Die neue Platte / Archiv /

 

Lettische Stimmen

Neue Einspielungen der Sängerinnen Kristine Opolais und Elina Garanca

Von Jochen Hubmacher

Kristine Opolais während einer Opernprobe
Kristine Opolais während einer Opernprobe (picture alliance / dpa / Stephanie Pilick)

Holzprodukte, Metallprodukte, Textilien - das sind laut Internetlexikon Wikipedia die Hauptexportartikel Lettlands. Etwas scheint in der Liste aber noch zu fehlen - herausragende Stimmen. Erstaunlich, wie viele Top-Sängerinnen und Sänger im internationalen Opernbetrieb aus dem Baltikum und speziell aus Lettland stammen. Zwei davon sind auf kürzlich erschienenen CDs zu erleben. Mezzosopranistin Elina Garanca hat den Olymp der Sängerinnen bereits erklommen. Ihre Landsfrau, die Sopranistin Kristine Opolais, schickt sich gerade dazu an und ihr musikalischer Karriereweg führte sie dabei unlängst ins Kloster.

"La Preghiera" aus: Suor Angelica, Oper in einem Akt
K: Giacomo Puccini


Auf der jetzt beim Label Orfeo herausgekommenen Einspielung von Giacomo Puccinis Operneinakter "Suor Angelica" singt Kristine Opolais die Hauptrolle, und am Dirigentenpult steht ihr Ehemann Andris Nelsons. Er leitet Rundfunkchor und Sinfonieorchester des WDR. Primadonna und Maestro - eine Konstellation, die an das Erfolgsgespann Joan Sutherland - Richard Bonynge erinnert. Ganz soweit ist es bei beim Ehepaar Opolais-Nelsons noch nicht. Dennoch lässt die in der Kölner Philharmonie entstandene Aufnahme so einiges für die Zukunft erwarten.

Auch wenn Puccinis "Suor Angelica" das Etikett "sentimentales Rührstück" vielleicht nicht ganz zu Unrecht trägt, schafft es Kristine Opolais ihrer Partie ein Höchstmaß an Glaubwürdigkeit und Intensität zu verleihen. Vielleicht liegt es mit daran, dass die Bühnenfigur, die sie verkörpert, im gleichen Alter, wie sie selbst sein könnte. Schwester Angelica ist eine junge Frau aus adligem Hause, die ins Kloster gehen musste, weil sie ein uneheliches Kind geboren hatte. Nach langen Jahren ohne Nachricht von ihrer Familie erfährt sie, dass ihr Sohn gestorben ist, und begeht daraufhin Selbstmord. Die finale Wiedervereinigungsszene mit dem Kind im Jenseits samt Marienerscheinung hat Puccini herbe Kritik eingebracht. Sicher hat er mit "Suor Angelica" nicht seine dramaturgisch beste Oper abgeliefert. Musikalisch präsentiert er sich jedoch auf der Höhe seines Könnens. Das stellt Kristine Opolais eindrucksvoll in der zentralen Arie "Senza mamma" unter Beweis.

"Senza mamma, o bimbo, tu sei morto"
K: Giacomo Puccini
aus: Suor Angelica, Oper in einem Akt


Kristine Opolais singt und ihr Mann Andris Nelsons dirigiert Giacomo Puccinis "Suor Angelica". Bis in die kleinsten Nebenrollen hervorragend besetzt, ist der Operneinakter jetzt als Neuaufnahme beim Label Orfeo erschienen.

Wie Kristine Opolais hat auch ihre Kollegin Elina Garanca praktischerweise einen Dirigenten geheiratet. Auf ihrer neuesten Arien-CD steht der allerdings nicht am Pult. Möglicherweise musste er während der Aufnahmen babysitten. Denn die lettische Mezzosopranistin wurde im letzten Jahr Mutter. Auf die Stimme hatte die Babypause hörbar keinen Einfluss. Elina Garanca klingt nach wie vor phänomenal gut.

"O mon Fernand"
K: Gaetano Donizetti
aus: La Favorite, Oper in 4 Akten


Hauptsächlich Arien aus der französischen Romantik singt Elina Garanca auf ihrer jetzt bei der Deutschen Grammophon erschienenen CD "Romantique". Berlioz, Gounod, Saint-Saens, Lalo - zumindest auf der Textebene französisch war der gerade gehörte Ausschnitt aus Gaetano Donizettis 1840 in Paris uraufgeführter Oper "La Favorite" und auch wenn Elina Garanca gleich russisch singen wird, die Figur, die sie verkörpert, ist die französische Nationalheldin schlechthin: Jeanne d'Arc die Jungfrau von Orleans. Peter Tschaikowsky hat ihr in seiner Oper "Orleanskaja deva" ein hierzulande kaum bekanntes musikalisches Denkmal gesetzt.

