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StartseiteBüchermarkt"Man sollte eine gute Geschichte über die Wahrheit stellen"27.12.2010

"Man sollte eine gute Geschichte über die Wahrheit stellen"

John Boyne: "Das Haus zur besonderen Verwendung"

Der irische Autor John Boyne ist zu Gast im Studio. Mit Tanya Lieske spricht er über seinen neuen Roman "Das Haus zur besonderen Verwendung". Als Inspiration diente ihm jenes streng bewachte Haus in Jekaterinburg, in das die russische Zarenfamilie nach ihrem Sturz gebracht worden war.

John Boyne im Gespräch mit Tanya Lieske

"Ich schreibe das, was mich selbst interessieren würde, man ist ja immer sein erster Leser." (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
"Ich schreibe das, was mich selbst interessieren würde, man ist ja immer sein erster Leser." (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Mit Tanya Lieske. Der Büchermarkt heute mit einem Studiogast aus Irland: Der irische Autor John Boyne ist uns allen ein Begriff spätestens seit seinem Jugendroman "Der Junge im gestreiften Pyjama", der in viele Sprachen übersetzt und auf der ganzen Welt gelesen wurde. Auch über dieses Buch wollen wir heute sprechen, doch zunächst um ein Stück Belletristik für Erwachsene. John Boyne hat seinen neuen Roman mitgebracht, und der heißt: Das Haus zur besonderen Verwendung, The House of Special Purpose, englische Titel, was hat es mit diesem Haus auf sich, John Boyne?

John Boyne: Mein Roman beginnt in der Zeit vor der Russischen Revolution von 1917 . Das Haus zur speziellen Verwendung war ein Haus in Jekaterinburg, wohin die Familie des Russischen Zaren gebracht wurde, nachdem sein autokratisches Regime gestürzt worden war. Und die Bolschewiken haben den Zaren Nikolaus II, seine Frau Alexandra und ihre fünf Kinder dort umgebracht. Weil das Haus von Soldaten bewacht war, haben Nachbarn manchmal gefragt, was sich dort zuträgt, und dann bekamen sie die Antwort: "Dies ist das Haus zur besonderen Verwendung." Ich habe diese Wendung zum Titel meines Romans gemacht, und ich beschreibe diese Ereignisse.

Lieske: Das Haus hat es also wirklich gegeben, es liegt in der Stadt Jekaterinburg im Ural, dort wurde in der Nacht 16/17. Juli 1918 die Zarenfamilie ermordet. Gerüchte, die jüngste Zarentocher Anastasia habe überlebt, haben sich lange hartnäckig gehalten. Sie greifen es auf und machen es zum Kern, Ihres Romans – wie sind Sie zu diesem Stoff gekommen und was hat Sie daran interessiert?

Boyne: Ich habe alle Kinder des Zaren und auch die Zarin sehr interessant gefunden, aber ganz besonders eben die jüngste Tochter Anastasia. Ihr Name ist fast schon legendär, es gab da diesen Mythos, dass sie das Massaker überlebt hätte, und im Laufe des letzten Jahrhunderts haben sich ja auch immer wieder lebende Menschen für sie ausgegeben. Mich hat an ihr interessiert, dass sie wegen ihres Todes berühmt ist, aber nicht als lebendige Person. Und bei mir ist sie ein junges Mädchen, und sie verliebt sich in meinen Erzähler Georgi, und hier findet man Anastasia zum ersten mal mit einer eigenen Persönlichkeit, nicht als Tote.

Lieske: Das Schicksal der Zarenfamilie hat ja viele Mythen hervorgerufen und viele Geister sehr fasziniert. Die Zeit Ihrer Recherche und des Schreibens fällt zusammen mit der Exhumierung und Identifizierung der Gebeine der Zarenfamilie, man hat festgestellt, dass alle Zarentöchter, auch Anastasia, umgekommen sind. Hat das den Prozess Ihres Romans beeinflusst?

