal. Und das macht sich auch bemerkbar bei der Umsetzung der Bildungsprogramme, insbesondere an den Stellen, wo die Mitarbeiter in den Kitas Teamzeit brauchen und auch um die Anforderungen zu erfüllen, die individuellen Bildungsbiografien der Kinder zu beobachten und zu dokumentieren und darüber in einen intensiven Austausch mit den Eltern zu treten. Und hier brauchen wir dringend mehr Investitionen."

In Neuseeland beispielsweise werden die in diesem Bereich tätigen Erzieherinnen nicht nur ausgesucht und bewusst durch ein Hochschulstudium für diese Aufgabe vorbereitet. Sie betreuen auch weniger Kinder in ihren Gruppen und haben in der Woche zwei, drei Stunden Zeit, zu planen und mit den Kollegen zu beraten, wie sie jedes Kind individuell fördern können. Von solchen Bedingungen kann man hierzulande nur träumen. In 20 Jahren allerdings werden die unter diesen ungleichen Bedingungen herangewachsenen Kinder weltweit um Arbeitsplätze konkurrieren!

Welche Herausforderungen Deutschland auf dem Gebiet zu meistern hat, machte der erste Bildungsbericht zum Thema Migration vom Juni dieses Jahres schlagartig bewusst. Etwa 18 Prozent der Menschen in unserem Land haben einen Migrationshintergrund. Anders sieht es bei den Kindern unter sechs Jahren aus. Dort entstammt im Bundesdurchschnitt ein Drittel der Kinder einer zugewanderten, eingebürgerten oder spät ausgesiedelten Familie.

Diese Kinder legen später nicht nur weniger häufig das Abitur ab. Sie fehlen bereits in den ersten Jahren in der Kita. Während 72 Prozent der deutschen Kinder mit drei Jahren eine Kindertageseinrichtung besuchen, sind es bei den ausländischen Kindern nur 56 Prozent, zeigt der Bildungsbericht. Das liegt nicht primär an der ethnischen Herkunft, sondern am geringen Bildungsabschluss der Eltern. Doch auch diese Kinder gehören zum Humanvermögen der Zukunft unseres Landes. Deshalb engagiert sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag für deren Förderung. Dazu Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim DIHK.

" Unserer Ansicht nach ist es sicherlich so, dass ein Besuch der Kita im letzten Vorschuljahr angeraten ist, das vielleicht auch verpflichtend zu machen, weil gerade auch Kinder aus Problemfamilien hier nur zu einem geringen Prozentsatz dieses Angebot wahrnehmen. Also Stichwort Deutschkenntnisse im Migrantenbereich. Da sollte man ansetzen auch mit einer Vorschulpflicht."

Für eine Kindergarten-Pflicht sprach sich auch Bundespräsident Horst Köhler in seiner diesjährigen Berliner Rede zum Thema Bildung Ende September aus. Er empfahl ein verpflichtendes, möglichst kostenfreies letztes Kindergartenjahr. Kinder mit Migrationshindergrund könnten so bereits vor der Einschulung ihre Sprachkenntnisse verbessern, als Voraussetzung für einen späteren Schul- und Bildungserfolg - so der Bundespräsident. Doch eine Kita-Pflicht hieße in der Konsequenz, die Kinder im Extremfall auch mit der Polizei zu holen. Doch:

" Ob das aber angesichts der Tradition des Kindergartens und seines Selbstverständnisses förderlich für diese Art des Angebots wäre, scheint mir mehr als fraglich zu sein. Und dann müsste man ganz schlicht die Verfassung ändern, oder man müsste ganz schlicht den Kindergarten zur Schule machen, weil nur die Schule berechtigt ist, als Pflichtangebot da zu sein."

Meint Professor Thomas Rauschenbach, der Leiter des Deutschen Jugendinstitutes in München. Artikel 6 des Grundgesetzes garantiert nämlich den Eltern, dass sie allein entscheiden, wie und wo ihr Kind erzogen wird. Und auch: welche Schule es später besucht. Die Schulpflicht allerdings anschließend ist ebenso grundgesetzlich geschützt, und jedes Bundesland entscheidet allein, wann die beginnt.

Der einzige verfassungskonforme Weg wäre also, Kinder früher einzuschulen. Und in der Tat ist in den Bundesländern ein Trend zu erkennen, das Alter für die Einschulung zu senken. Gegenwärtig liegt es bei durchschnittlich fast sieben Jahren. Gleichzeitig wird die Frage diskutiert: "Warum nicht schon mit fünf oder vier die Schule starten?"