"Prostite vi, kholmi, polya rodniye"
K: Peter Tschaikowsky
aus: 'Orleanskaya deva', Oper in 4 Akten


Die Filarmonica del Teatro Comunale di Bologna unter Yvel Abel begleitet Elina Garanca auf ihrer ersten CD nach der Babypause. "Romantique" lautet deren Titel und erschienen ist sie bei der Deutschen Grammophon. Das war die neue Platte. Am Mikrofon bedankt sich für Ihr Interesse Jochen Hubmacher.

Besprochene CDs:

Puccini - Suor Angelica
Kristine Opolais, Sopran u.a.
WDR Rundfunkchor Köln
WDR Sinfonieorchester Köln
Ltg: Andris Nelsons

Label: Orfeo
Bestell-Nr.: C 848 121 A
LC: 8175


Romantique
Elina Garanca, Mezzosopran
Filarmonico del Teatro Comunale di Bologna
Ltg.: Yves Abel

Label: Deutsche Grammophon
Bestell-Nr.: 2894790071
LC: 0173

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Die neue Platte

Geistliche MusikDurchdachter Chorgesang

In einem Gesangbuch aus dem 15. Jahrhundert aus dem Gesangbucharchiv der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz (Rheinland-Pfalz) steht "Jesu Christ" in altdeutscher Schrift. 

Der Chor des im 14. Jahrhundert gegründeten Gonville & Caius Colleges der Universität Cambridge hat sich mit der Klangwelt des keltischen Christentums beschäftigt. Eine detailreich durchdachte Interpretation, die viele musikwissenschaftliche Dogmen infrage stellt.

KlaviermusikDas Pianos Trio mit raffinierten Arrangements

Hände spielen auf einem Klavier.

Das rote "S" im Namen des italienischen Pianos Trio kommt nicht von ungefähr: Denn bei einem Konzert stehen für Alessandro Stella, Giorgia Tomassi und Carlo Maria Griguoli gleich drei Flügel auf dem Podium. Nun ist eine CD mit Live-Aufnahmen des Trios vom Lugano Festival erschienen.

KomponistenUnkonventionelle Klänge aus Asien

Zwei Hände dirigieren ein Orchester.

Verlage und Labels stellen sich ein auf neue Interessenten und bemühen sich um zeitgenössische Komponisten mit Wurzeln in China, Korea und Japan. In diesem Zusammenhang stehen drei aktuelle Veröffentlichungen mit Künstlern, die längst die europäische Szene bereichern.

 

Musik

Sad RapTraurige Rapper im 21. Jahrhundert

Der US-Rapper Kanye West

Bei amerikanischen Rappern wie Drake, Kanye West oder Future gehört es längst zum guten Ton, die eigene Traurigkeit in den Vordergrund ihrer lyrischen Reflexionen zu stellen. Im Internet kursieren schon Genre-Bezeichnungen wie Sad Rap. Woher kommt dieses Interesse für die Traurigkeit?

Salzburger Festspiele 2014 Gepflegte Langeweile mit "Don Giovanni"

Festspielhäuser an der Hofstallgasse  in Salzburg

Zum Auftakt der Salzburger Festspiele 2014 wurde eine Neuinszenierung von Mozarts "Don Giovanni" gezeigt. Der Schauplatz: eine Hotellobby mit gedämpften Licht, ein Allerweltsort gepflegter Langeweile. Insgesamt hat die Inszenierung von Christoph Eschenbach und Sven-Eric Bechtolf den Rezensenten nicht überzeugt.

HörenDer Klang der Stadt Bonn

Die noch kahlen Äste eines Baumes ragen am 28.03.2014 in Bonn (Nordrhein-Westfalen) auf dem Petersberg über dem Rheintal in den blauen Himmel.

Die Beethovenstiftung fördert in Bonn moderne Klangkünstler, Komponistinnen und Komponisten – und erlaubt ihnen, mitten im Stadtbild mit ganz unterschiedlichen Sounds zu experimentieren. In den letzten fünf Jahren sind viele Hör-Stationen in der Innenstadt und am Rheinufer entstanden.