Boyne: Nein, überhaupt nicht. Ich habe jetzt eine ganze Reihe von historischen Romanen geschrieben. Und jedes Mal nehme ich eine wahre Begebenheit und mache daraus ein Stück Fiktion, eine Geschichte eben. Ich möchte die Leser mitnehmen, aber ich behaupte nicht, dass sich alles so zugetragen hat, wie ich es schreibe. Man sollte eine gute Geschichte über die Wahrheit stellen.

Lieske: Eine sehr freie Verwendung von Geschichte, die entsteht aus der Sicht einer fiktiven Hauptfigur, das ist Ihr Prozedere, das haben Sie von Anfang an gemacht. Ist Geschichte für Sie so etwas wie ein Steinbruch, aus dem der Autor sich frei bedienen kann?

Boyne: Ja, auf jeden Fall! Und mich hat es selbst überrascht, dass ich so viele Romane geschrieben habe, die in der Vergangenheit spielen. Das hatte ich gar nicht vorgehabt, das hat sich einfach so ergeben. Ich betrachte mich aber nicht als einen Autor von Historienromanen. Ich verwende ein großes Stück Geschichte, aber ich bewege mich auch in der Gegenwart. Bei dem vorliegenden Roman geht es in der zweiten Hälfte um die 60 Jahre nach der Revolution, das führt bis in die 80er- Jahre. Mir geht es darum, wie die Vergangenheit die Gegenwart meiner Figuren prägt. Und ich schreibe sowieso nur über Epochen, die mich selbst interessieren, über die ich auch recherchieren will.

Lieske: Das wäre auch gleich meine nächste Frage gewesen. Sie führen Ihre Leser in eine sehr glamouröse Epoche, in die letzten Jahre des vorrevolutionären Russlands, nach St. Petersburg, an den Zarenhof, ins Winterpalais, man sieht die ganze Pracht Adelsdynastie und erste Zerfallserscheinungen. Diese Epoche wird in vielen Details und Atmosphäre lebendig – wie haben Sie dafür recherchiert?

Boyne: Ich habe in drei Schritten recherchiert. Zunächst lese ich immer die Romane der Zeit, also Tolstoi und Dostojewski. Dort findet man das Alltagsleben besser beschrieben als in den Sachbüchern. Die habe ich als nächstes gelesen um so viel wie möglich zu erfahren über die Revolution, den Zaren, seine Familie, seine Liebesgeschichte mit der späteren Zarin Alexandra. Der dritte und wohl wichtigste Schritt war, dass ich selbst nach St. Petersburg gefahren bin. Ich habe eine gute Hälfte dieses Romans in St. Petersburg geschrieben, in den Räumen des Winterpalais, das jetzt ein Museum ist, direkt nebenan liegt ja die Hermitage. Und ich bin dort jeden Morgen mit meinem Laptop hingegangen und habe mich immer in ein anderes Zimmer gesetzt und habe versucht, den Geist der Umgebung einzufangen. Das war wohl die schönste Schreiberfahrung meines Lebens. Ich konnte mich in die Stadt, in die Leute und in die Kultur hineinbegeben. Und ich habe so auch die Tragödie des Mordes an der Zarenfamilie begriffen und beschrieben.

Lieske: Sie sagten vorhin, dass man Anastasia, die jüngste Zarentochter, vor allem durch ihr Sterben kennt. Ihr Leben mussten Sie neu erfinden. Wie ging das vor sich, die Persönlichkeit dieser jungen Frau neu zu erschaffen?

Boyne: In dieser Situation muss man sich, ehrlich gesagt, auf die eigene Vorstellungskraft verlassen. Man weiß sehr wenig von den Zarenkindern Olga, Tatjana, Maria, Anastasia oder von dem Zarewitsch Alexander. Der Grund ist, dass sie keine Gelegenheit hatten, etwas mit ihrem Leben anzufangen. Sie sind sehr früh gestorben, sie mussten ihren Eltern überall hin folgen, sie wurden zu Hause unterrichtet, es gibt also keine weiteren Informationen über sie. Außer vielleicht über Olga, die älteste der Zarentöcher, die mit ihrer Mutter während der Zeit des Ersten Weltkrieges die Krankenhäuser in St. Petersburg besucht hat, wo sie die Kranken pflegten. Aber Anastasia blieb zu Hause, und da musste ich mir alles vorstellen, eine junge Frau erschaffen, ihr Interessen und Hoffnung für eine Zukunft mit auf den Weg zu geben, den Wunsch, sich zu verlieben. So gibt man der Figur eine Fallhöhe, denn natürlich weiß man, wie das Ganze ausgeht.