Aus Großbritannien gibt es allerdings warnende Befunde: Eine Einschulung bereits mit fünf Jahren erbringt nicht die erhofften Resultate für das erfolgreiche lebenslange Lernen. Positiv wirkt es sich hingegen aus, wenn die Jüngsten in ihrer frühen Kindheit ihre Umwelt selbst erforschen dürfen, also so abenteuerlichen Phänomenen nachzujagen, wie eine Pfütze beschaffen ist oder wie sich eine Raupe in einen Schmetterling verwandelt - all das belegen neuere Studien. An diese Erkenntnisse knüpft der zwölfte Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2005 mit seinen Vorschlägen an.

" Wir fordern nicht die Pflicht für die Kinder, sondern die Pflicht für den Staat, entsprechende Angebote vorzuhalten. Aber selbstverständlich weiterhin die Wahlfreiheit für die Eltern."

Der Erziehungswissenschaftler argumentiert zunächst quantitativ. 90 Prozent der Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren besuchen eine Kita - freiwillig. In den neuen Bundesländern sogar 95 Prozent. Danach gibt es also gar keinen Grund, eine Pflicht einzuführen.

" Man kann sehr deutlich zeigen: Dort, wo ein gut ausgebautes Angebot da ist, wird es auch nachgefragt. Interessant ist gerade in der kritischen Altersgruppe der Drei- bis Vierjährigen. Dort haben wir im Westen im Moment 65 bis 70 Prozent, vielleicht noch ein bisschen weniger. Warum? Weil wir trotz Rechtsanspruch vielen Kindern nicht gewähren können, dass sie ab dem Tag, an dem sie drei Jahre werden, auch zu dem nächsten Monat in den Kindergarten können, weil es weiter die Stichtagsregelung gibt."

Diese Regelung verlangt, dass Dreijährige mitunter Monate oder fast ein Jahr warten müssen, ehe sie eine Kita besuchen dürfen - weil Kita-Plätze in den Kommunen und Ländern fehlen. Es geht also um den Ausbau der Kinderbetreuung.

Bespiel Rheinland-Pfalz: Dort wurde Anfang September ein verändertes Kindertagesstättengesetz verabschiedet. Danach entfallen bis zum Jahr 2010 schrittweise die Elternbeiträge für den Besuch einer Kita, und zwar ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr. Bereits jetzt ist in dem SPD-regierten Land das letzte Kita-Jahr beitragsfrei, ebenso wie im Saarland und in Berlin ab Januar 2007. Die Rheinland-Pfälzische Bildungs- und Jugendministerin Doris Ahnen.

" Wir wollen das Angebot für die kleineren Kinder verbessern, für die Eltern die es wünschen, für die unter Dreijährigen deutlich mehr Plätze zur Verfügung stellen, auch indem wir die Kindergartengruppe öffnen für die unter Zweijährigen, und zum zweiten wollen wir den Förderaspekt, den Bildungsaspekt der Kindertagesstätte weiter steigern. "

Mit seinem Landesprogramm "Zukunftschancen für Kinder-Bildung von Anfang an" wertet Rheinland-Pfalz auf der einen Seite den Kindergarten auf. Auf der anderen Seite entlastet es Eltern mit kleinen Kindern finanziell. Das Land stellt dafür bis 2011 zusätzlich knapp 58 Millionen Euro bereit.

Bereits mit dem 2001 gestarteten Ganztagsschulprogramm setze Rheinland-Pfalz den Impuls für das Bundes-Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung". Dadurch entstehen gegenwärtig 5.000 zusätzliche Ganztagsschulen - in Regensburg wie in Bremen, in Stendal wie in Bottrop. Doch solch ein Bundesprogramm darf es nach der Föderalismusreform nur noch mit Zustimmung der Länder geben. Diese aber gehen im Bereich frühkindliche Bildung verschiedene Wege.

Im CDU-regierten Thüringen trat im Sommer dieses Jahres ein Familienförderungs- und Kindertageseinrichtungsgesetz in Kraft. Auch in der Mitte Deutschlands gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz ab dem zweiten Lebensjahr. Gleichzeitig erhalten alle Eltern mit einem Kind im dritten Lebensjahr 150 Euro pro Monat vom Land. Sie selbst können entscheiden, ob sie den Betrag nutzen, um ihre Tochter oder ihren Sohn in einer Kindertagesstätte oder von einer Tagesmutter betreuen zu lassen, oder ob sie das selbst übernehmen. Statt Kindergartenplätze werden so Kinder finanziert und die Wahlfreiheit der Eltern gestärkt, begründet Ministerpräsident Dieter Althaus diese "Familienoffensive".