Lieske: Bevor wir weiter reden, hören wir einen Auszug aus Ihrem Roman: Die erste Begegnung des knapp 17-jährigen Erzählers Georgi Jatschmenew mit der zwei Jahre jüngeren Zarentochter Anastasia, die er später retten und heiraten wird. Man schreibt das Jahr 1916, befindet sich im Winterpalais in St. Petersburg.

- John Boyne liest -

Lieske: Ein Roman, in dem es um das Schicksal der russischen Zarenfamilie nach der Revolution von 1918 geht. Die jüngste Zarentochter Anastasia überlebt und beginnt eine bürgerliche Existenz mit Georgi in Paris und London. Ein Stoff mit maximaler Fallhöhe und von großer Opulenz, in den eine dramatische Liebesgeschichte eingebettet ist. Auf dem deutschen Buchmarkt zielt so etwas auf das Segment der weiblichen Leserschaft. Wen hatten Sie als Leser vor Augen?

Boyne: Ehrlich gesagt bin ich mir nie ganz so sicher, wer meine Leser sind. Als meine ersten beiden Romane veröffentlich wurden, hat man mich als einen Autor historischer Romane bezeichnet, danach als Krimischriftsteller, und dann habe ich ein Kinderbuch geschrieben, und jetzt bin ich wieder bei der Geschichte angelangt. Ich versuche weniger an mein Publikum zu denken als an mich selbst, ich schreibe das, was mich selbst interessieren würde, man ist ja immer sein erster Leser. Und ich denke dann nicht an einen Mann, eine Frau, ein Kind als Leser, das sind eher Kategorien für die Verlage und für Buchhändler. Zu meinen Lesungen kommen auch ganz verschiedene Leute. Wahrscheinlich wegen meines Buchs "Der Junge im Gestreiften Pyjama" kommen auch sehr viele junge Leute, sehr viel mehr als früher.

Lieske: Ihr Jugendbuch "Der Junge im gestreiften Pyjama" hat hierzulande eine Kontroverse ausgelöst wegen dem sehr freien Umgang mit dem Ort und dem Vernichtungslager von Auschwitz, das zur Metapher wird. Seit Paul Celan wissen wir, dass man über Auschwitz Gedichte schreiben kann und seit Herta Müller, dass der Gulag auch mit den Mitteln der Poesie bewältigt werden kann. Für Jugendliche hat das noch keiner gewagt, Sie sind der erste, nennen Ihr Buch eine Fabel. Wie kamen Sie zu diesem Stoff?

Boyne: Am Anfang stand ein ganz einfaches Bild von den beiden Jungen, die an einem Zaun sitzen, und die sich unterhalten. Dann wusste ich auch sofort, wo der Zaun steht, und warum er da war, und ich wusste, das war kein guter Ort für zwei kleine Jungen. Aber mich hat ihre Reise an diesen Ort interessiert und das, worüber sie sich unterhalten würden, und auch das notwendige Ende ihrer gemeinsamen Geschichte. Nach einigen Überarbeitungen stand das Wort "Auschwitz" auch gar nicht mehr drin, nur noch als Anspielung in der falschen Aussprache des Jungen Bruno. Für mich ist aber kein bestimmtes Lager gemeint, sondern eines der vielen Lager, die es im Krieg gab. Deswegen trägt mein Roman auch den Untertitel "Fabel", weil man den Ort eher als Metapher verstehen muss. Das hat für Kinder wohl wirklich noch keiner gemacht, und ich habe versucht, auf dem Weg keine Kompromisse zu machen. Es gibt auch kein Glückliches Ende. Als ich ein Kind war, hat man den Holocaust noch nicht unterrichtet. Das hat sich geändert. Es war mir daher wichtig, die Wahrheit zu sagen. Und ich bin auch der Meinung, dass Kinder diese Wahrheit ertragen können.