" Ich halte es für unerträglich, wenn die Oppositionsparteien behaupten, dies schade den Kindern, weil sie in Kindertagesstätten grundsätzlich besser aufgehoben seien als zu Hause für zwei, drei Jahre. Eltern werden damit unter einen Generalverdacht gestellt, der in keiner Weise akzeptabel ist. Deshalb würde ich den Ansatz auch nicht so beschreiben, dass es um Einsparungen geht. Es geht um ein effizientes Finanzierungssystem, dass die Kita-Qualität und die Kindergarteneinrichtungen Thüringens grundsätzlich zukunftsfähig erhält."

Kritiker befürchten, Eltern - vor allem aus bildungsfernen Schichten - würden nun massenhaft ihre Kinder aus den Einrichtungen abmelden und sich das Geld in die Tasche stecken. Sie werfen der Regierung vor, immer noch nicht erkannt zu haben, dass eine moderne Familienpolitik den Ausbau der Infrastruktur verlangt, nicht aber weiterhin eine individuelle Familienförderung. Deutschland habe bereits europaweit das höchste Kindergeld, aber die schlechteste Infrastruktur für die Bildung und Betreuung der Jüngsten.

Zugleich aber gibt es auch noch andere ernstzunehmende Bedenken, was den weiteren Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung anbelangt: Ist es gut, der Kita weitere Aufgaben für die frühkindliche Förderung aufzubürden? Auch Untersuchungen in der Qualitätsinitiative der Bundesregierung wiesen nach, dass nur etwa die Hälfte der Einrichtungen wirklich sehr gut arbeitet. In allen Ländern erfolgte der Ausbau in den letzten Jahren auf Kosten der Qualität der Einrichtungen! Gleichzeitig sei eindeutig: Die Herkunft ist für die Bildungsbiografie eines Kindes entscheidender als die konkrete Kita oder Schule, in der es lernte. Deshalb nützte es nichts, einseitig nur auf die Institutionen zu schielen und zu hoffen, dass sie der Chancengerechtigkeit dienten.

" Ich glaube, man muss, was die Zukunftsaufgaben von Anfang an anbelangt, eine Doppelstrategie fahren. Auf der einen Seite sehr viel bewusster wahrnehmen, dass Familie der zentrale, wahrscheinlich der entscheidende Bildungsort überhaupt ist. Es gibt keine ernsthafte Debatte bislang weder in der Wissenschaft noch in der Politik, was bedeutet die Familie selber für Bildungsprozesse. ( ... ) Was man tun muss, ( ... ) dass die Familie in die Lage versetzt wird, übliche Bildungsprozesse, auch die durchschnittlichen, zu erreichen, das ist bisher gar kein Thema in Deutschland. "

Als ein äußeres Zeichen für diesen Wandel öffnen sich an vielen Orten gegenwärtig die Kitas den Eltern: bieten Elterncafés oder Elternschulen an und laden sie zu Renovierungsaktionen, Wandertagen und zur Konzeptentwicklung ein. Dabei geht Nordrhein-Westfalen voran. Es startet jetzt ein Pilotprojekt, um bis zum Sommer 2007 in jedem Jugendamtsbezirk mindestens eine Kita in ein Familienzentrum zu verwandeln.

" Dass wir sagen, wir wollen im Stadtteil, am besten angesiedelt an die Kita, vernetzte Hilfen für Eltern, für Kinder anbieten. Dazu gehört zum Beispiel Gesundheitsberatung, dazu gehört auch so etwas wie Kochkurse. "

Kerstin Griese ist SPD-Bundestagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen und kennt die Idee der Familienzentren. Eltern sollen - im Sinne dieser Konzeption - nicht nur ihre Kinder abgeben, sondern sie auch begleiten oder eigene Angebote nutzen können; Sprach- oder Computerkurse beispielsweise. Gerade Eltern mit Migrationshintergrund könnten die ihnen oft unvertraute Einrichtung "Kindergarten" zunächst kennenlernen. Sie sollten entdecken, dass ihnen hier ihre Kinder nicht entfremdet werden und deren Herkunftssprache und Kultur auch geachtet und wertgeschätzt wird. Gerade dadurch könnten auch ihre Kinder schneller Deutsch lernen.