Lieske: Der Ort, den Sie aus-wisch nennen, wurde hierzulande natürlich als Auschwitz gelesen. Hier sind noch Zeitzeugen lebendig. Können Sie es nachvollziehen, wenn man sich als Leser daran stößt, dass sich zwei Jungen durch den Lagerzaun von Auschwitz hinweg unterhalten, der eine Todesgrenze war?

Boyne: Ja, das kann ich mir vorstellen, aber wenn man "Den Jungen im gestreiften Pyjama" bis zum Ende liest und sich dann darauf versteift, warum diese Geschichte so nicht hat stattfinden können, dann hat man mein Buch nicht verstanden. Es will mit dem Herzen, und nicht mit dem Verstand gelesen werden. Es ist, was es ist. Der Kommandant von Auschwitz hatte seine Kinder ja mit dabei, sie spielten in einem Garten neben den Gaskammern, da stand nur eine Mauer dazwischen. Es gab auch Kinder im Lager. Viele Kinder starben sehr schnell, aber nicht alle. Einige wurden für medizinische Experimente am Leben gehalten. Von Elie Wiesel wissen wir, dass es klug war, so zu tun, als sei man schon älter. Aus all diesen Gründen heraus denke ich, meine Geschichte ist nicht wahrscheinlich, aber es ist eine mögliche Geschichte.

Lieske:Sie erwähnten vorhin, dass zu Ihrer Schulzeit das Dritte Reich noch nicht unterrichtet wurde, war das für Sie auch ein persönlicher Weg, sich damit auseinanderzusetzen?

Boyne: Ja, auf jeden Fall. Ich habe Primo Levi mit 15 gelesen, und das war meine erste Begegnung mit der Materie. Und in den letzten vier Jahren habe ich in vielen Schulen in aller Welt gelesen. Und ich habe den Schülern immer gesagt, dass sie, wenn sie meine Geschichte berührt, weitere Bücher lesen sollten, ich nennen ihnen dann schleunigst die entsprechenden Sachbücher. Ich empfehle den neun-bis elfjährigen Schülern dann die Autobiografien und die Erfahrungsberichte der Überlebenden. Das hat etwas mit meiner Verantwortung zu tun.

Lieske: Der Junge im gestreiften Pyjama, eine Fabel; Das Haus zur besonderen Verwendung, ein Roman mit einer ziemlich raffinierten Zeitstruktur. Dieser Roman ist in zwei gegenläufigen Erzählbewegungen erzählt, das schafft maximalen Suspense, da wir auf die Mordnacht fast bis zum Ende warten müssen, auch wenn wir das ganze Leben des Georgi Jatschmenew überblicken. John Boyne, Sie sind knapp 40 Jahre alt, haben am Trinity College Dublin Literatur studiert, an der University of East Anglia das Schreiben erlernt, Sie sind ein professioneller Autor mit Millionenauflage, ist das Schreiben für Sie ein Handwerk?

Boyne: Ja, auf jeden Fall! Und ich hatte mir für "Das Haus zur besonderen Verwendung" noch etwas besonderes vorgenommen, ich mache zum ersten Mal einen alten Mann zum Erzähler, einen Mann, für den Englisch nicht die Muttersprache ist. All meine früheren Romane haben jugendliche Hauptpersonen, und da muss man viel lockerer mit der Sprache umgehen. So konnte ich mich zum ersten Mal auf eine raffinierte, elegante Sprache konzentrieren. Und das war eine besondere literarische Herausforderung. Das gilt auch für die beiden Zeitstränge in meinem Roman, die sich abwechseln, und die sich am Ende treffen. Ich wollte hier etwas Neues versuchen, aber hoffentlich auch die Leser bei der Stange halten. Das ist auf jeden Fall Handwerk. Ich arbeite sehr hart und sehr viel an meinen Büchern, ich schreibe jeden Tag, und ich versuche dabei, ständig besser zu werden. Meine Bücher sollen spannend sein, den Leser mitnehmen, und ihn am Ende auch berühren.

Lieske: Sie haben eine recht beeindruckende Produktivität. Sie haben acht Romane veröffentlicht, zwei Kinderromane, etliche Shortstories in einem Jahrzehnt, dazu Kritikern und Journalistische Formen. Wie muss ich mir Ihren Alltag vorstellen?

Boyne: Mein Alltag ist ziemlich diszipliniert. Wenn man wirklich Schriftsteller sein will, dann muss man diese Disziplin aufbringen. Als ich noch sehr viel jünger war, habe ich mal ein Interview mit der irischen Autorin Maeve Binchy gelesen. Und sie hat gesagt, wenn man jeden Tag eine Seite schreibt, hat man am Ende des Jahres 365 Seiten, und das ist mehr als ein durchschnittlicher Roman. Das hört sich so einfach an, und genau so ist es auch. Ich glaube nicht an eine Muse oder an die Inspiration, ich glaube, dass man sich hinsetzt und einen Satz hinschreibt und den dann weiter verfolgt, und das macht man jeden Tag, und so entsteht eine Geschichte. Das ist mein Leben, und ich liebe es! Ich liebe Bücher, ich habe immer schon gelesen und in Buchhandlungen gearbeitet, Bücher sind meine Welt, und ich bin froh, dass ich dazu etwas beitragen kann.

Lieske: Sie sind 1971 geboren, das heißt eine gute Hälfte Ihres Lebens haben Sie unter dem "Celtic Tiger" verbracht. In dieser Zeit hat eine Globalisierung der irischen Literatur stattgefunden, die sich wegbewegt hat von traditionellen irischen Themen – der Familie, der Armut, dem Alkohol – die sich stattdessen problemlos über die Kontinente, die Zeiten und die Stoffe bewegt. Sind Sie einverstanden, wenn man auch Sie als einen solchen Vertreter der globalisierten Literatur beschreibt?

Boyne: Ja, das kann man schon sagen. Als ich ein junger Mann war, in meinen Zwanzigern und versucht habe, meine Schriftstellerkarriere anzutreten, da gab es schon eine Reihe von Schriftstellern wie Roddy Doyle und ColumMcCann und Colm Toibin, die man in der ganzen Welt gelesen hat. Und für einen jungen Autor aus Dublin wie mich war das eine Ermutigung, zu sehen, dass man diese Autoren in viele Sprachen übersetzte, und dass sie mit Ihrem Werk Preise gewannen, und ich dachte, das ist kein unmöglicher Traum, ich kann das auch! Und heute ist der internationale Markt für mich wichtig, ich reise viel, zum Beispiel hierher nach Deutschland. Für ein kleines Land wie Irland ist das ein riesiger Erfolg, wir haben so viele Autoren, die in der ganzen Welt anerkannt sind. Wir waren immer schon eine Nation der Geschichtenerzähler, das ist unsere Kultur auch schon vor Joyce, wir lieben Geschichten und wir produzieren herausragende Schriftsteller.

Lieske: Begrüßen Sie diese Entwicklung der irischen Literatur weg von diesen eher häuslichen irischen Themen?

Boyne: Ich glaube nicht, dass das eine besser ist als das andere. Als Schriftsteller soll man über das schreiben, was einen selbst begeistert. Ich habe in meinen acht Büchern noch nicht über Irland geschrieben, das steht für mich noch aus. Eine Geschichte über mein eigenes Land zu schreiben und über meine Menschen. Aus irgend einem Grund war ich dazu noch nicht in der Lage. Aber wenn, dann kommt hoffentlich einfach eine gute Geschichte, und die schreibe ich dann auf.

Lieske: Der irische Autor John Boyne war heute zu Gast im Büchermarkt. "Das Haus zur besonderen Verwendung" wurde übersetzt von Fritz Schneider, ist im Arche-Verlag erschienen, kostet 24,90. Der Junge im gestreiften Pyjama ist als Taschenbuch bei Fischer Schatzinsel erschienen, übersetzt von Brigitte Jakobeit, 7,95 Euro.

John Boyne: "Das Haus zur besonderen Verwendung" Aus dem Englischen von Fritz Schneider. Arche Verlag, Zürich 2010, 560 Seiten, 24,90 Euro

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