" Wenn es uns gelingen würde, Kinder bereits mit Zwei in öffentlichen Einrichtungen so zu betreuen, dass es nicht als Angriff auf die Familien, sondern als Unterstützung verstanden wird, dass man die Chancen die Kontakte untereinander in diesem Alter haben, weil sie neugierig auf andere Kinder werden, wenn wir das insgesamt als ein Bildungsprojekt betrachten und nicht als ein Abschiebe- oder Versorgeprojekt, dann hätte Deutschland eine Riesenchance, auf natürliche Weise sehr viel mehr an diesem Migrationsproblem von Anfang an Integrationsleistung zu erbringen, die sie nicht später durch Kurse oder Schulungen irgendwas reparieren muss."

Doch das verlangt - trotz Föderalismusreform - ein bundesweit abgestimmtes Vorgehen, verlangen der DIHK- Geschäftsführer Achim Dercks und die Erziehungswissenschaftlerin Christa Preissing:

" Wir müssen aufpassen, dass wir nicht im Bereich der Kita in einer Kleinstaaterei verfallen, bzw. in ihr zu verharren. Deshalb sind Ansätze, die wir in der Schule erleben, sicher auch gut auf Kitas zu übertragen, nämlich mit Standards zu arbeiten, die dann bundesübergreifend gelten. "

" Auch das sagt die OECD-Studie Starting Strong sehr deutlich: Wir brauchen in dem Bereich eine zentrale Regulierung an bestimmten Stellen, zum Beispiel der, dass jedes Kind ein Recht auf Bildung hat. Der Bund muss hier auch tätig werden, wenn wir ernstnehmen, dass bei unserem Bildungssystem nach wie vor der enge Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungschancen existiert."

In der Tat gibt es gegenwärtig bundesweit eine gesellschaftliche Debatte, wie die Zukunft der Bildung für die Jüngsten erfolgreicher gestaltet werden kann.

" Wir überlegen als SPD zur Zeit auf Bundesebene, wie man den großen Batzen von Familienförderung, den wir in Deutschland haben, der je nach Berechnung zwischen 100 und 200 Milliarden Euro ist, wie man den zielgerichteter einsetzen kann. "

Alle Ausgaben für Familien sollten gebündelt und in einer Familienkasse zusammengefasst werden, so das Bundesfamilienministerium. Dadurch hofft man Geld einzusparen, das Eltern mit kleinen Kindern zugute kommen soll. Bereits ab Januar 2007 wird ein Elterngeld für die ersten zwölf bzw. vierzehn Monate eines Kindes gezahlt, so beschloss es der Bundestag Ende September. Nun sollte der nächste Schritt folgen, meinen Kritiker, nämlich: den Eltern anschließend auch ein verlässliches und gutes Bildungs- und Betreuungsangebot anzubieten. Etwa 2,5 Milliarden Euro würde es kosten, weitere Ganztagskitaplätze zu schaffen und bundesweit den Kindergarten gebührenfrei zu stellen. So schlägt Kerstin Griese vor, dafür das Ehegattensplitting zu verändern.

" Natürlich prallen da beim Koalitionspartner CDU/CSU zwei Vorstellungen aufeinander. Weil für uns der Ansatz Wahlfreiheit heißt, dass Beruf und Familie vereinbar sein müssen, ein ganz wichtiger ist, der in der Union häufig noch anders bewertet wird. Aber nicht mehr überall. Aber man sieht gerade auch bei den Jüngeren, dass sich da auch eine Diskussion geöffnet hat. Also ich glaube, ich werde es noch erleben, dass das Ehegattensplitting verändert wird - zugunsten der Betreuungsinfrastruktur für Kinder. "

Der jüngste Kinder- und Jugendbericht empfahl, bis 2010 von Geburt an einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu gewähren. Eltern könnten dann frei wählen, was sie wünschen. Bezahlt werden sollte der dafür notwendige Ausbau der Kinderbetreuung zu einem großen Teil durch die mit den zurückgehenden Geburtenzahlen freiwerdenden Gelder in den Kommunen - eingespartes Kindergeld und ähnliches. Diese Idee griff inzwischen auch der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Johannes Singhammer, auf und bereitet entsprechende Anträge für den CDU-Parteitag im November vor. Was sich jedoch in der gesamten Gesellschaft erst noch mehr verändern muss, das ist ein Klimawandel zugunsten von Kindern ganz allgemein.

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